Mautpflicht auf B179

"Wenn Klagen kommen, dann zurecht" - Pläne zur Fernpass-Maut stoßen auf Skepsis im Allgäu

Fernpass-Maut: Die Fahrt vom Allgäu in Richtung Innsbruck könnte schon bald deutlich teurer werden.

Fernpass-Maut: Die Fahrt vom Allgäu in Richtung Innsbruck könnte schon bald deutlich teurer werden.

Bild: imago/Bernd Feil (Archiv)

Fernpass-Maut: Die Fahrt vom Allgäu in Richtung Innsbruck könnte schon bald deutlich teurer werden.

Bild: imago/Bernd Feil (Archiv)

Auf dem Fernpass zwischen Reutte und dem Inntal soll eine Maut eingeführt werden. Das sorgt für Kritik aus dem Allgäu und dem Außerfern.
03.11.2022 | Stand: 07:14 Uhr

Die Pläne für eine Maut am Fernpass sorgen für viel Beifall, aber auch große Skepsis. Während bei Lesern unserer Redaktion die Meinungen über das Vorhaben der neuen Tiroler Landesregierung auseinander gehen, positioniert sich die Wirtschaftskammer in Reutte klar gegen die Pläne.

„Wir sehen das alles äußerst kritisch“, sagt deren Chef Wolfgang Winkler. Er befürchtet Wettbewerbsnachteile für Unternehmen in der Region: „Unsere Infrastruktur-Anbindung ist ohnehin schon nicht die beste, wenn jetzt auch noch eine zusätzliche Maut hinzukommt, schadet das unseren Betrieben.“ Denn Ausnahmen von der geplanten Maut seien nur für Privatpersonen möglich, nicht aber für Unternehmen. „Die Wirtschaft kann man davon nicht befreien.“

Wirtschaftskammer Reutte befürchtet durch Fernpass-Maut schlechtere Nahversorgung

Konkret befürchtet Winkler, dass sich die Nahversorgung in der Region verschlechtert. Denn 95 Prozent aller Lebensmittel im Außerfern kämen über den Fernpass: „Wird die Anlieferung teurer, muss irgendwo gespart werden“, glaubt Winkler und sagt, es könnten Schließungen von Supermärkten drohen. Auch für Handwerksbetriebe hätte eine Maut negative Auswirkungen, sagt Winkler. „Diese Kosten können sie unmöglich an ihre Kunden weitergeben.“

Ähnlich wie einige Leser unserer Redaktion im Internet sieht Winkler sogar Parallelen zur deutschen Pkw-Maut, die letztlich scheiterte. „Wenn da jetzt jemand klagt gegen die Gebühr am Fernpass, dann zurecht.“ Schließlich sei bereits der deutsche Versuch, Ausländer für die Nutzung der Straßen zur Kasse zu bitten, wegen des EU-Rechts gescheitert. Die volle Mautsumme nur von ausländischen Autofahrern zu verlangen, hält Winkler auch am Fernpass für ungerecht und juristisch fragwürdig.

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Allgäu GmbH zeigt sich überrascht von Maut-Plänen

Doch wie beurteilt man jenseits der Grenze die Tiroler Pläne? Bei der Allgäu GmbH zeigen sich die Verantwortlichen überrascht von der Entscheidung aus Innsbruck. Sprecherin Simone Zehnpfennig ist zwar der Meinung, dass das Vorhaben Konsequenzen in unserer Region haben wird. „An direkte Auswirkungen auf den Tourismus im Allgäu glauben wir aber nicht.“ Dass Urlauber wegen der Maut im Allgäu „hängen bleiben“ und nicht weiter in den Süden reisen, sei abwegig. Und doch: Künftig werden sich die Allgäuer laut Zehnpfennig wohl schon genauer überlegen müssen, ob sie für einen Tagesausflug Richtung Innsbruck fahren oder nicht.

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