Amateurfußball

Ein Schlussstrich wäre sinnvoll: Allgäuer Fußballvereine können sich Saisonabbruch vorstellen

Den Fußball braucht’s gerade nicht. Seit Monaten ruhen Trainings- und Spielbetrieb. Die Zahl der Vereine, die für einen Abbruch der Saison in Bayern plädieren, wird immer höher.

Den Fußball braucht’s gerade nicht. Seit Monaten ruhen Trainings- und Spielbetrieb. Die Zahl der Vereine, die für einen Abbruch der Saison in Bayern plädieren, wird immer höher.

Bild: Mathias Wild (Symbolbild)

Den Fußball braucht’s gerade nicht. Seit Monaten ruhen Trainings- und Spielbetrieb. Die Zahl der Vereine, die für einen Abbruch der Saison in Bayern plädieren, wird immer höher.

Bild: Mathias Wild (Symbolbild)

Die sportlichen Leiter des TSV Kottern, FC Kempten und VfB Durach sagen ihre Meinung. Warum sie einen möglichen Saisonabbruch im Amateurfußball begrüßen.
07.04.2021 | Stand: 08:48 Uhr

Die Fußball-Saison im bayerischen Amateur-Fußball schien eine Never-Ending-Story (eine niemals endende Geschichte) zu werden. Im Juli 2019 hatte sie begonnen. Die Corona-Krise ist der Grund, dass sie noch immer nicht beendet wurde. Ein ums andere Mal wurde die Saison unterbrochen und verschoben. Mittlerweile ist es April 2021 und weder an Training noch ans Spielen ist angesichts aktueller Inzidenz-Zahlen zu denken.

Vor wenigen Tagen hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) nun ein Zeichen gesetzt. Sollte spätestens ab 3. Mai kein flächendeckendes Training im Freistaat möglich sein, stehe der Saisonabbruch vor der Tür. Dann werde die sogenannte Quotienten-Regel angewendet, um Auf- und Absteiger zu ermitteln. Relegationsspiele werde es nicht geben. (Lesen Sie auch: Wird die Fußballsaison in Bayern vorzeitig abgebrochen?)

Neue Saison weiter nach hinten zu verschieben, wäre sinnlos

Die Sportlichen Leiter des TSV Kottern (Bayernliga), FC Kempten und VfB Durach (beide Landesliga) äußern sich zu diesem möglichen Szenario. Der Trend ist eindeutig: Viel Sinn macht es nicht, die Saison zu Ende zu bringen. Im Fall des abstiegsbedrohten VfB Durach wäre es – aufgrund vieler Nachholspiele – rein rechnerisch fast unmöglich, die Saison bis zum 30. Juni zu beenden. Sollte unter Umständen über den 30. Juni hinaus gespielt werden, würde der Saisonstart 2021/2022 nach hinten verschoben. Und davon hält nun wirklich niemand etwas.

  • Michael Feneberg (TSV Kottern): „Was wir brauchen, ist Planungssicherheit. Bei den derzeitigen Inzidenz-Zahlen kann man nicht davon ausgehen, dass in den nächsten vier bis sechs Wochen wieder gespielt wird. Die Saison zu Ende zu spielen, würde auch wegen der paar Partien, die noch offen sind, keinen Sinn machen. Wir bräuchten zwei bis vier Wochen, nur um uns vorzubereiten. Würde dann über den 30. Juni hinaus gespielt... wie soll das gehen? Normalerweise findet der Saisonstart um den 15. Juli herum statt. Schon bei diesem Termin war es bis zur Winterpause stets knapp, alle Spiele durchzubringen. Und wer weiß, was wegen Corona noch passiert? Es wäre nicht sinnvoll, die alte Saison in die neue rüber zu ziehen. Klar ist, dass es Diskussionen gibt, wenn abgebrochen wird. Aber wir haben keinen Druck.“

  • Stephan Ernst (FC Kempten): „Es wäre sehr sinnvoll, irgendwann einen Schlussstrich unter diese Saison zu ziehen. Ich würd es begrüßen. Das Thema ist, wann sollten wir denn anfangen und wie kommen wir aus der Pause raus? Ältere Spieler wissen besser, wie sie mit einer derartigen Situation umgehen müssen. Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Da war vielleicht mal dies und das und ein bisschen Laufen. Wie sollen die schnell wieder fit werden, wenn sie die Zeit dazu nicht haben? Wir bräuchten vier bis fünf Wochen. Aber diese Zeit haben wir nicht.
    Das Verletzungsrisiko wäre hoch. Selbst wenn wieder gespielt wird, wäre es doch klar, dass sich Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, nicht mehr voll reinhängen. Das wäre eine Art von Wettbewerbszerrung. Und mal ehrlich: In dieser Zeit, in der Firmen zugemacht werden denkt doch keiner wirklich ans fußballspielen. Die beste und sinnvollste Lösung wäre, die Saison zu beenden und spätestens bis Ende Juli die neue zu starten.“

Bei einem Saisonabbruch würde Durach in der Landesliga bleiben

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  • Stefan Feneberg (VfB Durach): „Je länger nicht gespielt wird, desto schwieriger wird die Situation für uns. Wir müssen noch elf Spiele machen. Wie soll das bis zum Ende der Saison funktionieren? Wir hätten eine kurze Vorbereitungszeit, das wäre gefährlich, weil es Verletzungen nach sich ziehen könnte. Normalerweise haben wir fünf bis sechs Wochen Vorbereitungszeit. Das heißt, wir hätten bis zum Saisonende nur Englische Wochen, wenn es tatsächlich mit dem Training am 3. Mai losgehen sollte.
    Und was ist mit den Teams, für die es um nichts mehr geht, die weder auf- noch absteigen können? Dann kommt es ganz drauf an, gegen wen du spielst. Wie auch immer. Wir werden es nehmen, wie es kommt. Würde bei einem Saisonabbruch nach der Quotientenregelung entschieden werden, würden wir in der Landesliga bleiben. Wer weiß, wie die Inzidenz jetzt nach Ostern wird; vielleicht noch höher als davor? Die Jungs sind heiß und wollen spielen. Das tut mir leid für sie, dass sie das nicht können. Wir konzentrieren uns auf die neue Saison.“