Impfpannen in Aitrach und Ottobeuren

83-jährige Allgäuerin bekommt Impftermin - allerdings in Freiburg

Mathilde Sinodoru-Trautmann hat endlich einen Impftermin bekommen. Nur soll sie dafür bis nach Freiburg kommen.

Mathilde Sinodoru-Trautmann hat endlich einen Impftermin bekommen. Nur soll sie dafür bis nach Freiburg kommen.

Bild: Uwe Hirt

Mathilde Sinodoru-Trautmann hat endlich einen Impftermin bekommen. Nur soll sie dafür bis nach Freiburg kommen.

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Das wären über drei Stunden Fahrt. „Das ist ein schlechter Witz“, schimpft die 83-Jährige. Das Landratsamt greift ein, doch der Grund für die Panne ist unklar.
20.03.2021 | Stand: 10:10 Uhr

Am Telefon lacht sie zwar, aber eigentlich ist der 83-Jährigen der Spaß vergangen. Der Grund ist die Corona-Impfung. Denn da hat die Seniorin eine schier unglaubliche Geschichte erlebt.

Mathilde Sinodoru-Trautmann lebt in Aitrach nahe Memmingen. Die Gemeinde liegt im baden-württembergischen Landkreis Ravensburg. Ende Januar hatte die Seniorin den Entschluss gefasst, sich gegen Corona impfen zu lassen. Da sie kein Internet hat, griff sie zum Telefon und rief bei der zentralen Behördenhotline 116117 an, auf die immer wieder verwiesen wurde.

„Das dauerte Stunden, bis ich da überhaupt durch kam“, erinnert sich die Aitracherin. Gegen 22 Uhr habe sie dann endlich jemanden erreicht, sagt Sinodoru-Trautmann. Sie habe die Auskunft bekommen, dass man sie auf die Warteliste setze, weil es derzeit keinen freien Impftermin gebe.

Das nächstgelegene Impfzentrum wäre eigentlich in Ravensburg

Das nächstgelegene Impfzentrum befindet sich in Ravensburg. Aber bei der Vergabe des Termins hat es offensichtlich eine Panne gegeben. Denn jetzt bekam Mathilde Sinodoru-Trautmann einen Brief vom Zentralen Impfzentrum in Freiburg mit „persönlicher Einladung“: Sie solle am Sonntag, 21. März, dorthin zum Impfen kommen. Man habe die Daten der Aitracherin vom Sozialministerium in Stuttgart erhalten, sie habe sich auf die Warteliste für die Einrichtung im Breisgau setzen lassen.

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Von Aitrach aus fährt man jedoch schon mit dem Auto über drei Stunden nach Freiburg – mit dem Zug und dann auch noch an einem Sonntag deutlich länger. „Das ist ja wohl ein schlechter Witz, ich wollte doch ins Impfzentrum nach Ravensburg“, ärgert sich die Seniorin. „Ich kann da noch nicht einmal absagen – denn auf dem Brief steht keine Telefonnummer, nur eine Mail-Adresse.“ Und E-Mails verschickt die Aitracherin nicht.

Das Landratsamt eilt zur Hilfe

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Doch jetzt ist eine Lösung in Sicht. „In diesem Fall helfen wir“, heißt es aus dem Landratsamt Ravensburg auf Nachfrage unserer Zeitung. Man wolle sowohl mit der Seniorin als auch mit der Gemeinde Aitrach reden, damit diese die Frau unterstützt. Den Termin in Freiburg sagte das Landratsamt ab und hofft jetzt, dass die 83-Jährige bald in Ravensburg geimpft wird.

In Baden-Württemberg läuft die Vergabe des Impftermins zentral über Stuttgart ab. „Wir bieten dem Land alle offenen Termine zur Vergabe an, haben aber keinen Einfluss darauf“, heißt es beim Landratsamt Ravensburg. Im aktuellen Fall kann sich die Mitarbeiterin auch vorstellen, dass bei der telefonischen Anmeldung etwas falsch lief – und statt Ravensburg, wie von der Frau gewünscht, Freiburg registriert wurde.

Senioren standen vor verschlossenem Impfzentrum

Eine Impf-Panne erlebten eine 79-jährige Frau aus Ottobeuren und ihr über 80 Jahre alter Lebensgefährte. Die beiden fuhren am Montag, 15. März, zu ihrem Impftermin, den sie um 20.15 Uhr im Unterallgäuer Impfzentrum Bad Wörishofen hatten.

Dort fanden sie kurz vorher zwar den Parkplatz und das Gebäude hell beleuchtet vor, aber auch einen Zettel mit der Information „Der Impfbetrieb ist seit 13 Uhr eingestellt“ – und die Tür war abgeschlossen. Als sie enttäuscht nach Hause fahren wollten, war nun auch noch der Parkplatz zugesperrt. Ein Sicherheitsmann, den sie ausfindig machen konnten, hat ihnen immerhin aufgesperrt. Bisher haben sie keine Nachricht bekommen, warum der Termin platzte oder wann sie einen neuen Termin haben.

Hintergrund ist der Stopp des AstraZeneca-Impfstoffs an besagtem Montagmittag. „Ausschließlich der wäre an diesem Tag verimpft worden“, erklärt eine Sprecherin des Landratamtes. Für die Impfzentren in Bad Wörishofen und Memmingen hätte man insgesamt knapp 800 Termine absagen müssen. „Da kann es leider sein, dass wir nicht alle erreicht haben...“

Trotz des anfänglichen Unmuts über die Irrfahrt ist die 79-Jährige im Nachhinein „ganz froh, dass das schief gelaufen ist“. Denn sie habe schon einmal eine Thrombose gehabt und wolle nun sicherheitshalber einen anderen Impfstoff als den von AstraZeneca, der inzwischen mit solchen Risiken in Verbindung steht. „Wir hoffen, dass wir bald einen neuen Termin bekommen – mein Sohn hat uns übers Internet neu angemeldet“, blickt die Seniorin optimistisch nach vorne.

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