Uraufführung

Euregio-Blasorchester: Optimistischer Rhythmus und kräftiger Klang

Feine Blasmusik servierte – wieder einmal – das Euregio-Blasorchester unter Leitung von Johann Mösenbichler.

Feine Blasmusik servierte – wieder einmal – das Euregio-Blasorchester unter Leitung von Johann Mösenbichler.

Bild: Ralf Lienert

Feine Blasmusik servierte – wieder einmal – das Euregio-Blasorchester unter Leitung von Johann Mösenbichler.

Bild: Ralf Lienert

Das Euregio-Blasorchester stellt „The Last Typewriter“ von Jacob de Haan vor. Der Komponist beschreibt darin die 75-jährige Geschichte der Allgäuer Zeitung. Eine alte Schreibmaschine kommentiert dies.
Feine Blasmusik servierte – wieder einmal – das Euregio-Blasorchester unter Leitung von Johann Mösenbichler.
Von Harald Holstein
06.10.2020 | Stand: 10:39 Uhr

Die Allgäuer Zeitung feierte ihr 75-jähriges Bestehen musikalisch mit mehreren Uraufführungen, darunter ein Werk, das der Geschäftsführer des Allgäuer Zeitungsverlags, Markus Brehm, bei Jacob de Haan in Auftrag gegeben hatte. Der bekannte und beliebte niederländische Blasmusik-Komponist schuf zum Jubiläum die Mediensymphonie „The Last Typewriter“ und setzte Erinnerungen eines Journalisten an die „letzte Schreibmaschine“ in Töne um. Das grenzübergreifende Euregio-Blasorchester mit 42 Musikerinnen und Musikern aus dem Allgäu, Außerfern und Kleinwalsertal präsentierte sie bei zwei Benefizkonzerten in der Nesselwanger Alpspitzhalle. Die insgesamt 400 Besucher nahmen das Werk mit viel Applaus auf.

Vor der Uraufführung der Mediensymphonie waren noch zwei Stücke für Blasorchester – „Monument Fanfare“ und „Marcia Festivitas“ – unter Anwesenheit des österreichischen Musikers und Komponisten Sebastian Schraml zum ersten Mal zu hören. Bei den festlich leuchtenden Klängen und am leidenschaftlichen Dirigat von Johann Mösenbichler spürte man die Lust der Musiker, nach langer Pause wieder spielen zu dürfen. Das Programm stand ja auch unter dem Motto „Endlich wieder live“.

Am Tisch neben dem Dirigenten tippt ein Journalist

Nach einem Ausflug ans Meer mit der heiteren Konzertouvertüre „Marinarella“ von Julius Fučik und in den Italo-Western mit fulminant gespielter Filmmusik von Ennio Morricone entführte Jacob de Haans „The Last Typewriter“ in klingende Zeitungsgeschichte und Zeitgeschichte. Der Komponist konnte nicht anreisen, weil er erkrankt war. Er hätte gehört, wie würdig sein Werk in Szene gesetzt wurde. Auf einem Tisch neben dem Dirigenten stand eine wuchtige Schreibmaschine der Marke Triumph, die älteste, die im Zeitungshaus zu finden war. Stefan Binzer von der Allgäu-Redaktion hatte die Ehre, sich als aus der Zeit gefallener Journalist in Frack und Streifenhose an das historische Schreibgerät zu setzen, darauf zu tippen und die Walze auf dem mächtigen Schlitten hin und her zu bewegen. Das Orchester nahm das rhythmische Tippen langsam auf und steigerte sich zu einem optimistischen Aufbruch. Später wiederholte die Oboe ganz allein das Hauptthema, bevor sich dann das Orchester in kräftige Bläsersounds und Pop-Rhythmen warf.

Das Credo von einst gilt noch heute, betont Markus Brehm

Nach zehn Minuten war das Stück vorbei; es endete so verhalten und leise, wie es begann. 75 Jahre sind eine lange Zeit, und sowohl die gesellschaftlichen als auch technischen Entwicklungen bis hin zum digitalen Zeitalter waren vielleicht zu radikal, um alle Facetten in Klänge umzusetzen. Am 13. Dezember 1945 erschien die erste Ausgabe unserer Zeitung unter dem Namen „Der Allgäuer“. Nachkriegs-Deutschland sehnte sich nach ausgewogener, demokratischer und objektiver Berichterstattung, sagte Markus Brehm in seiner Begrüßung. Auf der Titelseite war noch das Credo der Zeitung („unabhängig von Parteien und Institutionen, bewusst demokratisch auf der Basis christlicher Weltanschauung“) abgedruckt. „Dies galt damals ebenso wie heute“, betonte Brehm.

Nach einer coronabedingt verkürzten Pause erklangen die Ouvertüre zur Operette „Die leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé und der Walzer „Sirenenzauber“ von Emil Waldteufel. Dramatische Klänge von Jan Van der Roost (Tirol Terra Fortis), lateinamerikanische Rhythmen von Hans-Joachim Rhinow (Avocados) und eine Zugabe zum Mitklatschen rundeten die unterhaltsamen und kurzweiligen Jubiläumskonzerte ab.