Frauen bei der Polizei

„Damals war das eine Revolution“: Erste Polizistinnen im Allgäu berichten

Polizistinnen in Uniform

Polizistinnen der ersten Stunde im Allgäu: Polizeihauptmeisterin Monika Zeiler (49) aus Marktoberdorf, Kriminalhauptkommissarin Susanne Winter (45) aus Kempten und Polizeihauptmeisterin Marion Heuchert-Wöhrl (54) aus Immenstadt.

Bild: Matthias Becker

Polizistinnen der ersten Stunde im Allgäu: Polizeihauptmeisterin Monika Zeiler (49) aus Marktoberdorf, Kriminalhauptkommissarin Susanne Winter (45) aus Kempten und Polizeihauptmeisterin Marion Heuchert-Wöhrl (54) aus Immenstadt.

Bild: Matthias Becker

Bayern stellte als letztes Bundesland vor gut 30 Jahren uniformierte Beamtinnen ein. Drei Allgäuer Polizistinnen der ersten Stunde reden über ihre Erfahrungen.
25.06.2021 | Stand: 14:04 Uhr

Vor über 30 Jahren fiel eine der letzten Männerbastionen: Seither dürfen Polizistinnen in Bayern Uniform tragen. Was heute selbstverständlich ist, war damals eine Revolution, erinnert sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Der Freistaat war das letzte Bundesland, das Frauen die Uniform verwehrte. Frauen durften nur bei der Kriminalpolizei arbeiten – und zwar in Zivil. Oberster Gegner von uniformierten Frauen war der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß. „Er lehnte es strikt ab, auch nur eine Diskussion zu erlauben“, erzählte Herrmann einmal in einem Interview.

22 Prozent aller Polizisten in Bayern sind weiblich

Nach Strauß’ Tod 1988 dauerte es dann aber keine zwei Jahre, ehe die ersten uniformierten Polizistinnen eingestellt wurden - und ab Anfang der 1990er Jahre auch im Allgäu ihren Dienst antraten. Heute sind rund 22 Prozent aller Polizeivollzugsbeamten in Bayern weiblich. Mehr als 6100 von ihnen arbeiten nach Angaben des bayerischen Innenministeriums im uniformierten Dienst. Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West sind sogar 31 Prozent aller Polizeivollzugsbeamten weiblich - nämlich 440. Vor 30 Jahren war es noch eine Handvoll. Hier schildern drei Polizei-Pionierinnen im Allgäu ihre Erfahrungen:

  • Monika Zeiler (49) Polizeihauptmeisterin in Marktoberdorf: „Meine Mama hat schier einen Herzinfarkt bekommen, als ich Polizistin werden wollte. So exotisch war das damals. Bei meiner ersten Praktikumsstelle bei der Grenzpolizei Pfronten wurde ich als erste Praktikantin sogar mit einem Blumenstrauß empfangen. Eine Umkleide für Frauen gab es jedoch noch nicht. Mich hat der Polizeidienst gereizt, weil ich einen abwechslungsreichen Job haben und nicht nur am Schreibtisch sitzen wollte. Und den habe ich zum Glück bekommen. Probleme mit Kollegen hatte ich nie. Leider stelle ich in der täglichen Arbeit aber fest, dass bei manchen Menschen auf der Straße der Respekt verloren gegangen ist. Einige - auch Frauen - werden richtig aggressiv, sobald sie eine Uniform sehen, und zwar egal, ob sie ein Polizist oder eine Polizistin trägt. Umso mehr freue ich mich, wenn Leute positiv oder sogar dankbar auf unseren Einsatz reagieren.“
  • Susanne Winter (45) ist Kriminalhauptkommissarin in Kempten: „Ich hab die Uniform immer gerne getragen. Allein schon aus praktischen Gründen: Man muss sich in der Früh nicht groß überlegen, was man anziehen muss (lacht). Heute arbeite ich bei der Kripo und trage wie meine Kollegen zivile Kleidung. In den 1990er Jahren musste man hier und da schon noch Überzeugungsarbeit leisten. Da hatten speziell ältere Kollegen so eine Art Beschützerinstinkt. Eine junge Polizistin wurde väterlich als „s’Mädle“ bezeichnet. Diese Zeiten sind vorbei. Wir Frauen stehen im Dienst buchstäblich unseren Mann. Einmal musste ich meine Dienstwaffe zücken und nach einem Wildunfall ein angefahrenes Reh erschießen. Mein männlicher Kollege hatte das nicht übers Herz gebracht und mich gebeten, es zu tun.“
  • Marion Heuchert-Wöhrl (54) Polizeihauptmeisterin in Immenstadt: „Ich habe bei der weiblichen Kriminalpolizei meine Ausbildung gemacht. Dort durften wir nur zivil tragen. Durch die Uniform sind wir Polizistinnen später so richtig angekommen in der Polizei und in der Gesellschaft. Ich erlebe oft, dass es zum Beispiel bei Themen wie Gewalt in der Familie oder gegen Kinder wichtig ist, dass es auch Ansprechpartnerinnen gibt. Bei Konfliktsituationen wirkt es zudem oft deeskalierend, wenn Polizistinnen dabei sind. Heute sind Frauen aus dem Polizeidienst nicht mehr wegzudenken. Die Akzeptanz ist voll da. Das sieht man auch an Teilzeitmodellen aller Art, die für Frauen, aber natürlich auch für Männer angeboten werden.“

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