Stadtentwicklung in Kempten

"Wir sind fast noch auf einer Insel der Seligen" - Welche Hürden es dennoch im Kemptener Einzelhandel gibt

Seit fast 20 Jahren gibt es das Forum Allgäu in Kempten. Gleichzeitig wurde damals entschieden, ein City-Management zu gründen und öffentliche Plätze zu sanieren. Für den Kemptener Wirtschaftsreferenten ist klar, dass der gesamte Handel in der Stadt von dem Einkaufstempel profitiert.

Seit fast 20 Jahren gibt es das Forum Allgäu in Kempten. Gleichzeitig wurde damals entschieden, ein City-Management zu gründen und öffentliche Plätze zu sanieren. Für den Kemptener Wirtschaftsreferenten ist klar, dass der gesamte Handel in der Stadt von dem Einkaufstempel profitiert.

Bild: Ralf Lienert

Seit fast 20 Jahren gibt es das Forum Allgäu in Kempten. Gleichzeitig wurde damals entschieden, ein City-Management zu gründen und öffentliche Plätze zu sanieren. Für den Kemptener Wirtschaftsreferenten ist klar, dass der gesamte Handel in der Stadt von dem Einkaufstempel profitiert.

Bild: Ralf Lienert

In Kempten läuft es gut für den Einzelhandel. Das liegt laut dem Wirtschaftsreferenten nicht zuletzt an einem Großprojekt, das anfangs stark bekämpft wurde.
17.03.2022 | Stand: 05:35 Uhr

Von seinem Büro im siebten Stock hat Dr. Richard Schießl einen guten Blick auf Kempten. Das ist eine passende Position für einen, der sich mit Stadtentwicklung beschäftigt. Von dort oben ist gut zu erkennen, was erreicht wurde – und was nicht. Beim Einzelhandel, sagt der Kemptener Wirtschaftsreferent, „leben wir hier fast noch auf einer Insel der Seligen. Das kann man nicht hoch genug einschätzen“. Während andere Innenstädte immer mehr ausbluten, ist das Kemptener Zentrum nach wie vor eine beliebte Anlaufstelle für Kundinnen und Kunden.

Kempten will Innenstadt gegenüber dem wachsenden Online-Markt stärken

Doch Schießl ist bewusst, dass der Strukturwandel auch vor Kempten nicht Halt macht. Schließlich weitet sich der Online-Handel immer stärker aus. „Diesen Sturm überstehen nur Kommunen, die vorbereitet sind“, sagt Schießl. Um die Zukunft der Innenstadt geht es beim „Fitness-Programm Starke Zentren“ des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Kempten ist als eine von fünf Kommunen dabei.

Wer verstehen will, warum es für den innerstädtischen Handel in Kempten noch ziemlich gut läuft, muss zurückgehen ins Jahr 2003. Damals wurde auf dem einstigen Bahnhofsgelände das Forum Allgäu eröffnet, ein Einkaufszentrum mit einer Fläche von mehr als 20 000 Quadratmetern. Gleichzeitig habe man damals entschieden, ein City-Management ins Leben zu rufen und öffentliche Plätze zu sanieren, erinnert sich Schießl. Dieses Paket habe dabei geholfen, dass sich das Zentrum gegenüber den Anbietern auf der grünen Wiese behaupten konnte.

Anfang gab es große Vorbehalte gegenüber dem Forum Allgäu in Kempten

Dabei hatte es zunächst massive Vorbehalte gegen ein so großes Einkaufszentrum gegeben: „Die große Mehrheit der Händler betrachtete dieses Vorhaben als Kampfansage“, erinnert sich Schießl. Inzwischen habe sich die Stimmung völlig gedreht. „Heute will niemand mehr das Forum weg haben. Die Stadt hatte von Anfang an gesagt, dass am Ende alle profitieren werden. Und so ist es auch gekommen.“

Doch neue Herausforderungen warten: „Der Handel wird in den Innenstädten künftig nicht mehr die absolut dominierende Rolle spielen wie in der Vergangenheit“, sagt Schießl. Nun müsse man dafür sorgen, dass die anstehenden Veränderungen „nicht zum Schaden sind“. Das Kemptener Stadtzentrum solle ein Ort bleiben, mit dem sich die Menschen identifizieren und wo sie sich versammeln. Der Wirtschaftsreferent kann sich vorstellen, dass die Gastronomie künftig eine stärkere Rolle spielen wird. „Auch Handwerk ist denkbar. Ebenso können öffentliche Gebäude wie eine Bibliothek oder ein Museum zu einer Belebung der Innenstädte beitragen.“ Schließlich sei vorstellbar, dass mehr Handelsflächen in Wohnungen umgewandelt werden. Das künftige Aussehen der Innenstädte müsse nicht unattraktiver als das jetzige sein, resümiert Schießl.

Dr. Richard Schießl Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung der Stadt Kempten.

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Bild: Ralf Lienert

Auch mehr ÖPNV und Radverkehr gehören zum Zukunftsprogramm in Kempten

Um die Frage, wie sich die bayerischen Innenstädte entwickeln werden, dreht sich auch das „Fitness–Programm Starke Zentren“. Entstehen sollen Konzepte, die auch andere Kommunen umsetzen können, sagt der Kemptener Wirtschaftsförderer. Die Diskussionen drehen sich beispielsweise um die Frage, wie der Raum genutzt werden kann, den der Handel aufgrund des steigenden Online-Geschäfts nicht mehr benötigt. Ein Ansatz sei, „attraktive Punkte auch außerhalb der klassischen 1a-Lagen zu schaffen“, sagt Richard Schießl. So wird in Kempten ein „digitales Bürgerforum“ ins Leben gerufen, wo sich die Menschen darüber austauschen können, was die Digitalisierung für das tägliche Leben bedeutet.

Die Ergebnisse des „Fitness-Programms Starke Zentren“ sollen noch im Frühjahr vorliegen, kündigt der Wirtschaftsreferent an. Die Stadt Kempten arbeitet hier mit externen Fachleuten zusammen.

All das zeigt, dass auch in Städten mit florierendem Einzelhandel vieles im Wandel ist. Ein weiteres Beispiel: „Der motorisierte Verkehr wird drastisch abnehmen und der Radverkehr ein größere Rolle spielen. Dann wird man sehen, wie schön es ist, wenn nicht alles mit Autos zugeparkt ist“, glaubt Schießl. Doch die Kommunen seien gefordert, wenn sie dieses Ziel erreichen wollen: „Der Öffentliche Nahverkehr muss ausgebaut werden.“

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