Neue Corona-Regeln für Zuschauer

"Profitgier", "Spaltung" - so heftig werden Allgäuer Vereine angefeindet, weil sie auf 3G+ setzen

Keine Zuschauerbeschränkung, keine Maskenpflicht - fast wie vor Corona: Die neuen Modelle 2G oder 3G+ sollen das den Sportvereinen in Bayern möglich machen. Beim ECDC Memmingen (im Bild) und dem ESVK setzt man darauf - erntet aber Kritik.

Keine Zuschauerbeschränkung, keine Maskenpflicht - fast wie vor Corona: Die neuen Modelle 2G oder 3G+ sollen das den Sportvereinen in Bayern möglich machen. Beim ECDC Memmingen (im Bild) und dem ESVK setzt man darauf - erntet aber Kritik.

Bild: Roland Schraut (Archiv)

Keine Zuschauerbeschränkung, keine Maskenpflicht - fast wie vor Corona: Die neuen Modelle 2G oder 3G+ sollen das den Sportvereinen in Bayern möglich machen. Beim ECDC Memmingen (im Bild) und dem ESVK setzt man darauf - erntet aber Kritik.

Bild: Roland Schraut (Archiv)

Jetzt überlässt es die Politik den Veranstaltern, ob sie auf 2G, 3G oder 3G+ setzen. Der ESVK oder der ECDC Memmingen müssen handeln - und werden angefeindet.
08.10.2021 | Stand: 07:16 Uhr

  • "Wenn das eure neue Normalität werden soll, na dann viel Spass mit eurer zukünftigen Schafherde!"

  • "Ungeimpfte werden Diskriminiert und Genötigt. Mittlerweile als Menschen 2. Klasse hingestellt und jetzt soweit als möglich aus dem sozialen Leben ausgeschlossen, damit sich auch der Rest noch zum impfen " zwingen" lässt."

  • "... zutiefst "krank"! Und der Verein macht da auch noch mit!"

(User-Kommentare auf der Facebook-Seite des ECDC Memmingen, nachdem der Verein mitgeteilt hatte, bei seinen Heimspielen die neue "3G+"Regel anzuwenden).

Seit dieser Woche überlässt es die bayerische Staatsregierung den Veranstaltern, ob sie bei ihren Events nach der bekannten 3G-Regel, oder neu nach dem Prinzip 2G oder 3G+ verfahren wollen. Im Falle des Eishockey-Oberligisten ECDC Memmingen bedeutet dies: Beim Heimspiel am Sonntag gegen Riessersee (18 Uhr) können nur Zuschauer ins Stadion, die als geimpft oder genesen gelten - oder einen aktuellen negativen PCR-Test vorweisen.

Und das sorgt für Diskussionen. "Die Heftigkeit, mit der auf Facebook geschimpft wird, hat mich schon überrascht", sagt Thomas Butzke, zweiter Vorstand des ECDC im Interview mit allgaeuer-zeitung.de. Impfskeptiker attackieren auch Verantwortliche des Vereins, werfen ihnen vor, nur "maximale Einnahmen generieren" zu wollen oder zur Spaltung der Gesellschaft beizutragen.

"Wir machen diese Regeln aber nicht", sagt Butzke. Ihm und seinen Vorstandskollegen fiel der Beschluss zu 3G+ am Ende nicht schwer. Die Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland ist nach Erhebungen des RKI inzwischen geimpft, das gilt auch für viele Fans der Indians. "Letztendlich war es eine Entscheidung zugunsten der Mehrheit. Für unsere Zuschauer macht es einen riesigen Unterschied, ob sie zweieinhalb Stunden während eines Spiels eine Maske tragen müssen oder nicht." Mit 3G+ im Stadion entfällt die Maskenpflicht, der Verein darf auch Alkohol ausschenken - was überlebenswichtige Mehr-Einnahmen bedeutet.

Offenbar sehen das nahezu alle Vereins-Verantwortlichen in der Oberliga so. Bereits in dieser Woche gab es Beratungen der Klubs, kommende Woche soll eine einheitliche Linie kommuniziert werden: Die Vereine werden darüber abstimmen, ob überall in den Stadien der Liga 3G+ angewendet wird. Schon jetzt zeichne sich dafür eine klare Mehrheit ab, heißt es (Lesen Sie auch: Das sind die geltenden Corona-Regeln der Vereine im Allgäu).

Eishockey: Das dürfen die Fans beim ESV Kaufbeuren

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Auch beim klassenhöchsten Allgäuer Eishockey-Vertreter, dem ESV Kaufbeuren gilt seit Kurzem die 3G+-Regel. „Wir haben dazu sowohl positive als auch negative Rückmeldungen erhalten“, sagt Philippe Bader von der Pressestelle des ESVK.

Beim ESV Kaufbeuren gilt für Zuschauer seit Kurzem die 3G+-Regel. Also: geimpft, genesen oder mit PCR-Test getestet.
Beim ESV Kaufbeuren gilt für Zuschauer seit Kurzem die 3G+-Regel. Also: geimpft, genesen oder mit PCR-Test getestet.
Bild: Harald Langer

"Die meisten Zuschauer sind ohnehin geimpft oder genesen."

„Wir haben gemerkt, dass ohnehin die allermeisten Besucher geimpft oder genesen sind.“ Da sei es die logische Konsequenz gewesen, von 3G auf 3G+ umzustellen. „Für den Ärger mancher Fans haben wir natürlich volles Verständnis“, sagt Bader, zumal die PCR-Tests ab kommender Woche kostenpflichtig sind. Aber auch die Schnelltests werden an den Teststationen dann nicht mehr kostenlos sein. Und so sei die Entscheidung für 3G+ momentan das Beste für den Klub.

Ohne Maske, aber dafür mit Bier im Stadion sollte auch wieder mehr Geld in die Kassen fließen und die bisherigen Einbußen könnten etwas aufgefangen werden, hofft Bader. Ein ligaintern koordiniertes Hygienekonzept gibt es wegen der von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Vorgaben innerhalb der DEL2 nicht.

Ringen: Beim TSV Westendorf gilt noch 3G. Aber was kommt dann?

Bei den Ringern des TSV Westendorf gilt für die kommende Kampfrunde noch die 3G-Regel. „Danach werden wir uns mit den Vorsitzenden zusammensetzen und neu beratschlagen“, sagt Thomas Stechele, Abteilungsleiter Ringen beim TSV Westendorf. Die Tendenz gehe allerdings zu 2G oder 3G+. Die teils doch sehr kurzfristig eingeführten Regelungen seien von den Gästen gemischt aufgenommen worden. „Zunächst waren die Zuschauer schon vorsichtig, aber das ist von Kampf zu Kampf besser geworden“, erklärt Stechele. Dass die Leute zunächst noch etwas skeptisch waren, sei aber mehr als verständlich, findet der Abteilungsleiter. Und er hoffe nun durch die steigenden Zuschauerzahlen auch wieder auf einen finanziellen Aufschwung.

Einen überaus guten Austausch habe es außerdem zwischen dem Gesundheitsministerium und dem TSV gegeben. „Das lief von Anfang an richtig gut. Da haben wir teils recht kurzfristige Vorschläge gemacht und auch zeitnah Rückmeldung dazu erhalten“, sagt Stechele.

Volleyball: Die AllgäuStrom Volleys starten mit 3G

Beim anstehenden Spieltag der AllgäuStrom Volleys gilt noch die herkömmliche 3G-Regel. Geimpfte, Genesene, und Getestete dürfen den Volleyball-Damen beim Schlagabtausch in der Allgäu-Halle zujubeln. Vom Platz aus auch ohne Maske, beim Essen-Holen oder beim Toilettengang jedoch mit Mund-Nasenschutz. Weiterhin sollen die Zuschauer auf ausreichend Abstand achten; wie die generelle Resonanz dann ausfällt, wird der kommende Samstag zeigen.

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