Hitze und hoher Wasserbedarf

Engpässe in Deutschland: Wird jetzt auch im Allgäu das Wasser knapp?

Eine kühle Erfrischung aus dem Gartenschlauch kommt bei den derzeit hohen Temperaturen für viele gerade recht. Dabei sollte man gerade jetzt sparsam mit dem Wasser umgehen.

Eine kühle Erfrischung aus dem Gartenschlauch kommt bei den derzeit hohen Temperaturen für viele gerade recht. Dabei sollte man gerade jetzt sparsam mit dem Wasser umgehen.

Bild: Jens Büttner/dpa (Symbolbild)

Eine kühle Erfrischung aus dem Gartenschlauch kommt bei den derzeit hohen Temperaturen für viele gerade recht. Dabei sollte man gerade jetzt sparsam mit dem Wasser umgehen.

Bild: Jens Büttner/dpa (Symbolbild)

Nach der Trinkwasser-Knappheit im niedersächsischen Lauenau fragt man sich: Kann das auch im Allgäu passieren? Ein Experte zur Wasserversorgung in der Region.

13.08.2020 | Stand: 11:59 Uhr

Zu wenig Regen und viele Menschen, die wegen der Corona-Pandemie verstärkt zuhause sind, haben im niedersächsischen Lauenau für Wasserknappheit gesorgt. Aus dem Wasserhahn kam plötzlich kein Trinkwasser mehr. Grund dafür war wohl ein leerer Wasserspeicher.

Doch kann dieses Szenario auch im Allgäu passieren? Wie gut ist die Trinkwasserversorgung in der Region? Das Wasserwirtschaftsamt klärt auf.

Wasserknappheit in mehreren Gemeinden

Einen drastischen Anstieg des Wasserverbrauchs an heißen Tagen hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in den vergangenen Jahren beobachtet. "Bei starker Hitze ist der Wasserverbrauch in den letzten Jahren tagesbezogen oft deutlich angestiegen, etwa um 40 bis 60 Prozent, wenn es 36 Grad hat und viele Leute gleichzeitig ihren Garten bewässern und Pools befüllen", sagt der Hauptgeschäftsführer Wasser, Martin Weyand.

Wasser im Allgäu wurden schon einmal knapp

"Auch im Allgäu verbringen wohl viele ihren Urlaub daheim, was zu einem höheren Wasserbedarf führen könnte", sagt auch Toni Schuwerk, Abteilungsleiter Kempten/Oberallgäu des Wasserwirtschaftsamtes.

2018 habe es im Allgäu in einigen Gemeinden Probleme mit der Wasserversorgung gegeben. "Teilweise musste man Wasser aus dem Tal vom Fernwasser-Anschluss holen und in einige Dörfer transportieren", so Schuwerk.

Fernwasser aus Brunnen bei Sonthofen

Das Fernwasser für das Allgäu stamme hauptsächlich aus Altstädten und Ortwang bei Sonthofen. Dort gibt es laut Schuwerk drei etwa 20 Meter tiefe Brunnen, aus denen man das Grundwasser an die Oberfläche transportiert.

Die dortigen Wasservorräte sind Überbleibsel früherer Gletscher in der Region. "Viele Allgäuer Gemeinden werden mit dem Fernwasser von dort versorgt", so der Experte. Einige Kommunen haben aber auch eigene Brunnen oder Quellen.

Angst vor Wasserknappheit im Allgäu unbegründet

Die Allgäuer bräuchten derzeit keine Angst vor einer Wasserknappheit haben. "Die immer wieder starken Niederschläge in den vergangenen Wochen haben für genügend Wassernachschub gesorgt", sagt Schuwerk. Die Wasserstände hätten einen für die Jahreszeit typischen Wert. Auf der Webseite des Gewässerkundlichen Dienstes kann jeder die aktuellen Wasserstände sehen.

Die Allgäuer Messstellen für das Grundwasser befinden sich in:

Die Allgäuer Messstellen für das Wasservolumen der Quellen befinden sich in:

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Um die Brunnen sind zudem Schutzzonen festgelegt, die die Qualität des Wassers sicherstellen sollen. "In einem bestimmten Umkreis um die Brunnen dürfen die Landwirte beispielsweise nicht güllen", so der Experte.

Damit würde unter anderem verhindert, dass das Wasser mit Nitrat belastet wird. Auch hinsichtlich der Bakterienmenge im Wasser führten die Kommunen regelmäßige Tests durch, um die Wasserqualität sicherzustellen.

Was tun, wenn das Wasser doch einmal knapp wird?

Kurzfristig könnten dann Einschränkungen helfen, den Bedarf zu senken: "Die Satzungen sehen in der Regel vor, dass die Bewässerung von Gärten eingeschränkt werden kann und die Befüllung von Pools eingestellt werden muss, wenn die öffentliche Trinkwasserversorgung gefährdet sein könnte", so Weyand vom BDEW.

Trinkwasser für die Bevölkerung muss laut Weyand langfristig Vorzug vor den Interessen etwa der Landwirtschaft haben. Diese könne sich über Alternativen Gedanken machen, etwa mit Tröpfchenbewässerung wie in Israel. Diese gewährleiste, dass nur geringe, exakte Wassermengen an die Pflanzen abgegeben werden.

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