American Football

Das Ei fliegt wieder - Allgäu Comets beim ersten gemeinsamen Football-Training

Allgäu Comets Training

Sieht wie Fußball aus, ist aber American Football. Marcel Schade (Kicker der Allgäu Comets) feilt im ersten gemeinsamen Training nach etwa 18 Monaten an seiner Schusstechnik, dabei muss er immer den Wind im Auge behalten.

Bild: Ralf Lienert

Sieht wie Fußball aus, ist aber American Football. Marcel Schade (Kicker der Allgäu Comets) feilt im ersten gemeinsamen Training nach etwa 18 Monaten an seiner Schusstechnik, dabei muss er immer den Wind im Auge behalten.

Bild: Ralf Lienert

Die Allgäu Comets trainieren unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit strengen Auflagen. Beim ersten Training gibt es ernste Worte und ungebetene Zuschauer.
29.03.2021 | Stand: 20:05 Uhr

„Endlich ist es wieder soweit“, sagt Comets-Präsident Adi Hölzli. Nach 18 Monaten ohne Football darf das Kemptener Bundesliga-Team an diesem Samstagvormittag gemeinsam auf den Trainingsplatz. Trotz des nasskalten Wetters und starken Winds merkte man den Spielern, Trainern und Betreuern eine gewisse Erleichterung an. Nach vielen Monaten der Ungewissheit, wie und wann es überhaupt in der GFL (German Football League) weitergehen könnte, durften die Comets nun endlich wieder das machen, was sie am besten können: Football spielen. (Alles zur Corona-Krise in unserem Newsblog)

Strenge Hygienevorgaben für Sportler

„Der Weg dorthin war allerdings nicht einfach“, erzählt Hölzli vor dem Trainingsplatz am Bachtelweiher. Die vergangenen Monate waren geprägt von virtuellen Treffen. Individuelle Trainingseinheiten und Besprechungen im Videostream standen auf der Tagesordnung. „Die Jungs sind heiß. Sie wollen endlich wieder spielen“, sagt Hölzli, der es selber kaum erwarten kann, seine Mannschaft wieder auf dem Feld zu sehen. Doch bevor die Footballer raus dürfen, müssen sie strenge Vorgaben erfüllen.

Etwa 100 Meter weiter in Richtung Bachtelweiher ist ein kleines Zelt auf dem Parkplatz aufgestellt. Das medizinische Personal der Comets hat sich dort breitgemacht. Davor steht ein Mann und winkt die Autos zu sich. Dann wird – so wie zum Beispiel im Test- und Impfzentrum in der Ari-Kaserne – getestet. „Wir müssen das nicht tun“, sagt der Mann im weißen Overall. Es ist Mannschaftsarzt und Vizepräsident Johannes Huber. „Aber wir gehen auf Nummer sicher.“ Denn die Comets haben das Privileg, trotz hoher Inzidenzwerte in Kempten Football spielen zu dürfen. Dafür haben sie tief in die Tasche gegriffen. Huber: „Bisher haben wir 2500 Euro für Tests ausgegeben.“ (Die Inzidenzwerte für das Allgäu finden Sie hier.)

Ansprache der Vorstandschaft: Wer Regeln bricht, fliegt raus

Um einen geordneten Ablauf vor Ort zu gewährleisten, wurde allen Spielern ein Fünf-Minuten-Zeitfenster gegeben, in dem sie sich testen lassen müssen. „Jeder lässt sich im Auto testen, fährt dann auf den Parkplatz vor dem Feld und muss so lange im Wagen bleiben, bis das negative Ergebnis da ist“, erzählt Huber. Dass alle Beteiligten negativ getestet wurden, freut die Comets-Funktionäre, doch sie sehen ihre Spieler auch in der Verantwortung.

Deshalb ruft Hölzli zum sogenannten Huddle (Versammlung der Spieler vor einem Spielzug, um die Strategie zu besprechen/Anm. d. Red.) im Mittelkreis und richtet deutliche Worte an seine Mannschaft. „Wir haben eine Sonderstellung, aber auch eine Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen, der Stadt und den anderen Vereinen“, sagt Hölzli. Er nimmt seine Spieler in die Pflicht, sich auf und neben dem Platz verantwortungsbewusst zu verhalten. Auch Head-Coach Hesham Khalifa und Mannschaftsarzt Huber nehmen kein Blatt vor den Mund. „Wenn ich jemanden erwische, der sich nicht an die Regeln hält, dann schmeiß’ ich den hochkant raus“, sagt Huber.

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Allgäu Comets ziehen Bilanz

Trotz der ernsten und harten Worte der Vorstandschaft ist die Stimmung in der Mannschaft gut. Die Musik ist laut und die Spieler zeigen, wie viel Lust sie auf Football haben. In der vierstündigen Trainingseinheit trotzen sie den eisigen Temperaturen und zeigen vollen Körpereinsatz. Während die einen dick eingepackt sind, mit Handschuhen und langen Hosen, tragen die anderen nur Shorts und T-Shirts.

Neuer amerikanischer Quarterback für die Allgäu Comets: McLane Carter kommt aus Texas nach Kempten

Zum ersten Mal mit dabei ist auch der neue Quarterback der Comets: McLane Carter. „Er ist erst vor zwei Tagen angereist“, sagt Hölzli. Doch im ersten Training zeigt der ehemalige Spielmacher der Texas Tech Universität bereits sein Potenzial. „Wir erwarten uns viel von ihm, denn er ist der Quarterback mit dem höchsten Ranking, den wir jemals hatten“, freut sich der Präsident.

Schaulusitge beim Training

Mit von der Partie sind auch einige Schaulustige – hauptsächlich Spaziergänger –, die ab und zu stehen bleiben und das Treiben auf dem Platz beobachten. Einer betritt sogar das Trainingsgelände, wird aber schnell von Comets-Mitarbeitern gebeten, das Feld zu verlassen. „In den vergangenen Wochen, als wir hier in Kleingruppen trainiert haben, kam es öfter vor, dass irgendwelche Leute uns beleidigt haben oder gar beim Ordnungsamt angerufen haben“, bedauert Hölzli.

Doch dieses Mal läuft alles einwandfrei. Der Präsident und seine Kollegen erklären den Schaulustigen, wieso dort gerade 60 Footballer gemeinsam trainieren. „Unsere Erklärung, dass Bundesligateams aktuell trainieren dürfen, haben alle verstanden“, sagt Hölzli zufrieden und blickt schon auf kommenden Samstag. Dann findet das nächste Training statt – erneut mit vielen Tests und großem Einsatz.