Preis für Füssener Klinik

Füssener Herzinfarkt-Netzwerk erhält einen Förderpreis: Wofür das Geld eingesetzt werden soll

Das Herzinfarkt-Netzwerk am Füssener Krankenhaus hat einen renommierten Preis bekommen. Zur Behandlung gehört eine Chest Pain Unit (Brustschmerz-Abteilung), wo Patienten nach der Akutversorgung überwacht werden.

Das Herzinfarkt-Netzwerk am Füssener Krankenhaus hat einen renommierten Preis bekommen. Zur Behandlung gehört eine Chest Pain Unit (Brustschmerz-Abteilung), wo Patienten nach der Akutversorgung überwacht werden.

Bild: Benedikt Siegert

Das Herzinfarkt-Netzwerk am Füssener Krankenhaus hat einen renommierten Preis bekommen. Zur Behandlung gehört eine Chest Pain Unit (Brustschmerz-Abteilung), wo Patienten nach der Akutversorgung überwacht werden.

Bild: Benedikt Siegert

Das Herzinfarkt-Netzwerk Königswinkel-Außerfern am Füssener Krankenhaus ist bundesweit einzigartig. Jetzt bekam das Projekt einen renommierten Förderpreis.
16.10.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Es war im Winter 2010. Das Wetter war so schlecht, dass es unmöglich war, einen Herzinfarkt-Patienten aus dem Füssener Krankenhaus zu verlegen. Dort behandelt werden konnte er nicht, weil die nötige Ausstattung fehlte. „Es ist sehr schlimm, wenn man da daneben steht und nichts machen kann“, erinnert sich Dr. Martin Hinterseer, Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Füssener Krankenhauses.

Er wusste, dass es seinen Kollegen im Tiroler Außerfern oft genauso geht. Für dortige Herzinfarkt-Patienten war die nächste Klinik im 100 Kilometer entfernten Innsbruck. Dieses Krankenhaus über den Fernpass zu erreichen, ist wetter- und verkehrstechnisch oft ein langwieriges Unternehmen. Zeit aber ist das, was ein Herzinfarkt-Patient nicht hat – für ihn zählt jede Minute. Deshalb begann Hinterseer im Jahr 2012 mit österreichischen Kollegen zusammenzuarbeiten. Dieses Projekt hat sich bis heute zum bundesweit ersten grenzüberschreitenden Herzinfarkt-Netzwerk etabliert und erhielt jetzt zusammen mit dem Herzzentrum Füssen-Außerfern einen renommierten Förderpreis, ausgegeben unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Mit dem Preisgeld eine Hilfskraft beschäftigen

10 000 Euro bekommt Hinterseer für das Netzwerk Königswinkel-Außerfern. „Es ist eine Auszeichnung für das ganze Team“, sagt er. Mit dem Geld will er eine studentische Hilfskraft beschäftigen, die sich um die Datenbearbeitung kümmert. Aufzeichnungen, Analysen und Publikationen waren nämlich Voraussetzung für den Preis, um den sich Hinterseer beworben hatte. „Wir sind aber in Füssen keine Uni-Klinik, wo es Leute dafür gibt. Bei uns läuft das neben dem normalen Betrieb“, sagt er.

Bis er sein Herzensprojekt verwirklicht hatte, ging Hinterseer einen teilweise steinigen Weg. Es galt nicht nur, einen Herzkatheter-Messplatz und andere technische Voraussetzungen in Füssen zu schaffen. Das Hauptproblem der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit war, dass die Krankenkassen eine Behandlung für einen Österreicher in Deutschland und andersrum nicht bezahlten. Viele Verhandlungen waren nötig, um ein Umdenken zu erreichen. Als es schließlich gelang, die Kostenträger zu überzeugen, war laut Hinterseer ein Meilenstein geschafft.

Einzugsgebiet des Netzwerks umfasst nahezu 100.000 Menschen

Dass sein Engagement und das seiner Kollegen nötig war, kann Hinterseer an Zahlen belegen. Das Einzugsgebiet des Netzwerks umfasst mittlerweile an die 100 000 Bürger vom Außerfern bis Schongau und vom Füssener Land bis ins Oberallgäu. Beim Start im Jahr 2012 hatte die Klinik in Füssen 20 österreichische Infarktpatienten pro Jahr, jetzt sind es 200. Im Jahr 2012 wurden an die 600 Katheter-Untersuchungen durchgeführt, 2019 waren es 1200.

Viele Verbesserungen, zum Beispiel bei der Patientenversorgung, führten laut Hinterseer dazu, dass die Sterberate bei Infarkten in Füssen mit 4,4 Prozent deutlich unter der bundesweiten mit 6,6 Prozent liege. „Als kleines Krankenhaus konnten wir nicht einfach nur sagen, wir sind so gut wie die großen. Wir mussten es beweisen“, sagt Martin Hinterseer.

365 Tage im Jahr ist das Herzinfarktnetzwerk erreichbar

Erreichbar ist das Herzinfarktnetzwerk Königswinkel-Außerfern 365 Tage im Jahr rund um die Uhr. Ein Team aus insgesamt fünf Ärzten und acht Pflegern soll dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft. Das Herzinfarktnetzwerk ist Teil des Herzzentrums Füssen-Außerfern. Dazu gehört unter anderem eine Chest Pain Unit (Brustschmerz-Abteilung), wo Patienten nach der Akutversorgung engmaschig überwacht werden.

Für die Zukunft plant Hinterseer mit einem zweiten Herzkatheter-Messplatz. „Es werden immer mehr Patienten und wir sollten immer einen freien Platz zur Verfügung haben“, sagt er. Sonst kann es passieren, dass terminierte Behandlungen wegen Notfällen zu oft verschoben werden müssen. (Lesen Sie auch: Gefäßkrankheiten: Die unterschätzte Gefahr - ein Allgäuer Experte klärt auf)