Pro und Contra zum Zuspätkommtag

Ein paar Minuten zu spät dran: Ist das okay oder total unhöflich?

19.03.2018, Baden-Württemberg, Furtwangen: Uhrmachermeister Matthias Beck verstellt an einer historischen Armbanduhr die Uhrzeit auf die Sommerzeit. Die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) wird in Deutschland 125 Jahre alt. Am 1. April 1893 wurde sie in Berlin per Reichsgesetz eingeführt. Außerdem werden in der Nacht zum 25.03.2018 die Uhren in Deutschland wieder auf Sommerzeit von 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr vorgestellt. (zu lsw-KORR:"Seit 125 Jahren hat Mitteleuropa seine eigene Zeit" vom 30.03.2018 - Wied

Der kritische Blick auf die Uhr: "Wann kommst du?" Für die einen ist es völlig in Ordnung, ein paar Minuten zu spät zu kommen. Für die anderen geht das gar nicht.

Bild: Patrick Seeger, dpa (Symbolbild)

Der kritische Blick auf die Uhr: "Wann kommst du?" Für die einen ist es völlig in Ordnung, ein paar Minuten zu spät zu kommen. Für die anderen geht das gar nicht.

Bild: Patrick Seeger, dpa (Symbolbild)

Jeder hat diesen einen Menschen in seinem Umfeld, der gern zu spät oder immer auf den letzten Drücker kommt. Ein Pro und Contra zum Zuspätkommtag.

30.07.2020 | Stand: 19:14 Uhr

Geht gar nicht: Stephan Michalik über das Zuspätkommen:

"Pünktlichkeit ist eine Tugend." Dieser Satz trieft von Spießbürgertum - und doch: Hier bin ich gerne kleinkariert. Gerne preußisch, wo ich sonst eher laissez-faire denke. Wer unpünktlich ist, ist unhöflich. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich klage niemanden an, der im Stau stecken bleibt. Das kann jedem passieren.

Wer aber regelmäßig zu Terminen und Verabredungen spät kommt, bereichert sich selbst auf meine Kosten mit der wichtigsten Ressource, die uns gegeben ist: Zeit.

Die schlimmste Sünde: Wenn ich wegen der Verspätung eines anderen meine Verabredung nicht pünktlich einhalten kann. Aber wann kann ich das meiner einjährigen Tochter beibringen? 

 

Alles halb so wild: Jessica Berger über das Zuspätkommen:

Ein Donnerstagmorgen, 7.30 Uhr. Ich bin spät dran. Als ich mich im Bad fertig mache, checke ich alle fünf Minuten die Uhr – „passt“, denke ich. Ich liege ja noch in der Zeit. Schnell noch einen Schluck Kaffee, in die Klamotten springen, Tasche, Schlüssel, Laptop und Co. schnappen, dem Ehemann einen Kuss zuwerfen – und raus zur Tür. Mist! Doch nicht. Handy vergessen. Also schnell wieder den Schlüssel aus den Tiefen der Tasche kramen (in der Eile wirft man ihn ja nur schnell rein), Tür auf, ich stürze ins Haus: „Wo ist mein Handy?“ Hektisches Suchen. Ach ja, auf dem Schuhregal. Also wieder raus, zum Auto und los geht’s….

So sieht ein Morgen häufiger bei mir aus. Natürlich könnte ich auch 30 Minuten früher aufstehen und entspannt in den Tag starten, in Ruhe frühstücken. Aber das wäre nicht ich.

Ich möchte betonen: Ich komme selten wirklich zu spät. Ich komme (meist) pünktlich. Ok, vielleicht auf den letzten Drücker. Aber ich bin da. Und vor allem: Das hat nichts mit der Wertschätzung meines Gegenübers oder den Arbeitskollegen zu tun.

Ich komme ja nicht auf den letzten Drücker, weil ich meine Mitmenschen nicht leiden kann und sie ärgern möchte. Aber vermutlich brauche ich diesen Druck. Und vor allem bin ich Freund eines effektiven Zeitmanagements. Wozu 10 Minuten früher bei einem Termin sein und warten müssen, wenn man in den 10 Minuten doch noch zwei Mails beantworten und die Spülmaschine ausräumen kann?

Ach ja: Dreimal dürfen Sie auch raten, wann dieser Text geschrieben wurde – natürlich, auf den letzten Drücker, kurz vor Erscheinen dieses Artikels… 😊