Weiterer Niederschlag gemeldet

Starkregen über dem Allgäu: Flusspegel stiegen rasant - Unfälle auf nassen Straßen

Der Pegel der Iller in Kempten ist in der Nacht zu Freitag gestiegen. Wegen des leichten Hochwassers ist der Fluss aufgewühlt.

Der Pegel der Iller in Kempten ist in der Nacht zu Freitag gestiegen. Wegen des leichten Hochwassers ist der Fluss aufgewühlt.

Bild: Sascha Borowski

Der Pegel der Iller in Kempten ist in der Nacht zu Freitag gestiegen. Wegen des leichten Hochwassers ist der Fluss aufgewühlt.

Bild: Sascha Borowski

Starkregen gab es in der Nacht zu Freitag und am frühen Morgen vor allem im westlichen Allgäu. Die Flusspegel sind teils stark gestiegen. Die aktuelle Lage.
16.07.2021 | Stand: 17:06 Uhr

Aktualisiert am Freitag um 13.29 Uhr. Wegen des starken Regens in Teilen des Allgäus am Donnerstagabend stiegen die Pegel einzelner Flüsse - teils stark. Am Vormittag entspannte sich die Situation etwas.

  • Der Pegel der Iller in Kempten war seit Donnerstag von 1,36 Meter auf 3,68 Meter am Freitagmorgen gestiegen. Damit hatte der Pegel die Meldestufe 1 erreicht, die bei 3,50 Meter liegt. Das bedeutet, dass der Fluss stellenweise über die Ufer tritt (Erläuterung der Meldestufen: siehe unten). Bis 10.30 Uhr ist er wieder etwas unter die Meldestufe 1 gefallen: Er lag bei 3,35 Meter.
  • In Sonthofen war der Pegel der Iller auch am Morgen leicht gestiegen, mittlerweile fällt er aber. Lag er um 6.15 Uhr noch auf 1,83 Meter, ist er bis 10.30 Uhr auf 1,58 Meter gefallen. Die Meldestufe 1 in Sonthofen liegt bei 2 Metern.
  • Der Lech in Füssen ist ebenfalls gestiegen und liegt am Freitagvormittag stabil bei 1,75 Meter, das sind etwa 80 Zentimeter mehr als üblich.
  • Der Wasserpegel der Wertach an der Messstelle in Biessenhofen (Ostallgäu) sinkt allmählich wieder. Am Freitag um 6.15 Uhr lag er bei 1,55 Meter. Die Meldestufe 1 liegt hier bei 2,30 Meter. Um 10.30 Uhr lag er bei 1,48 Meter.
  • Die Ostrach an der Messstelle in Reckenberg (Oberallgäu) kratzte in der Nacht zu Freitag mit 1,14 Meter an der Meldestufe 1, die hier bei 1,20 Meter liegt. Seitdem ist der Pegel wieder gesunken, um 6.15 Uhr lag er bei 1,03 Meter, um 10.30 Uhr bei 89 Zentimetern.

Pegel-Prognose an einer Messstelle übertroffen

Mehr Niederschlag als erwartet vermeldete der Hochwassernachrichtendienst für die Messstation Sebastianskapelle (Wertach): Um 20.30 Uhr am Donnerstag schoss er auf 1,96 Meter hoch und übertraf damit die Meldungsstufe 1. Bis Freitagmorgen, 6.15 Uhr, ist er allerdings wieder auf 1,01 Meter gefallen. Um 10 Uhr lag der Pegel noch bei 77 Zentimetern.

Heute im Tagesverlauf kann es laut Deutschem Wetterdienst in Teilen des Allgäus immer wieder regnen und einzelne Gewitter geben. Lokal kann es Starkregen mit bis zu 25 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit geben, teilweise auch bis zu 40 Liter pro Quadratmeter.

Mehrere Unfälle bei Starkregen im Allgäu - auch ein Kind verletzt

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Am Mittwoch und am Donnerstag kam es im Allgäu wegen des starken Regenfalls zu mehren Unfällen, teils mit Verletzten. Schwer verletzt wurde etwa ein Autofahrer bei einem Unfall auf der A7 bei Oy-Mittelberg. Mehr dazu und weiteren wetterbedingten Unfällen lesen Sie hier.

Während des starken Regens kam es auch auf der A96 bei Sigmarszell zu einem Mercedes. Ein Mercedes mit einem Vater und zwei Kindern überschlägt sich. Mehr dazu lesen Sie hier.

Im gesamten Dienstgebiet der Polizeiinspektion Lindenberg kam es am Donnerstagabend zu Verkehrsbehinderungen aufgrund des starken Regens. Es wurden nicht nur Fahrbahnen überschwemmt, sondern es drohten auch Straßen und Hänge abzurutschen. Die Feuerwehr war über Stunden damit beschäftigt. Es kam immer wieder dazu, dass Straßen komplett gesperrt werden mussten.

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Wohngebiet in Wangen im Allgäu überschwemmt

In Wangen im Allgäu, Landkreis Ravensburg, ist aufgrund des Starkregens am späten Donnerstagabend ein Wohngebiet überflutet worden. Wie das Polizeipräsidium Ravensburg am frühen Freitagmorgen mitteilte, wurden zunächst zwei Brückendurchflüsse des Epplingser Bachs durch Treibgut blockiert. Dadurch sei das Ufer übergetreten und hätte das angrenzende Wohngebiet Epplingser Halde überschwemmt. Nach Angaben der Einsatzkräfte stand das Wasser im Wohngebiet zum Teil kniehoch - zahlreiche Keller und Garagen liefen voll mit Wasser. In einem Blockheizkraftwerk stand das Wasser demnach bis zu 1,60 Meter hoch. Wie viele Häuser von der Überflutung betroffen sind, war zunächst unklar.

Ein Zufluss zur Argen führt Hochwasser. In der Nacht war wegen des Starkregens das Wohngebiet Epplingser Halde überschwemmt worden. Mehrere Keller liefen voll.
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Bild: Felix Kästle/dpa

Bis zu 40 Liter pro Quadratmeter Regen im Allgäu gefallen

Am Donnerstag bis 21 Uhr sind im Allgäu etwa 15 bis 40 Liter pro Quadratmeter gefallen. Für die kommenden Stunden erwartet der Deutsche Wetterdienst in Teilen der Region weitere 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter. Zudem sind kleiner Hagel und starke bis stürmische Böen um die 60 Kilometer pro Stunde möglich. An den Alpengipfeln sind sogar Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometer pro Stunde möglich.

Tiefdruckgebiet mit kühler Luft bestimmt das Geschehen

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Hintergrund: Das bedeuten die Meldestufen

  • Meldestufe 1: Stellenweise kleinere Ausuferungen
  • Meldestufe 2: Land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet oder leichte Verkehrsbehinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen
  • Meldestufe 3: Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet oder Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen oder vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Dammwehr erforderlich
  • Medlestufe 4: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Einsatz der Wasser- oder Dammwehr in großem Umfang erforderlich

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