Eishockey

„Weg vom reinen Ergebnisdenken“ - EV Füssen zieht positive Saisonbilanz

EV Füssen: Samuel Payeur und Trainer Andreas Becherer

EVF-Trainer Andreas Becherer (rechts) verpasste mit seiner Mannschaft klar die Play-offs. Dennoch sind die Füssener mit der Saison einigermaßen zufrieden.

Bild: Benedikt Siegert

EVF-Trainer Andreas Becherer (rechts) verpasste mit seiner Mannschaft klar die Play-offs. Dennoch sind die Füssener mit der Saison einigermaßen zufrieden.

Bild: Benedikt Siegert

Verantwortliche des Oberligisten EV Füssen ziehen trotz verpasstem Saisonziel Play-offs ein versöhnliches Fazit. Warum es zu einem Umruch kommen könnte.
18.03.2021 | Stand: 12:00 Uhr

In seiner fast hundertjährigen Geschichte hat der EV Füssen so einige Höhen erklommen und tiefe Täler durschritten. Die Spielzeit in der Eishockey-Oberliga 2020/21 war aber auch für den Traditionsverein aus dem Ostallgäu ein Novum in jeder Hinsicht: Denn erstmals durfte kein einziger Fan die Saisonspiele verfolgen. Corona warf auch den Spielplan und den Modus der Liga mehrfach über den Haufen. Mehrere Dutzend Spielabsagen, Verlegungen und Terminchaos waren die Folge. (Hier geht's zum Eishockey-Newsblog)

Mit Platz elf wurde das angepeilte Saisonziel Play-offs klar verfehlt

Und auch wenn die Schwarz-Gelben bis zum Ende von positiven Tests und Quarantänemaßnahmen verschont blieben: So rechte Wehmut mochte jetzt nicht aufkommen, als der EVF nach dem 3:2-Sieg am Dienstag gegen Deggendorf vorzeitig in die Sommerpause ging. Kein Wunder: Mit Platz elf wurde das angepeilte Saisonziel Play-offs klar verfehlt. „Wir hätten uns sportlich mehr ausgerechnet, das ist gar keine Frage“, sagt Trainer Andreas Becherer. Die unselige Kombination aus beruflicher Belastung, Corona-Einschränkungen und Geisterspielen hätte seiner Mannschaft zu sehr zu schaffen gemacht. „Wir konnten leider nur punktuell zeigen, was wir zu leisten imstande sind“, sagt der Coach.

Allzu negativ will er in seiner Bilanz aber dennoch nicht werden. „Ich kann keinem meiner Spieler einen Vorwurf machen.“ Vielmehr habe die Corona-Saison auch Experimente erlaubt. Das sieht auch Sportdirektor Thomas Zellhuber so: „Wir konnten auf diese Weise weg vom reinen Ergebnisdenken und noch mehr Talenten die Chance geben, sich zu beweisen.“ Beispiel das vorletzte Saisonspiel bei den EHF Passau. Dort trat die mit 20,2 Jahren im Durchschnitt jüngste EVF-Mannschaft aller Zeiten an – und gewann.

Umruch beim EV Füssen?

Ein Wink für die Zukunft? Womöglich. Denn beim EV Füssen deutet sich nach dieser Spielzeit ein kleinerer Umbruch im Kader an. Arrivierte Spieler hören auf, gleichzeitig will der Verein künftig wieder mitmischen, was die Play-offs angeht. „Es muss schon das Ziel sein, wieder unter die ersten Acht zu kommen“, sagt Trainer Becherer. Potenzial dazu sei vorhanden. Trotz Platz elf habe die Spielzeit gezeigt, dass der Verein mit dem eingeschlagenen Weg konkurrenzfähig sein kann. Fortgesetzt werden soll deshalb auch die Kooperation mit dem ESV Kaufbeuren, die Zellhuber und Becherer in den höchsten Tönen loben.

Hoffen auf die Rückkehr von Zuschauern in die Stadien

Die ein oder andere Verstärkung von außerhalb haben die Verantwortlichen bereits auf dem Zettel. Doch eines können auch neue Akteure nicht ersetzen: die Zuschauer. „Das Feedback der Leute hat uns heuer einfach brutal gefehlt“, sagt Becherer. Und seien es nur die Pfiffe nach negativen Auftritten. Er hofft daher auf ein Comeback vor vollen oder zumindest teilweise gefüllten Rängen in der neuen Saison.

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Dann muss sich sein Team auch nicht mehr per Transparent über den Internet-Livestream von den Anhänger verabschieden, so wie gegen Deggendorf, sondern kann das wieder persönlich tun. Denn es wäre doch ein Jammer, wenn zum hundertjährigen Vereinsjubiläum im kommenden Jahr immer noch Geister-Flair am Kobelhang herrscht, wo einst bis zu 16 000 Menschen ihren Verein anfeuerten.

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