Fischotter breitet sich im Allgäu aus

"Wie der Wolf": Die Rückkehr dieses Raubtiers macht Fischer im Allgäu nervös

Der Fischotter breitet sich in Bayern aus. Erste Meldungen über Spuren im Allgäu gingen bereits beim Fischereiverband ein.

Der Fischotter breitet sich in Bayern aus. Erste Meldungen über Spuren im Allgäu gingen bereits beim Fischereiverband ein.

Bild: dpa-Zentralbild / Patrick Pleul / Patrick Pleul

Der Fischotter breitet sich in Bayern aus. Erste Meldungen über Spuren im Allgäu gingen bereits beim Fischereiverband ein.

Bild: dpa-Zentralbild / Patrick Pleul / Patrick Pleul

Er galt als ausgerottet. Jetzt steht der Fischotter vor einer Rückkehr im Allgäu. Was Naturschützer freut, bereitet Fischern große Sorgen.
17.11.2022 | Stand: 17:33 Uhr

Er sieht putzig aus und auch seine wissenschaftliche Bezeichnung klingt niedlich: „Lutra Lutra“ wird der Fischotter in Fachkreisen genannt. In Deutschland galt er lange Zeit als ausgerottet. Jetzt breitet er sich wieder aus. Tierschützer freuen sich darüber. Gar nicht lustig finden dagegen Fischzüchter und Angler die Rückkehr des Raubtiers aus der Marderfamilie. Sie sorgen sich um die Fischbestände – auch im Allgäu.

Experten gehen davon aus, dass die Fischotter, aus dem angrenzenden Oberbayern oder aus Tirol kommend, bald auch hier heimisch werden. Erste Meldungen von vermeintlichen Spuren an der Wertach nahe Bad Wörishofen sind beim schwäbischen Fischereiverband bereits eingegangen und versetzen viele Fischer in Aufruhr: „Wir befürchten massive Probleme für unsere Teichbestände und negative Effekte für den Bestand seltener Fische in Fließgewässern. Zum Beispiel für Huchen oder Äschen“, sagt Fischereifachberater Dr. Oliver Born aus Salgen im Unterallgäu.

Diskussion um den Fischotter: Teichbetreiber sehen ihre Existenz gefährdet

Ein Fischotter frisst bis zu eineinhalb Kilo Fisch am Tag. In manchen Regionen, wie der Oberpfalz, gibt es Berichte, wonach Fischotter mit ihren Beutezügen den Teichwirten Verluste von über 50 Prozent zufügten. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Tiere auch im Allgäu etablieren“, sagt Born. Teichwirten rät er, ihre Gewässer mit speziellen Elektrozäunen zu schützen. „Doch da muss man sich auf Kosten von mehreren zehntausend Euro einstellen.“ Zudem sei das speziell bei größeren Karpfenteichen kaum möglich.

Ein Fischotter - hier in einem Zoo in Augsburg - bei der Nahrungsaufnahme.
Ein Fischotter - hier in einem Zoo in Augsburg - bei der Nahrungsaufnahme.
Bild: Ulrich Wagner

Noch deutlicher wird Angelika Schünemann, die mit ihrem Mann Dietmar eine Fischzucht in Ronsberg (Kreis Ostallgäu) betreibt: „Wir Fischzüchter haben einen Horror vor dem Fischotter. Was der Wolf für Schafe ist, ist dieses Raubtier für Fische.“ Genau deshalb solle frühzeitig eine Diskussion über das Raubtier in Gang kommen. Schünemanns Standpunkt ist klar: „Rund um gewerbliche Fischzuchten muss es bejagt werden dürfen.“

In anderen Regionen, wie beispielsweise in der Oberpfalz oder im benachbarten Tirol, ist längst ein offener Streit zwischen Naturschützern und Fischern über den Fischotter entbrannt. Während die einen seine Ausbreitung begrüßen, rütteln die anderem an seinem Schutzstatus. Klar positioniert hat sich beispielsweise der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), dessen Vorsitzender Norbert Schäffer vor Kurzem bei einer Fischereitagung sagte: „Der Fischotter gehört selbstverständlich zur Natur in Bayern.“ Seine Rückkehr bezeichnete er laut Medienberichten als „Gewinn“.

Fischotter "entnehmen"? Gericht muss entscheiden

So sieht man es auch beim Bund Naturschutz (BN), der für den Schutz des Fischotters vor Gericht zieht. Die Regierung der Oberpfalz hatte 2020 für drei besonders betroffene Teichanlagen Ausnahmegenehmigungen zur „Entnahme von jeweils maximal zwei männlichen Fischottern“ erlassen, wie es die Behörden formulieren. Dagegen klagte unter anderem der BN. Eine Entscheidung des bayerischen Verwaltungsgerichtshof wird für 2023 erwartet.

Unabhängig vom Ausgang dieses Rechtsstreits können Teichbetriebe bei nachweisbaren Fischotter-Schäden Anträge auf Entschädigung stellen, die Bayern seit 2016 gewährt. Mehr als eine Million Euro wurden allein 2021 nach Angaben der Landesanstalt für Landwirtschaft an betroffene Betriebe gezahlt. Die Entschädigung deckt allerdings nur bis zu 80 Prozent der Verluste ab.

Die Diskussion um den Fischotter dürfte zunehmen, da die Tiere kaum natürliche Feinde haben. Doch „Lutra Lutra“ ist nicht das einzige Problem der Fischer. Auch der Klimawandel und die dadurch veränderten Bedingungen in den Gewässern beschäftigen sie. Darum geht es auch bei der Herbsttagung des Fischereiverbandes Schwaben mit 22. 000 Mitgliedern am Samstag im Unterallgäuer Sontheim.