Jazz und Lokalpolitik

Ein Jazzmusiker wird Stadtrat: Was Tiny Schmauch in der Lokalpolitik erlebt

Was erlebt der Jazzmusiker und Bigband-Leiter Tiny Schmauch im Kaufbeurer Rathaus? Seit zwei Jahren ist er Mitglied im Stadtrat.

Was erlebt der Jazzmusiker und Bigband-Leiter Tiny Schmauch im Kaufbeurer Rathaus? Seit zwei Jahren ist er Mitglied im Stadtrat.

Bild: Mathias Wild

Was erlebt der Jazzmusiker und Bigband-Leiter Tiny Schmauch im Kaufbeurer Rathaus? Seit zwei Jahren ist er Mitglied im Stadtrat.

Bild: Mathias Wild

Jazzmusiker und Bigband-Leiter Tiny Schmauch sitzt seit zwei Jahren im Kaufbeurer Stadtrat. Warum er sich voll reinhängt – nicht nur für Kunst und Kultur.
02.04.2022 | Stand: 17:30 Uhr

Tiny Schmauch war gerade unterwegs zu einer Tagung der Bayerischen Sing- und Musikschulen, als ihn im Zug der Anruf von Oliver Schill erreichte. Ob er sich als Stadtratskandidat für die Grünen aufstellen lassen möchte, lautete die Frage des Kandidaten der Partei für den Oberbürgermeisterposten. Einen Tag gab er sich Bedenkzeit, dann sagte er zu. Dafür hat es mehrere Gründe gegeben, sagt Schmauch. Für Politik habe er sich immer schon interessiert, und er fühle sich dem Gemeinwohl verpflichtet. Den Grünen fühlt er sich nahe, sie habe er stets gewählt. Und natürlich hätte der Musikpädagoge und Jazzmusiker in der Kommunalpolitik für Kunst und Kultur kämpfen können. Mit einer Wahl rechnete der damals 59-Jährige dennoch nicht. Bei der Nominierung ließ er sich irgendwo im scheinbar chancenlosen Mittelfeld der Liste platzieren.

Doch Schmauch hat die Rechnung ohne die Kaufbeurer gemacht: Die wählten ihn, den bekannten und geschätzten Musiker, nach vorne, auf den sechsten Platz. „Erst dachte ich, die haben sich verzählt“, sagt er. Haben sie nicht, Seit 1. Mai 2020 zupft Tiny Schmauch nicht mehr nur seinen Kontrabass, schreibt nicht mehr nur Arrangements für seine Ensembles, dirigiert nicht mehr nur Bigbands. Schmauch, eine der Führungsfiguren der Allgäuer Jazzszene, mischt nun auch in der Kaufbeurer Lokalpolitik mit – als eines von 40 Mitgliedern des Stadtrats und Teil der siebenköpfigen Grünen-Fraktion. Gerne, wie er betont. Und nein, er habe die Wahl noch nie bereut. „Insgesamt fühle ich mich wohl. Auch wenn die Mühlen langsam mahlen.“

Tiny Schmauch vor dem Rathaus in Kaufbeuren.

Tiny Schmauch vor dem Rathaus in Kaufbeuren.

Bild: Mathias Wild

Weil sich CSU, Grüne und ein FDP-Mann zu einer Koalition zusammengetan haben, ist der Neuling Schmauch sogar bei der tonangebenden Mehrheit im Kaufbeurer Stadtrat dabei. Und zudem Mitglied in einem zentralen Untergremium, dem Verwaltungs- und Finanzausschuss, der unter anderem den Haushalt der Stadt vorbereitet. Dabei wäre es naheliegend gewesen, wenn ein Künstler wie er in den Kulturausschuss oder vielleicht sogar zum Kulturbeauftragten des Stadtrates gewählt worden wäre. Wurde er aber nicht. Kulturbeauftragte ist eine CSU-Kollegin. Mit ihr treffe er sich regelmäßig zum Austausch. „Wir arbeiten gut zusammen“ sagt Schmauch.

Die Harmonie im Kaufbeurer Stadtrat überrascht Tiny Schmauch

Dabei verschweigt er nicht, dass er mit kulturellen Anliegen bei Stadtratskolleginnen und -kollegen teilweise auf Granit beißt, auch bei jenen in der eigenen Fraktion. Etwa wenn es um ein „Haus der Kultur“ geht, das zwar zu den „Zukunftsbausteinen“ der Mehrheits-Allianz zählt, aber wofür derzeit kein Geld locker zu machen sei. Grundsätzlich, betont der 61-Jährige, sei er aber sehr gut in dem Politgremium aufgenommen worden. Die Arbeit im Rat sei „sehr harmonisch“. Und zeitintensiv. Vor den Sitzungen treffe sich die Fraktion zur Vorberatung, wo jeder Tagesordnungspunkt durchgekaut werde. Was Stunden dauern kann, aber nötig ist. „Du musst wirklich eine Ahnung haben“, sagt Schmauch. „Man kann sich nicht einfach nur reinhocken.“

Schon Vater Hans-Peter Schmauch und Großvater Hans Schmauch waren im Kaufbeurer Stadtrat

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Tiny Schmauch führt übrigens eine Familientradition fort. Schon sein Vater Hans-Peter Schmauch und auch sein Großvater Hans Schmauch saßen im Kaufbeurer Stadtrat. Der Großvater war Anfang der 1950er Jahre sogar mal stellvertretender Bürgermeister.

Kann er in dem Gremium auch etwas bewirken? Schmauch überlegt lange auf diese Frage. „Bewirken würde ich mehr wollen“, antwortet er dann und fügt an: „Verhindern kann man aber manches.“ Was zum Beispiel? „Dass es so planlos weitergeht.“ Etwa bei der Bebauung des Geländes am ehemaligen Eisstadion. „Da waren krude Sachen vorgesehen.“ Oder bei der Kultur: Da habe man finanzielle Kürzungen verhindert, was er als Erfolg verbuche. Gleichwohl hofft Schmauch, dass am Ende der sechsjährigen Legislaturperiode viele Dinge auf den Weg gebracht und einiges realisiert worden ist. Etwa die Stärkung der städtischen Kulturarbeit. Kunst und Kultur hätten in Kaufbeuren leider keinen sehr hohen Stellenwert.

In manchem sind sich Künstler und Politiker sehr ähnlich, sagt Tiny Schmauch

Fragt man Schmauch, ob ihm die Arbeit, die bisweilen so zäh sei, Spaß mache, zögert er erneut, bevor er Ja sagt. Zwischendurch habe es sogar sehr viel Spaß gemacht, derzeit lasse das aber ein wenig nach. „Weil wenig vorangeht.“ Was ihn aber durchaus belustigt, seien die Rollenspiele, die er bei den Sitzungen beobachten könne. „Stadtrat ist wie Theater“, sagt Schmauch und lacht. „In manchem unterscheiden sich Künstler und Politiker, in manchem sind sie sich aber sehr ähnlich.“