Bad Hindelang

Früherer Top-Kletterer Christoph Finkel ist als Bildhauer international gefragt - Welche Funde für ihn "wie Gold" sind

Christoph Finkel gehörte zu den weltbesten Kletterern. Heute ist er der frühere Nationalkader-Athlet und Bundestrainer als Bildhauer erfolgreich.

Christoph Finkel gehörte zu den weltbesten Kletterern. Heute ist er der frühere Nationalkader-Athlet und Bundestrainer als Bildhauer erfolgreich.

Bild: Fotos: Tobias Burger, Archiv Finkel

Christoph Finkel gehörte zu den weltbesten Kletterern. Heute ist er der frühere Nationalkader-Athlet und Bundestrainer als Bildhauer erfolgreich.

Bild: Fotos: Tobias Burger, Archiv Finkel

Skulpturen des frühere Weltklasse-Kletterers Christoph Finkel stehen hoch im Kurs. Wie er sich als Bildhauer aus Bad Hindelang nach oben arbeitete.
20.05.2021 | Stand: 18:48 Uhr

Als Bergsteiger fürchtet der frühere Weltklasse-Kletterer Christoph Finkel (49) Lawinen – als Künstler weiß er sie zu schätzen. Sie liefern ihm sein Material. In den Schneemassen, die im Winter in den Hochlagen abgingen, findet er im Frühling das markante Holz für seine Skulpturen.

Ein über 200 Jahre alter Bergahorn beispielsweise, der von einer Lawine an einem Steilhang im Bärgündele Tal umgerissen wurde, bringt ihn auch noch zwei Jahre später zum Schwärmen. „Solche Funde sind wie Gold für mich“, erzählt der Bildhauer. Finkel nimmt nur, was Stürme und Lawinen umgestürzt haben. Das Holz kann er nach Absprache mit dem Alpmeister bergen.

„Durch sein Alter und seine Lage im Gebirge hat jeder Baum einen ganz eigenen Charakter, eine spezielle Wuchsform. Das fasziniert mich, das fordert mich heraus. Ich will ihm ein zweites Leben geben“, erklärt Finkel seine Philosophie.

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Nachdem er den Bergahorn damals mit einer Kettensäge zerlegt hatte, fuhr er die Klötze mit einem Gewicht von knapp 300 Kilo mit einem alten Holzschlitten hangabwärts. In seiner Werkstatt in Vorderhindelang (Oberallgäu) fertigt er in mühevoller, teils monatelanger Arbeit die Holz-Skulpturen, „die dem Alter und der Beschaffenheit ihres Materials ein Denkmal setzen“, wie die Süddeutsche Zeitung pries.

Bildhauer Christoph Finkel: Werkstatt und Atelier richtete er in seiner früheren Schule in Vorderhindelang ein

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Seine Arbeiten sind in Galerien von München, Stockholm, Seoul und Los Angeles zu sehen. Die teuersten werden mit bis zu 30 000 Euro gehandelt. Inzwischen hat der preisgekrönte Künstler in der alten Schule in Vorderhindelang, die er selbst noch als Bub besuchte, Werkstatt und Atelier eingerichtet. Für den früheren Weltranglisten-Fünften im Sportklettern und mehrjährigen Bundestrainer geht es auch als Bildhauer steil bergauf. Das war nicht immer so, erzählt er. „Bis ich als Künstler wirklich davon leben konnte, hat es 15 Jahre gedauert. Aber ähnlich wie im Sport habe ich immer alles gegeben und bin konsequent, ehrlich und leidenschaftlich meinen Weg gegangen.“ Der Holz-Weg, der im Volksmund ja kurioserweise für einen Irrweg steht, hat sich für Finkel als richtig erwiesen.

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Die Begeisterung fürs Holz wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater, Großvater und Urgroßvater arbeiteten als Wagner und Schlittenbauer. „Mich hat Holz immer fasziniert. Schon als Bub hab ich gern geschnitzt“, erinnert sich Finkel, der früher als Hirtenbub in seiner Heimat das Vieh hütete und immer einen starken Bezug zur Natur hatte.

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In seiner aktiven Zeit als Spitzenkletterer studierte er an der Nürnberger Kunstakademie Bildhauerei. „Ich bin ein Flaneur in beiden Welten“, sagt er schmunzelnd. Durch den Sport kam er weit herum in der Welt. „Das hat mich inspiriert und geprägt.“

Vom Holz lernt er noch immer

Seine Honorartätigkeiten als Bundestrainer oder Weltcup-Routenschrauber halfen ihm obendrein in seiner Anfangszeit als freischaffender Künstler. Auch seine schwedischen Frau Angelica, eine Top-Kletterin, die er bei einem Weltcup im französischen Chamonix kennenlernte, bestärkte ihn, alles auf eine Karte zu setzen und es als Holzkünstler zu probieren. „Ich habe zum Holz einfach einen Draht. Selbst nach vielen Jahren lerne ich bei jeder Arbeit immer wieder etwas Neues darüber. Das macht mich glücklich.“

Und als was sieht er sich heute? Als Sportler, Handwerker, Künstler? „Die Differenzierung ist eigentlich nicht relevant“, findet Christoph Finkel. „Das Werk bleibt immer gleich.“