So teuer kann es werden

Falschparker und Wildcamper im Allgäu: Polizei pausenlos im Einsatz

Auf einer Zufahrt zum Forggensee: Hier war die Lage noch relativ entspannt. Aber häufig sei „alles dicht“, sagt Johannes Stoll, Polizist in Füssen.

Auf einer Zufahrt zum Forggensee: Hier war die Lage noch relativ entspannt. Aber häufig sei „alles dicht“, sagt Johannes Stoll, Polizist in Füssen.

Bild: Michael Munkler

Auf einer Zufahrt zum Forggensee: Hier war die Lage noch relativ entspannt. Aber häufig sei „alles dicht“, sagt Johannes Stoll, Polizist in Füssen.

Bild: Michael Munkler

Der Ansturm der Urlauber und Tagesausflügler hält ungebrochen an. Die Polizei ist mit hunderten Beamten im Dauer-Einsatz. Was am Wochenende los war.
09.08.2020 | Stand: 18:31 Uhr

Am Wochenende waren sie wieder unterwegs: Hunderte von Polizisten an den touristischen Brennpunkten vorwiegend im südlichen Allgäu – im Königswinkel, im Großraum Oberstdorf und in Lindau am Bodensee. Die Inspektionen Füssen und Lindau erhielten sogar Verstärkung von der Bereitschaftspolizei. Seit den Corona-Lockerungen sei der Königswinkel regelrecht überrollt worden, schildert der Füssener Polizeichef Edmund Martin. Bei schönem Wetter sei rund um Füssen „alles dicht“.

Ortstermin am Forggensee: Martin hat hier an einem schönen Wochenendtag in diesem Sommer zählen lassen, wie viele Radfahrer auf der Radelstrecke an der Staumauer vorbeikommen: 1600 seien es in sechs Stunden gewesen, sagt der Füssener Polizeichef. Die Radler an sich sind nicht das Problem, aber viele reisen als Tagesausflügler an mit dem Zweirad im Kofferraum oder auf dem Heckträger. Und dann werden sie spätestens zum Problem, wenn sie einen Parkplatz – möglichst in Seenähe – suchen. Dabei wäre es ganz einfach, beispielsweise auf dem Füssener Festplatz – übrigens kostenlos – zu parken und von dort mit dem Fahrrad zu starten.

Falschparken kann teuer werden

Hier, am Forggenseee zwischen Roßhaupten und Rieden, kann das Falschparken im gekennzeichneten Landschaftsschutzgebiet richtig teuer werden. Laut offiziellem „Tatbestandskatalog“ kostet das beispielsweise 50 Euro, in einem Naturschutzgebiet sogar 100 Euro.

Polizeihauptmeister Johannes Stoll (32) ist seit Kurzem bei der Polizei in Füssen für den Verkehr zuständig. Ja, die jetzige Situation mit dem Ansturm der vielen Urlauber und Tagesgäste sei für die Polizei eine enorm große Herausforderung, sagt er. Vor allem an Wochenenden bei gutem Wetter. Seit Beginn der Corona-Lockerungen hat allein die Füssener Polizei 350 Parkverstöße in Landschaftsschutzgebieten registriert. Jeder dieser Fälle wird vermutlich mit 50 Euro sanktioniert.

Und außerdem gibt es für die Polizisten ja noch das „normale Tagesgeschäft“, das an schönen Sommer-Wochenenden auch nicht weniger wird: nächtliche Ruhestörungen, Alkoholexzesse, Unfälle oder Schlägereien.

Mehr Übernachtungen im Naturschutzgebiet

Ein weiterer Trend, der sich in den vergangenen Sommern schon abgezeichnet hat, verstärkt sich in Corona-Zeiten: Drastisch angestiegen ist die Zahl derjenigen, die in Landschafts- und Naturschutzgebieten der Allgäuer Alpen biwakieren oder zelten. Ursprünglich war das vor allem am Schrecksee im Oberallgäu beobachtet worden, inzwischen werden immer mehr Seen oder Berge zur Partymeile. Im Netz steht in einschlägigen Portalen, was gerade angesagt ist in der Alpin-Partyszene.

Bilderstrecke

Ganz schön teuer: Das können Parkverstöße kosten

Das Zelten in alpinen Schutzgebieten ist mehr oder weniger generell verboten – Ausnahme wäre beispielsweise ein alpiner Notfall oder einbrechende Dunkelheit. Party-Hotspots wie die Säulingwiese kontrolliert die Alpine Einsatzgruppe des Polizeipräsidiums in Kempten regelmäßig. Meist kommen die Alpin-Gendarmen am frühen Morgen. Bei „Übernachtungsgästen“ im Naturschutzgebiet verhänge das Landratsamt dann eine saftige Geldbuße in Höhe von 350 Euro, schildert Martin.

Falschparker und Wildcamper: Die Wochenend-Bilanz

Auch dieses Wochenende waren nach Angaben der Polizei wieder sehr viele Touristen aus dem In- und Ausland sowie Einheimische im Allgäu unterwegs. Die Parkplätze an den Brennpunkten in Oberstdorf, Füssen, Lindau und nahe Sonthofen waren voll oder gar überfüllt. Teilweise wurde massiv kontrolliert. So wurden am Samstag allein in Füssen rund um die großen Seen 150 Parkverstöße registriert. Die Sonthofener Beamten meldeten viele zugeparkte Rettungswege, auch in Landschaftsschutzgebieten wurden Autos abgestellt. „Auf Hinweise reagierten manche verständnisvoll, andere widerborstig“, sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag. Er sprach außerdem von massivem Zu- und Abreiseverkehr und zahlreichen Wildcampern.