Motorsport

DTM-Fahrer van der Linde: Kein Wort von der Meisterschaft

Kelvin van der Linde führt die DTM für Abt Sportsline souverän an.

Kelvin van der Linde führt die DTM für Abt Sportsline souverän an.

Bild: Ralf Lienert

Kelvin van der Linde führt die DTM für Abt Sportsline souverän an.

Bild: Ralf Lienert

DTM-Dominator Kelvin van der Linde stapelt tief. Sein Bruder Sheldon hat andere Probleme und Sophia Flörsch beendet das Sonntags-Rennen vorzeitig.
##alternative##
Von Klaus-Eckart Jost
10.08.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Irgendwann im Gespräch fällt es dann doch, das Wort Meisterschaft. Konkret auf seine Chancen angesprochen, greift Kelvin van der Linde auf Allgemeinplätze zurück. „Die DTM-Saison ist noch lang“, sagt der Südafrikaner. Oder: „Es kann noch viel passieren“, versucht der 25-Jährige zu erklären. „Es kommen noch Strecken, die uns nicht so liegen, deshalb ist es wichtig, alle möglichen Punkte mitzunehmen“, macht er auf Understatement. Fakt ist jedoch, dass der Pilot des Kemptener Abt-Sportsline-Team nach drei Rennwochenenden mit 101 Punkten die Tabelle klar anführt. Der Neuseeländer Liam Lawson folgt in seinem Ferrari mit 21 Punkten Rückstand. Tatsache ist auch, dass van der Linde am Samstag in Zolder als erster Pilot seinen zweiten Saisonsieg erzielen konnte.

Es war ein perfekter Samstag. Für Kelvin van der Linde, für seinen Teamkollegen Mike Rockenfeller und das Team Abt. Von der Poleposition aus fuhr der Südafrikaner vorneweg. Und Rockenfeller schaffte es in seinen Windschatten. Am Ende stand der Doppelsieg vor Ex-Formel-1-Pilot Alex Albon (Malaysia/Ferrari). Nach dem Rennen bedankte sich van der Linde bei seinem Teamkollegen. „Wenn Rocky nicht da gewesen wäre, wäre meine Arbeit gegen Albon ein Stück schwieriger geworden“, lobte er.

Mike Rockenfeller: "Es gibt keine Teamorder"

Auch der DTM-Meister des Jahres 2013 kam aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Von Platz sechs gestartet war er nach dem ersten Umlauf Dritter. „Meine Crew hat’s geschafft, mich auf Platz zwei vorzubringen“, lobte er seine Mannschaft. Den er bis ins Ziel verteidigen konnte. Der 37 Jahre alte Routinier dachte sogar an einen Angriff auf seinen Teamkollegen. „Es gibt keine Teamorder“, verrät er. Doch er kam nie in Schlagdistanz. „Kelvin ist mit den GT3-Autos die Benchmark“, sagt Rockenfeller und verrät, was ihm noch fehlt: „Der große Vorteil von Kelvin ist, dass er direkt da ist. Ich brauche noch zwei, drei Runden.“ Allerdings bemerkt er, dass der Abstand zwischen beiden immer geringer wird.

Doch der Erfolg vom Samstag hatte auch einen Preis. Für das Rennen am Sonntag mussten alle Audi R 8 im Zuge der Anpassung der Balance of Performance (BoP) 20 Kilogramm zuladen, van der Linde bekam weitere 25 für seinen Sieg und Rockenfeller 18 für Platz zwei. Insofern bedeuteten die Plätze acht für den Südafrikaner und zehn von Rockenfeller Schadensbegrenzung. Oder: Wichtige Punkte gesammelt.

van der Linde hat DTM-Titel im Visier

Denn selbstverständlich hat Kelvin van der Linde den DTM-Titel im Visier. Auf dem Weg dahin wird er auch von einem gecoacht, der weiß, wie das geht. René Rast, dreimal Meister in den vergangenen Jahren, ist Teilhaber an der Agentur, die die van der Linde-Brüder managt. „René hat mich extrem gut vorbereitet, vor allem auf der mentalen Seite“, sagt er dankbar. „Wie man alles angeht: die Daten, das Politische, die Spielchen, ob nun gegen den Teamkollegen oder andere Teams.“ Und dass er ein gelehriger Schüler ist, hat er bewiesen.

Keine Spielchen im Brüderduell

Lesen Sie auch
##alternative##
Motorsport

Äbte jubeln in Zolder über den 69. DTM-Sieg

Keine Spielchen wollen Kelvin und Sheldon van der Linde auf der Strecke spielen. Das haben sie sich vor der Saison geschworen. Und am Sonntag Wort gehalten, als der jüngere Sheldon in seinem BMW direkt vor Kelvin fuhr. „Grundsätzlich werden wir schon hart gegeneinander kämpfen, das wird ein ganz normaler Zweikampf, wie gegen jeden anderen“, sagt Sheldon, „wir versuchen zumindest, dass wir den anderen nicht rauswerfen.“

Zumal die Ausgangssituation der beiden Brüder völlig unterschiedlich ist. Der 22 Jahre alte BMW-Pilot muss mit seinem alten Arbeitsgerät M6 kämpfen. „Ich muss akzeptieren, dass ich nur bei einzelnen Rennen vorne dabei sein kann“, sagt er. Er kann nur Highlights auf schnellen Kursen wie in Spielberg oder Assen setzen. „Deshalb werde ich da schon Druck haben“, blickt er schon auf die Saisonveranstaltungen fünf und sechs.

Sophia Flörsch muss aus Sicherheitsgründen anhalten

Auch Sophia Flörsch hätte gerne in Zolder ein Glanzlicht gesetzt. Doch die Abt-Pilotin war durch eine Blasenentzündung gehandicapt. Am Samstag kam sie auf Platz 15, immerhin vor Sheldon van der Linde. Am Sonntag stellte sie ihren R8 vorzeitig in der Garage ab. Über Funk hatte sie ein „länger werdendes Bremspedal“ gemeldet, darauf wurde sie aus Sicherheitsgründen an die Box geholt. Am übernächsten Wochenende wird Flörsch am Nürburgring fehlen, weil sie beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans antritt. Und Kelvin van der Linde wird wieder versuchen möglichst viele Punkte zu sammeln, ohne über die Meisterschaft zu reden.

Lesen Sie auch: Maximilian Günther siegt beim Formel E-Rennen in New York