Corona-Krise

Fit im Lockdown: Was sich Allgäuer Sportanbieter alles einfallen lassen

Sport übers Internet: Richard Klug zeigt die Bewegungen im Übungsraum der Tanzschule „Kari-Dance“ in Kempten, die Kursteilnehmer sind online dabei und machen sie daheim nach.

Sport übers Internet: Richard Klug zeigt die Bewegungen im Übungsraum der Tanzschule „Kari-Dance“ in Kempten, die Kursteilnehmer sind online dabei und machen sie daheim nach.

Bild: Ralf Lienert

Sport übers Internet: Richard Klug zeigt die Bewegungen im Übungsraum der Tanzschule „Kari-Dance“ in Kempten, die Kursteilnehmer sind online dabei und machen sie daheim nach.

Bild: Ralf Lienert

Fitnessstudios, Kletterhallen und Tanzschulen sind geschlossen, doch es gibt Online-Angebote. Verträge wegen Corona vorzeitig zu kündigen ist schwierig.
09.02.2021 | Stand: 20:40 Uhr

„Wenn nicht bald etwas passiert, verlieren wir noch mehr Kunden“: Richard Klug, Leiter der Kemptener Tanzschule „Kari-Dance“, ist besorgt. Nicht nur Restaurants, Friseure oder Einzelhändler haben seit Wochen geschlossen, sondern beispielsweise auch Kletterhallen, Fitnessstudios – und eben Tanzschulen. Nicht alle Kunden können oder wollen ihre Verträge weiter zahlen.

„Wir bieten viele Online-Kurse an, von Hip Hop bis Jazztanz“, sagt Klug. „Aber Tanzschritte übers Internet zu kontrollieren, geht nur bedingt.“ Am besten angenommen werde der Kurs „Bodywork“, bei dem Kraft und Power im Mittelpunkt stehen. „Kari-Dance“ biete in der Regel Dreimonats-Mitgliedschaften an. Etwa zwei Drittel der Kunden hätten ihre Verträge verlängert – einige von ihnen nutzen laut Klug regelmäßig die Angebote im Internet, andere wollten die Tanzschule einfach unterstützen. Leisten können sich das aber nicht alle: „Manche müssen auch pausieren, weil sie durch die Krise selbst finanziell getroffen wurden.“

Schließungen werden oft kompensiert

Geschlossen ist derzeit auch das Kletterzentrum in Kempten. „Außer dem Landes- und Bundeskader darf zurzeit niemand rein“, sagt der Kemptener Alpenvereinsgeschäftsführer Michael Turobin-Ort. Kletterkurse im Internet seien zwar kaum möglich, für Jahreskarten-Besitzer sei aber beispielsweise ein Seminar mit Bundestrainer Maxi Klaus organisiert worden. Dabei ging es um das Thema Fingerkraft und wie diese auch zuhause trainiert werden kann. „Die Stammgäste sind für uns besonders wichtig und wir wollen ihnen trotz allem zeigen, dass eine Jahreskarte eine gute Investition ist“, sagt Turobin-Ort. Im ersten Lockdown seien die Karten um die Zeit verlängert worden, die das Kletterzentrum geschlossen war. Ob das jetzt wieder der Fall sein wird, sei noch nicht entschieden.

Wir berichten in unserem Newsblog laufend über die aktuelle Corona-Entwicklung in der Region Allgäu und in der Welt

Peter Hörzer, Geschäftsführer der Sportalm in Scheidegg (Westallgäu), schätzt, dass die Kletterhallen noch bis Ostern geschlossen sind. „Auch bei uns ist alles zu. Wir haben zwar einmal diskutiert, ob es möglich wäre, zwei Personen in die Kletterhalle zu lassen, aber damit war das Landratsamt nicht einverstanden.“ Online-Kurse gebe es nicht, die monatlichen Lastschriften der Mitglieder ruhten. Wer die Beträge für Jahres- oder Halbjahreskarten auf einen Schlag bezahlt habe, dessen Karte werde um den Zeitraum der Schließung verlängert.

Im H30 Studio für Fitness, Physio und Ernährung in Memmingen sind immerhin nicht alle Bereiche dicht. Heilbehandlungen in der Physio-Praxis, Rückenschmerz-Therapien, Rehasport und Krankengymnastik am Gerät sind laut Geschäftsführer Jürgen Wolfram vor Ort möglich: „Die Nachfrage ist so groß, dass wir auf der Suche nach neuen Physiotherapeuten sind.“ Freizeitsportler dürfen allerdings nicht ins Studio. Die Kunden können mit den monatlichen Zahlungen pausieren oder ihre Abos weiterlaufen und um die ausgefallene Zeit verlängern lassen, sagt Wolfram. Unabhängig davon, wofür sie sich entscheiden, könnten die Mitglieder an Online-Kursen teilnehmen. „Das wird wirklich sehr gut angenommen, teilweise sind über 70 Menschen gleichzeitig dabei.“

Das sagt die Verbraucherschuzt-Expertin

Trotz allem fragen sich laut Verbraucherzentrale Bayern viele Sportler, ob sie ihre Verträge jetzt vorzeitig kündigen können. „Für eine außerordentliche Kündigung reicht eine vorübergehende Schließung des Fitnessstudios wegen Corona in der Regel nicht aus“, sagt Rechtsexpertin Tatjana Halm. Eine Lösung könne sein, den Vertrag nach Rücksprache mit dem Studio zeitweise ruhen zu lassen. Anders sehe es im Sportverein aus. Hier bezahle man in erster Linie dafür, dass man Mitglied ist, und nicht für konkrete Trainingsmöglichkeiten. Beitragszahlungen ruhen zu lassen, komme daher nicht in Frage. Ebenfalls abweichend ist die Rechtslage laut Halm, wenn jemand eine Zehnerkarte für Sportkurse erworben hat. Hier hingen die Ansprüche davon ab, ob der Veranstalter Termine festgelegt hat. „Konkrete Termine gelten als ein wesentlicher Bestandteil eines Vertrages“, sagt Halm. In diesem Fall könnten Käufer vom Vertrag zurücktreten und die Kosten für nicht genutzte Kurse anteilig zurückverlangen.

Lesen Sie auch: Schwitzen mit den Stars: Wie der SC Sonthofen online Kids trainiert.
Und: Steffen Braun bietet in seiner Tanzschule in Immenstadt rund um die Uhr Online-Angebote an. Der 49-Jährige über alternative Ideen für den harten Lockdown.