Tierwohl

Feneberg will ab sofort nicht nur beim Bio-Fleisch zeigen, wie Vieh gehalten wird

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Wie wurde das Vieh gehalten? Darüber will die Supermarktkette Feneberg in Zukunft genauer informieren.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Wie wurde das Vieh gehalten? Darüber will die Supermarktkette Feneberg in Zukunft genauer informieren.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Feneberg kennzeichnet ab sofort alle Produkte aus der eigenen Metzgerei. Was die Allgäuer Supermarktkette sonst noch für mehr Nachhaltigkeit tut.
15.11.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Unter welchen Bedingungen wurden Rinder, Schweine oder Hühner gehalten? Eine Antwort auf diese Frage erhielten Kunden der Kemptener Supermarktkette Feneberg bislang nur, wenn sie in der Kühltheke zum Fleisch der regionalen Bio-Linie „Von Hier“ griffen.

Unter dem Stichwort „Bio mit Gesicht“ lassen sich im Internet genaue Infos über Hof und Tierwohl einholen. Nun weitet Feneberg die Kennzeichnung aus: Produkte des Programms „Prima Markenfleisch“ erhalten laut Geschäftsführer Hannes Feneberg ab sofort auf der Verpackung einen klaren Hinweis auf die Tierhaltung.

Neue Kennzeichnung von Feneberg-Produkten der Linie "Prima Markenfleisch"

In der hauseigenen Metzgerei werden pro Woche etwa 200 Tonnen Fleisch verarbeitet – knapp die Hälfte der Produkte tritt von Kempten aus den Weg in die Kühltheken der etwa 80 Filialen in Süd-Bayern und Baden-Württemberg an. Feneberg beliefert aber auch andere Anbieter von Fleisch, Wurst und Convenience-Produkten.

Die künftige Kennzeichnung der Linie „Prima Markenfleisch“ folgt den Kriterien der „Initiative Tierwohl“ und hat vier Kategorien. Diese reichen von der einfachen Stufe 1 (rot, Stallhaltung) über die Stufen 2 (blau, Stallhaltung Plus) und 3 (orange, Außenklima) bis zur höchsten Stufe 4 (grün, Premium).

Supermarktkette Feneberg aus dem Allgäu: Überzeugung statt Marketing

Das habe nichts mit Marketing zu tun. „Wir machen das aus Überzeugung. Denn Ehrlichkeit und Transparenz sind uns wichtig“, begründet Hannes Feneberg den für ein Lebensmittelunternehmen dieser Größe ungewöhnlichen Schritt.

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„Prima Markenfleisch“ stammt aus konventioneller Landwirtschaft und wird in einem Radius von 100 Kilometern rund um Kempten produziert: Neben Weiderind und Kalb gehören auch Schwein, Huhn, Pute und Ente dazu. Das Unternehmen setzt dabei auf 250 Vertragslandwirte, davon über 200 zumeist kleinbäuerliche Rinderhalter. Drei Jahre Vorlauf seien für die neue Initiative nötig gewesen, Stallumbauten bei einigen Landwirten und Veränderungen beim Futter inklusive.

Geschäftsführer Hannes Feneberg: "Wir sind aber noch nicht am Ziel"

Die Klassifizierung sei ein Einstieg, sagt Hannes Feneberg. „Wir sind aber noch nicht am Ziel.“ Denn natürlich wolle man eine Steigerung innerhalb der Stufen erreichen. So rangiere das Putenfleisch bislang nur daher auf der niedrigen Stufe eins, weil der einzige Schlachtbetrieb in Süddeutschland lediglich Tiere dieser Kategorie annehme.

Oder das Rind, bei dem im Sommer der Weidegang garantiert sei: Dieses Fleisch entspreche der hohen Stufe 3, sei dort aber wegen der Winterhaltung nicht zugeordnet. Denn für die vielen Nebenerwerbslandwirte mit zehn, zwölf Stück Vieh sei es kurzfristig nicht machbar, auf die gewohnte Anbindehaltung zu verzichten.

Mehr Umweltfreundlichkeit durch die Einsparung von Energie

Nachhaltigkeit – sie soll künftig generell eine größere Rolle spielen, sagt Amelie Feneberg, die Tochter des Geschäftsführers. Die 26-jährige Hotelfachfrau und Wirtschaftswissenschaftlerin wird voraussichtlich 2022 ins Firmen-Management einsteigen. Sie ist schon jetzt mitverantwortlich für ein Modell, mit dem das Unternehmen künftig konsequent Energie einsparen und ökologische Prozesse fördern will.

Noch mehr Regionalität bei der Lebensmittelerzeugung sowie ressourcenschonende Abläufe in der Produktion (etwa in Bäckerei und Metzgerei) und im Verkauf stehen laut Amelie Feneberg auf der Agenda der Kampagne. Schon jetzt habe das Unternehmen den Energieverbrauch in Filialen und Produktionsstätten (in Relation zur Fläche) in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent reduziert. Auch Photovoltaikanlagen auf möglichst vielen Dächern der Märkte sind laut Hannes Feneberg erklärtes Ziel.

40 Tonnen Plastik sollen bei Feneberg eingespart werden

Ein großer Schritt war aus seiner Sicht die Umstellung der Verpackung von Hackfleisch und Käse. „Durch die Schlauchbeutelfolie, die wir nun verwenden, sparen wir 70 Prozent Plastik ein, das sind über 40 Tonnen pro Jahr“, sagt Feneberg. Weitere Produkte sollen in Bälde ebenfalls plastikärmer angeboten werden, beispielsweise Teigwaren, Soßen oder Wurst im Selbstbedienungsbereich.

Nicht zu vergessen die kleineren Schrauben, an denen Feneberg mit Blick auf die Umwelt drehen will – so soll es die Unverpackt-Stationen nach Tests in zwei Filialen künftig auch an weiteren Standorten geben. „Wir haben an einzelnen Stellen viel erreicht“, sagt Hannes Feneberg. „Jetzt geht es darum, die Anstrengungen zu bündeln.“

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