Wertach

Das Kreuz mit den Vornamen

W G Sebald

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Bild: Unbekannt

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Biografie Sebald mochte Winfried und Georg nicht – und hörte lieber auf Max
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Von mdu/Foto: AZ-Archiv
06.03.2020 | Stand: 15:43 Uhr

Sebald mochte seine ersten beiden Vornamen Winfried und Georg nicht, daher kürzte er sie mit W. G. ab. Viel lieber ließ er sich von seinen Freunden Max nennen, nach seinem dritten Vornamen Maximilian. Am 18. Mai 1944 wurde er in Wertach als zweites Kind von Georg und Rosa Sebald geboren. Schwierig war sein Verhältnis zum Vater, der in der Wehrmacht und später in der Bundeswehr Offizier war. Eine enge Beziehung hatte er zu seinem Großvater, dem Dorfgendarm Josef Egelhofer.

1953 zog die Familie nach Sonthofen. Sebald besuchte dort die Volksschule, dann das Gymnasium in Oberstdorf. Nach dem Germanistik-Studium arbeitete er als Lehrer in der Schweiz und wechselte 1970 an die University of East Anglia in Norwich (England), an der er ab 1988 als Professor für Neuere deutsche Literatur lehrte. In jenem Jahr erschien auch das Buch „Nach der Natur. Ein Elementargedicht“. Die folgenden Bücher „Schwindel. Gefühle“ (1990), „Die Ausgewanderten“ (1992), „Die Ringe des Saturn. Eine englische Wallfahrt“ (1995) und „Austerlitz“ (2001) begründeten seinen Weltruhm. Sebald erhielt viele Auszeichnungen, darunter den Berliner Literaturpreis (1991) die Mörike-und Heinrich-Böll-Preise (beide 1997) und den Heinrich-Heine-Preis (2000). Am 14. Dezember 2001 kam Sebald bei einem Autounfall in England ums Leben.

In der angelsächsischen Welt genoss Sebald früh Wertschätzung Das Allgäu hielt sich lange Zeit damit zurück. Der prominente Sohn hatte seine Heimat oft kritisch beschrieben. Doch das änderte sich: Einen Sebald-Wanderweg mit sechs Stelen eröffnete 2005 seine Heimatgemeinde Wertach in Anlehnung an die Erzählung „Il Ritorno in Patria“ (Rückkehr in die Heimat). Und im November 2019 gründete sich in Kempten die Deutsche Sebald-Gesellschaft, die die Erinnerung an den Allgäuer Literaten von Weltrang hochhalten will. Mit den Städten Kempten und Sonthofen sowie dem Markt Wertach hat sie unter dem Motto „Gedächtnis und Erinnerung“ einen Literatur-Wettbewerb ausgeschrieben. Der mit 10000 Euro dotierte W.-G.-Sebald-Literaturpreis wird am 21. November in Sonthofen verliehen. Prosatexte mit maximal 30000 Zeichen können bis 30. April eingereicht werden. E-Mail an sebaldpreis@sonthofen.de.