Kaufbeuren

Ein Wochenende zum Gruseln

Eishockey Schon vor Halloween lehrt der ESV Kaufbeuren seinen Fans das Fürchten, indem er in zwei Spielen elf Gegentore kassiert. Und das ist nicht die einzige Schwäche
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Von Manuel Weis
28.10.2019 | Stand: 16:29 Uhr

Am Donnerstag werden wieder Kürbisse ausgehöhlt und vor die Haustüre gestellt, als Gespenster und andere Gruselwesen verkleidete Gestalten laufen von Tür zu Tür. Das Fürchten hat an Halloween Hochkonjunktur. Eishockey-Zweitligist ESV Kaufbeuren hat das Gruseln schon mal vorgezogen. Die DEL 2-Mannschaft, die in den vergangenen Spielzeiten dreimal in Folge ins Halbfinale einzog, ist aktuell Träger der Roten Laterne und hat vor allem beim 5:7 in Bayreuth, dem vor dem Sonntagsspiel Vorletzten, bewiesen: vollkommen zurecht. Es war ein fürchterlicher Auftritt. Die Freitagspartie gegen Ravensburg war zwar deutlich besser, ging aber ebenfalls – nach hervorragendem ersten Drittel (1:0) – noch mit 2:4 in die Binsen.

Die beiden Spiele offenbarten erneut die eklatanten Schwächen der Joker, die seit Saisonbeginn ihrer Form hinterherlaufen. Somit stellt sich zwangsläufig die Frage, ob es wirklich nur „eine schwere Phase“ ist, die der ESVK gerade durchmacht. So jedenfalls sieht es Trainer Andreas Brockmann nach wie vor. „Wenn man einen Lauf hat, sagt man, dass man einen Weg findet, um Spiele zu gewinnen. Wir schaffen es zur Zeit, einen Weg zu finden, um Spiele zu verlieren“, ärgerte sich Brockmann, hinter dem Team und Fans bislang weiter stehen.

Auffällig ist jedenfalls, dass die Kaufbeurer in beiden Spielen mit einer Führung ins letzte Drittel gingen, diese dann aber in der Schlussphase noch hergaben. 14 Pflichtspiele hat die Mannschaft in dieser Saison auf dem Buckel – mit 54 Gegentoren. In den drei vorherigen Spielzeiten stellte der ESVK meist mit die beste Defensive, jetzt ist er hier Zehnter. Das erste Drittel ist in Sachen Gegentoren kein Problem: Nur neun Mal musste Stefan Vajs in den ersten 20 Minuten hinter sich greifen – dafür aber 21 Mal im Mittelabschnitt und 24 Mal im Schlussdrittel. Und noch etwas ist auffällig: Besonders im Mittelabschnitt schießen die Joker kaum Tore. In neun der 14 Spiele traf Kaufbeuren hier gar nicht. Das Ravensburg-Spiel am Freitag war das fünfte in Serie, in dem die Joker im zweiten Drittel nicht trafen. Insgesamt gab es in dieser Saison zwischen Spielminute 21 und 40 sieben ESVK-Treffer, drei davon allein in Bayreuth. Im ersten und letzten Drittel traf Kaufbeuren bisher rund doppelt so oft (14 und 15 Mal). „Wir haben uns im zweiten Drittel schon immer schwergetan – auch in den vergangenen Jahren“, sagt Geschäftsführer Michael Kreitl. Früher aber sei es eben gelungen, mit 4-Reihen-Power-Eishockey Spiele noch herumzureißen. „Es ist momentan einfach eine Kopfsache“, glaubt Kreitl.

Dennoch bleiben die zur Verfügung stehenden Spieler in der Verantwortung. In der Tat ist die Defensive der Teil, der am meisten umgekrempelt wurde. Sebastian Osterloh und Daniel Haase beendeten die Karriere, Philipp Messing wechselte nach Landshut, Lubomir Stach nach Trencin. Florin Ketterer und Julian Eichinger haben schwere Verletzungen hinter sich, müssen sich erst wieder finden. Zumindest statistisch sind die (neuen) Verteidiger, etwa Förderlizenzspieler Garret Pruden oder Valentin Gschmeißner (vorher Bad Tölz) aber nicht das schwächste Glied im Defensivverbund. Die Datenerfasser schauen hier gerne auf die Plus-Minus-Statistik, die aufzeigt, ob eine Mannschaft mehr Tore geschossen oder kassiert hat, wenn ein Spieler bei numerischer Gleichheit beider Teams auf dem Eis stand. Es sind vier erfahrene Stürmer, die hier die schlechtesten Werte der Joker haben. Max Schmidle steht bei -10, der aus der DEL gekommene Mike Mieszkowski bei -8, Kontingentspieler Ossi Saarinen bei -7 und Alex Thiel bei -6. „Die Plus-Minus-Statistik sagt oft die Wahrheit“, erklärt Michael Kreitl. Demgegenüber gibt es fünf Joker, die eine positive Bilanz haben: Antti Kerälä, Branden Gracel und Denis Pfaffengut mit +1, Joey Lewis mit +2 und Sami Blomqvist mit +4.

Das nächste Spiel bestreitet der ESVK am Freitag gegen Dresden. Dann ist Halloween schon vorbei – und vielleicht auch das Gruseln ...

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