Umweltschutz im Allgäu

„In unseren Seen lagert tonnenweise Müll“: Füssener Markus Merk ist Abfalltaucher

Tonnenweise Müll haben die Abfalltaucher aus Österreich in den vergangenen Jahren aus Seen in Tirol geborgen.

Tonnenweise Müll haben die Abfalltaucher aus Österreich in den vergangenen Jahren aus Seen in Tirol geborgen.

Bild: Markus Merk

Tonnenweise Müll haben die Abfalltaucher aus Österreich in den vergangenen Jahren aus Seen in Tirol geborgen.

Bild: Markus Merk

Markus Merk aus Füssen säubert mit dem Verein der Abfalltaucher Tiroler Gewässer. Jetzt wollen sie auch im Allgäu loslegen.
26.07.2022 | Stand: 17:59 Uhr

Sanft kräuseln die Wellen auf dem Plansee. Das Sonnenlicht spiegelt sich im blau der Wasseroberfläche. Ein paar Schwimmer kühlen sich nach einem warmen Sommertag ab. Ein Stück heile Welt. Sollte man meinen. Markus Merk aus Füssen kennt den See von seiner anderen Seite. Er ging ihm schon mehrmals auf den Grund. Und hat dabei zentnerweise Müll und Dreck gefunden: „Man kann sich kaum vorstellen, was in unseren Seen alles herumliegt. Teppiche, Ölkanister, Autobatterien: Es ist erschreckend.“ Der 46-Jährige gehört dem Verein der österreichischen Umwelt- und Abfalltaucher an.

Abfalltaucher Markus Merk aus Füssen.
Abfalltaucher Markus Merk aus Füssen.
Bild: Verein der Abfalltaucher

Tiroler Abfalltaucher seit über zehn Jahren aktiv

Die zehnköpfige Truppe zieht sei über zehn Jahren Altlasten aus heimischen Gewässern und hat eigenen Angaben zufolge bereits über 25.000 Kilo Müll den Fluten entrissen. „Wenn es um die Verschmutzung von Gewässern geht, sind meistens die Meere gemeint. Doch wir sollten auch das Bewusstsein für die Seen vor unserer Haustüre schärfen“, sagt Merk.

Mit dem Verein um Gründer Dietmar Renn will er nun auch im Allgäu bei Landratsämtern und Gemeinden Sondergenehmigungen für Tauchgänge beantragen. Tauchen mit Atemgerät ist in bayerischen Seen grundsätzlich verboten. Das sei auch ein Grund, weshalb es keinen Umwelt- und Abfalltaucherverein im Freistaat gibt. Anders ist das in Österreich und in der Schweiz.

Dafür gibt es im Allgäu immer wieder Aktionen zu Uferreinigungen. So sammelten Helfer der Fischereivereine am Alpsee in Immenstadt bei der vorerst letzten Säuberung vor drei Jahren 20 Säcke voller Müll. „Das ist weniger als in früheren Zeiten. Das Bewusstsein scheint sich verbessert zu haben“, sagt Jürgen Häberle von den Stadtfischern Immenstadt.

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Was sich auf dem Seegrund befindet, ist in vielen Allgäuer Gewässern unklar

Was sich auf dem Seegrund befindet, ist in vielen Allgäuer Gewässern unklar. Markus Merk glaubt aufgrund seiner Erfahrung auf österreichischer Seite, dass Seen in Straßennähe besonders betroffen sind. „Hier wird der Müll teils einfach aus dem Auto ins Wasser geworfen“, mutmaßt er. Bei ihren Tauchgängen sammeln die Naturschützer Unrat am Seegrund auf und stapeln ihn auf ihrem Spezial-Boot, das vom Land Tirol finanziert wurde.

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Alle weiteren Kosten, beispielsweise die Entsorgung von Sondermüll, tragen sie auch dank Spenden selbst. Teils ist der Müll schon Jahrzehnte alt. „Noch bis in die 1960er Jahren haben sich Menschen nichts dabei gedacht, ihren Hausmüll im Winter auf den gefrorenen See zu stellen. Bei der Schmelze im Frühjahr sind dann selbst große Geräte, wie Kühlschränke, abgesoffen“, erklärt Renn.

Mit ihrer Arbeit fühlen sich die Abfalltaucher nicht überall willkommen: „Wenn wir da mit unserem elektrisch angetriebenen Müll-Tauch-Ponton ankommen, findet das nicht jede Gemeinde chic“, sagt Renn. Doch es gebe auch positive Beispiele. Zum Beispiel die Ferienregion Tannheimer Tal, wo die Abfalltaucher bei drei Tauch-Aktionen in den vergangenen Jahren fast 840 Kilogramm Müll aus dem beliebten Vilsalpsee zogen.

Diese kuriosen Funde machen Tauchteams am Bodensee

Ganz andere Dimensionen tun sich am Bodensee auf. Zu den kuriosen Fundstücken des Tauchteams Bodensee mit Sitz in Herbertingen (Baden-Württemberg) gehören ein Tresor, Munition, Verkehrsschilder, ein Brunnen, Geldbeutel, eine alte Lore und Autos. Allein vor Meersburg liegen laut den Taucher drei Autowracks.

Man erzählt sich, dass sie aus einer ehemaligen Werkstatt stammen. Der Besitzer habe die Fahrzeuge nach der Schließung einfach im See entsorgt. Zudem werden Hunderte Wracks - vom Tretboot bis zum Fährschiff - auf dem Grund vermutet. Dazu zählt auch das Europas berühmtestes Süßwasser-Schiffswrack. das 1864 gesunkene Dampfschiff "Jura".

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