Oberstdorf

Das Mädchen für alles

Weltcup Skispringen Quali

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Bild: Ralf Lienert

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Betreuerin Theresia Schuster ist die neue Physiotherapeutin im deutschen Team. Ihr Rat ist bei den Springerinnen aber nicht nur in medizinischen Angelegenheiten gefragt
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Von Stephan Schöttl
02.02.2020 | Stand: 18:28 Uhr

Die Aufgaben im Team der deutschen Skispringerinnen sind klar verteilt. Oben an der Schanze Trainer und Co-Trainer, im Container der Techniker – und unten im Stadion die Physiotherapeutin. Als erste Ansprechpartnerin für die Sportlerinnen. „Sie ist diejenige, die alles abkriegt. Sie freut sich mit den Springerinnen, muss aber auch mal Tränen trocknen. Eigentlich ist bei uns keiner anderer so nah dran wie sie“, sagt Bundestrainer Andreas Bauer. Genau das ist es, was für Theresia Schuster den Reiz an ihrer neuen Aufgabe ausmacht.

Die 25-Jährige, die in Riezlern im Kleinwalsertal wohnt und in einer Oberstdorfer Praxis arbeitet, hat zu Saisonbeginn ihre Kollegin Juliane Strähle abgelöst, die jahrelang das Mädchen für alles im DSV-Tross war. „Ich wollte mal etwas anderes sehen und erleben. So eine Chance muss man nutzen, wenn man sie kriegt“, sagt Schuster. In einer Alpin-Familie aufgewachsen, war das Skispringen für sie zunächst Neuland. Warum gibt es Windpunkte? Was ist der K-Punkt? Was bedeutet der Begriff Hillsize? „Ich habe mich zwar schnell eingearbeitet, aber lerne immer noch von Woche zu Woche dazu“, meint sie lachend.

Und sie wächst an ihren Aufgaben. Denn Schuster hat weit mehr zu tun, als die müden Muskeln der Springerinnen nach den Wettkämpfen auf der Massageliege wieder aufzulockern. Sie schleppt die schweren Athleten-Taschen durchs Stadion, kümmert sich um die Startnummern, hat die Materialkontrolle im Blick und das Funkgerät immer am Körper, rückt bei der Siegerehrung die Sponsoren-Logos auf der Kleidung der Sportlerinnen ins rechte Licht, versorgt die Pressestelle des Skiverbands mit Fotos und Videos von den Wettkämpfen – und bringt dem Techniker sogar frühmorgens die erste Tasse Kaffee vorbei.

„Meine Tür ist immer offen“, meint Schuster. Und die Springerinnen nehmen sie beim Wort. Die Physiotherapeutin wird ab und an zur Psychotherapeutin. Das war auch schon bei Vorgängerin Strähle so. Ihr Hotelzimmer ist eine Art Aufenthaltsraum, nach Triumphen wird dort auch gefeiert. „Ich habe immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Mädels. Wir verstehen uns prima und sind alle auf einer Wellenlänge“, erzählt die Walserin. Die Sportlerinnen bestätigen das unisono. Die Oberstdorferin Katharina Althaus meint: „Sie ist für uns ein Glücksfall und macht ihre Sache sehr gut.“

Im Mai beginnt Schuster eine Zusatzausbildung als Sport-Physiotherapeutin, um die Lizenz des Deutschen Olympischen Sportbundes zu bekommen. Dann steht den ersten Höhepunkten in ihrem neuen Job nichts mehr entgegen. Schuster sagt: „Ich freue mich schon auf meine ersten Olympischen Spiele 2022 und auf die Heim-WM nächstes Jahr sowieso.“

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