Exklusiv-Interview

Eishockey-Spieler Tim Wohlgemuth spricht über seinen Wechsel nach Mannheim

Tim Wohlgemuth (rechts) spielt für den ERC Ingolstadt in der DEL und für die deutsche Nationalmannschaft. Im Sommer wechselt der 21-Jährige, der beim ESV Kaufbeuren groß geworden ist, nach Mannheim.

Tim Wohlgemuth (rechts) spielt für den ERC Ingolstadt in der DEL und für die deutsche Nationalmannschaft. Im Sommer wechselt der 21-Jährige, der beim ESV Kaufbeuren groß geworden ist, nach Mannheim.

Bild: Archivfoto: Mathias Wild

Tim Wohlgemuth (rechts) spielt für den ERC Ingolstadt in der DEL und für die deutsche Nationalmannschaft. Im Sommer wechselt der 21-Jährige, der beim ESV Kaufbeuren groß geworden ist, nach Mannheim.

Bild: Archivfoto: Mathias Wild

ESVK-Eigengewächs Tim Wohlgemuth wechselt im Sommer nach Mannheim. Für die Entscheidung, die ihm nicht leicht fiel, musste er sich auch Kritik anhören.
02.03.2021 | Stand: 11:40 Uhr

Groß geworden im Nachwuchs des ESV Kaufbeuren, hat sich Tim Wohlgemuth (21) zum Führungsspieler beim ERC Ingolstadt entwickelt. Auch bei einigen Beobachtern von NHL-Klubs in Nordamerika steht der Nationalspieler (neun Einsätze) wohl auf der Liste. Im Sommer wechselt der Stürmer innerhalb der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach Mannheim. Über seine aktuelle Leistungskurve und seine sportliche Zukunft haben wir mit dem Shootingstar der vergangenen Jahre gesprochen.

Vergangenen Donnerstag und nun am Dienstag wieder: Spieldoppelpack gegen München. Ingolstadt hat am Donnerstag gewonnen und was genau noch mitgenommen, um auch im anstehenden Spiel wieder erfolgreich zu sein?

Tim Wohlgemuth: Am Donnerstag hatten wir vielleicht auch bisschen Glück. Aber wir haben auch extrem gutes Eishockey gespielt. Bisher haben wir in dieser Saison drei von drei Spielen gegen München gewonnen. Ich denke, wir wissen, dass wir dieses Jahr extrem konkurrenzfähig sind. Auch gegen große Teams. Wenn wir am Dienstag so spielen wie zuletzt, wird es ein klarer Drei-Punkte-Sieg.

Lesen Sie auch
In elf Länderspielen lief Michael Waginger für die DEB-Auswahl auf und erreichte 2010 in seiner fünften DEL-Saison mit dem ERC Ingolstadt das Halbfinale der Play-offs. Heute leitet der 41-Jährige die Familien-Bäckerei in Sonthofen.
„Nach-Spiel-Zeit“

Nationalspieler in der Backstube: Wie Michael Waginger heute lebt

Worauf wird’s ankommen?

Wohlgemuth: Man darf München nicht unterschätzen. Wir wissen, dass wir gut sind, aber das heißt nicht, dass andere Teams schlechter sind. Im Donnerstagsspiel haben wir nicht wirklich konstant gespielt. Hätte München den ein oder anderen besseren Spielzug gehabt, hätte das auch in die Hose gehen können. Also müssen wir schauen, dass am Dienstag kompakter stehen und die Augen bewusster offen halten.

Sie wechseln im Sommer von Ingolstadt nach Mannheim. Für Sie ist es der erste große Wechsel innerhalb der DEL. Quasi Neuland. Sie sagten kürzlich, die Entscheidungsfindung sei auch belastend gewesen. Welche Faktoren spielten eine Rolle? Hauptsächlich die besseren Entwicklungsmöglichkeiten?

Wohlgemuth: Ganz viele Faktoren haben eine Rolle gespielt. Es ging natürlich um’s Sportliche, aber irgendwann auch nicht nur noch. Sondern auch um’s Menschliche. Es ging auch darum, wie man sich selbst sieht. Es war auch ein großer Punkt, dass man sich in Mannheim gut entwickeln kann. Nur: Das hätte man in Ingolstadt auch. Das war mir bewusst. Dass Mannheim in den vergangenen Jahren Spielern in meinem Alter eine Rolle zugewiesen hat, hat man zuletzt gesehen. Das hat zu meiner Entscheidung beigetragen.

Sie hatten auch von einer Komfortzone gesprochen, die Sie nun verlassen. Ingolstadt wäre also der bequemere Weg gewesen? Weil man dort mit guten Leistungen durchkommt, in Mannheim aber Höchstleistungen gefragt sind?

Wohlgemuth: Man muss in Ingolstadt schon auch über die Leistungsgrenzen hinausgehen und abliefern. Das muss man in jedem DEL-Verein. Mit Komfortzone meine ich eher, dass man in drei Jahren viel gesehen hat. Dass man die Leute sehr gut kennt. Die Umgebung auch. Alles ist Alltag geworden, es hat sich eine Routine entwickelt. Ich glaube, dass ich auch menschlich einen guten Schritt nach vorne komme, wenn ich bisschen in Neuland reingehe.

Einige Fans glauben derweil, Sie seien hauptsächlich dem Ruf des Geldes erlegen.

Wohlgemuth: Ich kann verstehen, dass einige Leute denken, dass es ums Geld ging. Aber ich habe von Anfang an gesagt, dass es bei der Entscheidung definitiv nicht darum geht. Sondern um andere Dinge. So war es dann auch. Ich bin noch recht jung und hoffe, dass ich noch ein paar Jahre in der DEL vor mir habe.

Welche Rolle hat Markus Eisenschmid, auch ein ESVK-Gewächs, der jetzt in Mannheim aktiv ist, bei Ihrem Wechsel gespielt?

Wohlgemuth: Markus hat mir nur danach geschrieben und mich beglückwünscht. Das hat mich gefreut. Sonst hatten wir da keinen Kontakt.

Ihr Trainer Doug Sheddon und auch Sportdirektor Larry Mitchell haben Sie zuletzt ein klein bisschen kritisiert. Ihnen sei gesagt worden, Sie müssten schon bis zum Ende hart arbeiten und dass man auch an Ihrer Leistung gesehen hätte, dass die Entscheidung Sie beschäftigt habe. Auf dem Eis wäre die Leistung nicht mehr so stark wie zu Saisonbeginn. Stimmt die Kritik?

Wohlgemuth: Ich verstehe sie ziemlich gut. Ich weiß, dass ich zuletzt ein bisschen nachgelassen habe. Das ist aber auch ein bisschen normal und nur eine Phase. Wir haben noch einige Spiele vor uns. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen und bin definitiv mit dem Kopf bei der Sache, weil wir die Saison zu 100 Prozent gut als Team abschließen wollen. Das gilt auch für mich persönlich. Die Kritik ist auch unabhängig von der Entscheidung berechtigt. Wir sind im Leistungssport und wer nicht die Leistung bringt, die er hätte bringen können, hat natürlich Kritik verdient. Ich bin mir der Lage bewusst und werde das schon meistern.

Lesen Sie auch: Der erste große Exportschlager des ESV Kaufbeuren