Kunsthaus Bregenz

Das Kunsthaus wird zum Ort, der die Sinne verwirrt

Kunsthaus bregenz

Spiel mit (blauem) Licht und (grauem) Raum: Installation von Pamela Rosenkranz im Kunsthaus Bregenz, das jetzt wieder erreichbar ist.

Bild: Markus Tretter

Spiel mit (blauem) Licht und (grauem) Raum: Installation von Pamela Rosenkranz im Kunsthaus Bregenz, das jetzt wieder erreichbar ist.

Bild: Markus Tretter

Pamela Rosenkranz bespielt die Räume des Kunsthauses in Bregenz mit Licht und Klängen, dass Ausstellungsbesucher Beklemmung spüren. Und dann noch diese Schlange!
22.05.2021 | Stand: 12:39 Uhr

Das Kunsthaus als Spielwiese? Schon oft musste Peter Zumthors Betonbau in Bregenz dafür herhalten. Aber genau das wollten der Schweizer Stararchitekt und seine Auftraggeber ja auch. Erstaunliche Dinge haben Künstlerinnen und Künstler immer wieder in dem vierstöckigen Kubus am Bodensee-Ufer angestellt. In dieser Tradition steht der jüngste Gast: Die in Zürich lebende Pamela Rosenkranz verwandelt das Kunsthaus, das dank geänderter Coronaregeln jetzt auch für die benachbarten Deutschen wieder zu erreichen ist, noch sechs Wochen lang in einen Ort, der die Sinne verwirrt.

„House of Meme“ hat die 41-Jährige ihre Schau genannt. Und man fragt sich, was sie mit Meme meint. Etwa jene Informations-Schnipsel mit kurzen, prägnanten Inhalten, die man sich im Internet schickt? Und wie soll das in einem Ausstellungshaus funktionieren?

Künstlerin Rosenkranz und Architekt Zumthor treten in einen seltsamen Dialog

Wenn man sich vom Erdgeschoss aus Stockwerk für Stockwerk nach oben bewegt, findet man Erklärungen – und sich selbst immer wieder in wechselnden Spannungszuständen. Offenbar tritt die Schweizer Künstlerin mit dem Schweizer Architekten in Kontakt. Sie bespielt die Räume, indem sie Aspekte, die Zumthor ihr „schickt“, aufgreift und sie künstlerisch verwandelt. Dem kühlen Grau der Betonwände setzt sie ein unglaublich intensives, ebenfalls kühles Blau entgegen. Eingefasst sind die Lichtquellen in die Form gotischer Fenster – womit der eigentlich geschlossene Kubus „Öffnungen“ erhält. Zugleich lässt sie etwas ins Innere fließen, was sonst draußen bleiben muss: die Sonne. Dazu durchbricht Pamela Rosenkranz die Decke.

In einem der Stockwerke wallen Nebel, was das blaue Licht vollends unheimlich macht. Gemälde an den Wänden sind nur noch Karikaturen ihrer Gattung, überzogen mit ekligem rosa Glibber. Und als ob das noch nicht genug wäre, wummert ein nicht ortbarer Schall, mal lauter, mal leiser.

Die Beklemmung des Besuchers wächst ...

Kein Wunder, wenn in solcher Szenerie, wo das Künstlerische zum Künstlichen wird, die Beklemmung wächst. Unweigerlich dringt die Frage ins Bewusstsein: Was ist das hier? Was erlebe ich? Was macht das mit mir? Wie so oft im Kunsthaus kann der Gast nicht nur Besucher sein, der Werke betrachtet und fertig. Vielmehr wird er – sofern er dies zulässt – Teil der Ausstellung und damit der Kunst. Diesen Zauber beschwört Pamela Rosenkranz geschickt herauf, spricht sie doch mehrere Sinne an, und das Unterbewusstsein gleich noch mit. Zu spüren sind eine eigenartig kalte Orientierungslosigkeit und Verlorenheit, eine Entgrenzung und ein Kontrollverlust.

Und dann die Schlange: Plötzlich bewegt sie sich

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Und dann trifft man ganz oben noch auf eine Schlange. Natürlich ist auch die künstlich. Ein Roboter, der auf nicht nachvollziehbare elektromagnetische Signale (etwa aus Smartphones) hin plötzlich Kopf und Schwanz hebt und sich durch den riesigen Raum schlängelt. In diesem animierten Lebensraum, in dem die Menschen mit der Kunstwelt des Digitalen wundersam verknüpft werden, spielt Rosenkranz aber längst schon nicht mehr mit der Architektur Peter Zumthors – sondern mit den Gefühlen der Besucher seines Hauses.