Arbeitsmarkt im Allgäu

Viele Stellen unbesetzt: Allgäuer Firmen hoffen auf Geflüchtete

Die Agentur für Arbeit kümmert sich nun auch um die Vermittlung von Flüchtlingen aus der Ukraine - die Nachfrage auch von Allgäuer Firmen ist da.

Die Agentur für Arbeit kümmert sich nun auch um die Vermittlung von Flüchtlingen aus der Ukraine - die Nachfrage auch von Allgäuer Firmen ist da.

Bild: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Die Agentur für Arbeit kümmert sich nun auch um die Vermittlung von Flüchtlingen aus der Ukraine - die Nachfrage auch von Allgäuer Firmen ist da.

Bild: Jan Woitas, dpa (Symbolbild)

Unternehmen im Allgäu können viele Stellen derzeit nicht besetzen. Neben Menschen aus der Ukraine haben sie nun auch Langzeitarbeitslose im Blick.
30.06.2022 | Stand: 19:00 Uhr

Rein rechnerisch passen die aktuellen Zahlen zum Arbeitsmarkt gut zusammen: Im Juni waren im Allgäu 9853 Menschen ohne Job. Ihnen stehen 8335 unbesetzte Stellen gegenüber, es wäre also fast deckungsgleich. Doch so einfach ist die Rechnung in der Realität leider nicht, sagt Monika Ambronn von der Arbeitsagentur Kempten-Memmingen.

Gerade die Vermittlung von Landzeitarbeitslosen im Allgäu sei schwierig

Gerade die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen – also Frauen und Männern, die seit mehr als einem Jahr keine Stelle haben – sei schwierig. Zwar sei die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel auf nun 2317 Menschen gesunken. „Doch diese Personengruppe bereitet uns die größten Sorgen“, sagt Ambronn.

Viele hätten nur eine geringe Qualifizierung oder gar keine Ausbildung, andere hätten schwere Krankheiten oder Schicksalsschläge hinter sich. „Je länger die Arbeitslosigkeit dauert, umso schwieriger wird eine Vermittlung“, erklärt die Expertin. Denn nach Jahren ohne Job müssten sich diese Menschen auch erst wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen. Für sie bietet die Arbeitsagentur spezielle Programme an. Angesichts des großen Facharbeitermangels seien aber immer mehr Firmen bereit, es auch mit Langzeitarbeitslosen zu probieren – und würden sie teils selbst, teils von der Agentur gefördert weiterbilden.

Noch gibt es Sprachhürden bei ukrainischen Flüchtlingen

Hoffnung setzen viele Betriebe auch in Flüchtlinge aus der Ukraine. Diese lassen die Arbeitslosenzahl aktuell aber erst einmal leicht steigen, weil sie seit Juni rechtlich von den Jobcentern betreut werden – ansonsten wäre die Quote gesunken. „Momentan scheitert es oft noch an der Sprachhürde und man darf natürlich nicht vergessen, dass auch die Geflüchteten Zeit benötigen, um bei uns anzukommen“, sagt Maria Amtmann, die Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Die Mehrzahl unter ihnen seien Frauen, die häufig betreuungsbedürftige Kinder mitgebracht hätten. „Sie brauchen als erstes eine Unterkunft, gesicherte Kinderbetreuung und in manchen Fällen auch ausreichende Mobilität, um sich auf Arbeitssuche begeben zu können“, sagt Amtmann. Insgesamt sei sie aber sehr optimistisch, dass die Geflüchteten – „nicht zuletzt auch aufgrund der äußerst engagierten Arbeit der Jobcenter sowie der ehrenamtlichen Helferkreise“ – längerfristig gut in den Arbeitsmarkt integriert werden können, wenn sie denn länger bleiben möchten oder müssten.

Mitarbeiterbedarf herrscht in vielen Branchen

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Wo werden vor allem Mitarbeiter gesucht? „Großer Bedarf herrscht nach wie vor im verarbeitenden Gewerbe, dem Handel, der Gastronomie und im Gesundheitswesen sowie in der Bau- und der Logistikbranche“, zählt Monika Ambronn auf.

Zum Stichtag am 13. Juni waren im Agenturbezirk Kempten-Memmingen 9853 Menschen arbeitslos gemeldet – 1240 Personen beziehungsweise 14,4 Prozent mehr als im Mai und 967 Personen beziehungsweise 8,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote beträgt damit im Juni 2,5 Prozent– 0,3 Punkte mehr als im Mai und 0,3 Punkte weniger als im Vorjahresmonat.

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