Uraufführung im Stadttheater Kempten

Das Theater Kempten wagt sich an Fridays-for-Future-Inszenierung

Gewährten bei einer Probe Einblick in das neue Stück des Stadttheaters Kempten „No Planet B“: (von links) Lara Waldow, Julia Jaschke und Stephanie Marin.

Gewährten bei einer Probe Einblick in das neue Stück des Stadttheaters Kempten „No Planet B“: (von links) Lara Waldow, Julia Jaschke und Stephanie Marin.

Bild: Martina Diemand

Gewährten bei einer Probe Einblick in das neue Stück des Stadttheaters Kempten „No Planet B“: (von links) Lara Waldow, Julia Jaschke und Stephanie Marin.

Bild: Martina Diemand

Das Theater Kempten startet mit „No Planet B“ von Nick Wood in die neue Spielzeit. In der Auftragsarbeit geht es um „Fridays for Future“ und den Klima-Kampf.

13.09.2020 | Stand: 11:30 Uhr

Gemessen an den Zuschauerreaktionen bei der öffentlichen Probe müsste das Stück „No Planet B“, mit dem das Theater in Kempten (TiK) am Donnerstag, 17. September, in die neue Spielzeit startet, ein Renner werden. Die Auftragsarbeit des Briten Nick Wood dreht sich um ein heißes Thema: den Klimaschutz und unser aller Verantwortung für den Planeten Erde.

In der Theaterwerkstatt gaben die drei Schauspielerinnen Julia Jaschke, Stephanie Marin und Lara Waldow einen kleinen Einblick in die Eigenproduktion – und das führte hinterher zu einer ausgiebigen Diskussion. Lesen Sie auch: Corona zwingt das Kemptener Theater zum Umplanen.

Große Betroffenheit bei den Zuschauern

Die Betroffenheit im Publikum ist groß. Zum Thema Klimaschutz weiß fast jeder der 20 Besucher etwas beizusteuern. Und so dreht sich die Diskussion schnell um Themen wie den sauren Regen und kaputte Wälder, um heiße und trockene Sommer und schneelose Winter, das Abschmelzen der Gletscher, um Naturkatastrophen, Überschwemmungen und Stürme, die Chaos und Elend herbeiführen.

Hatten wir früher aber nicht auch Zeiten, in denen es mal heiß war oder kaum Schnee gab?, wirft eine Besucherin kritisch ein. Natürlich geht es auch um den schädlichen CO2-Ausstoß, um die Abkehr von Verbrennungsmotoren, um klimaschädliche Urlaubsreisen mit dem Flugzeug und die Vermüllung der Natur mit Plastik.

Thema Umweltzerstörung spielt in der Literatur selten eine Rolle 

„Wir haben lange nach einem Stück gesucht, das sich mit dem Klimawandel auseinandersetzt“, sagt Theaterdirektorin und Regisseurin Silvia Armbruster. Das Thema Umweltzerstörung komme in der Literatur „nur spärlich“ vor. Lesen Sie auch: So wollen Kemptener Studierende den Klimaschutz vorantreiben.

In „Pfisters Mühle“ von Wilhelm Raabe beispielsweise. Das 1884 veröffentlichte Werk gilt als erster Umweltroman der deutschen Literatur und dreht sich um das Thema Wasserverschmutzung. Darum geht es unter anderem auch in Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“ aus dem Jahr 1882. Doch ein aktuelles, überzeugendes Stück kam Silvia Armbruster und ihrem Dramaturgen Hans Piesbergen nicht unter.

Autor des neuen Stücks am Stadttheater extra nach Kempten gereist

Warum nicht Nick Wood kontaktieren, jenen britischen Autor, der das Stück „Malala – Mädchen mit Buch“ verfasste. Silvia Armbruster hatte es 2016 inszeniert, und seither steht es auf dem Spielplan und wird obendrein auch in anderen Städten gezeigt. Nick Wood war zur Kemptener Premiere vor vier Jahre extra angereist.

Auf Anfrage verkündete Wood, dass er kein Klima-Stück plane. Gleichwohl zeigte er großes Interesse an dem Stoff, erzählt Piesbergen. Wood fing sogleich zu recherchieren und schrieb – und Monate später hatten Silvia Armbruster und Hans Piesbergen die erste Fassung von „No Planet B“ auf dem Schreibtisch. Auf Englisch wohlgemerkt. Dann musste das Stück übersetzt und in Form gebracht werden. Zahlreiche Fassungen gingen zwischen dem Autor und Armbruster/Piesbergen hin und her.

Name des neuen Stücks am Stadttheater Kempten: No Planet B

In „No Planet B“ greift Nick Wood die aktuellen, weltweiten „Fridays for Future“-Protestaktionen der Schülerinnen und Schüler auf und blickt gleichzeitig auf die 1980er Jahre zurück, in denen Klimaaktivisten gegen Industrie und Politik auf die Barrikaden gingen, letztlich aber scheiterten.

Im Mittelpunkt des Stücks stehen „normale Leute in einer normalen Stadt“, sagt Regisseurin Silvia Armbruster. Meg (gespielt von Julia Jaschke) hat den ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore noch im Ohr, wie er sich lautstark gegen die globale Erderwärmung einsetzte.

Megs Töchter Chris (Stephanie Marin) und Alex (Lara Waldow) stehen vor dem Schulabschluss. Sie machen bei den „Fridays vor Future“-Schulstreiks mit – was ihre Mutter auch etwas stolz macht. Dann entdecken die Töchter den Bestseller „Losing Earth“ (2019), in dem Autor Nathaniel Rich beschreibt, wie in den Jahren 1979 bis 1989 die große Chance verspielt wurde, die Klimakatastrophe abzuwenden.

Alex und Chris sind entsetzt und landen nach einer Demonstration prompt im Gefängnis ...

Auch wenn Nick Wood viel Historisches aufgreift, sei „No Planet B“ kein Stück, das einen „ausschließlich mit Fakten füttert“, betont Dramaturg Hans Piesbergen. Gleichwohl habe der Autor eine ganz klare Haltung zum Thema Klimaschutz. „Das finden wir gut, denn daran kann man sich reiben“, sagt Piesbergen. Und das konnte man bei der öffentlichen Probe schon mal erleben.

 

Termine und Karten

Inszenierung: Das Stück „No Planet B“ ist ab 14 Jahren geeignet und dauert etwa 90 Minuten (ohne Pause). Es wird insgesamt fünfmal im Großen Haus des Stadttheaters in Kempten aufgeführt.

Termine: Für die Uraufführung am Donnerstag, 17. September, um 20 Uhr gibt es Restkarten. Weitere Termine (alle 20 Uhr): 18. September, 1., 4. und 8. Oktober. Tickets unter Telefon 0831/870 23 23.

Einführung: Eine Einführung gibt es als Podcast auf der Webseite www.theaterinkempten.de.