Reutte

15. Ausgabe des Jahrbuches Extra Verren: Sah ein Pfarrer seinen Tod voraus?

Dieser Grenzstein bei der Ruine Eisenberg ist einer der elf „Malefizsteine“ aus dem Jahr 1528. Das „SA“ steht dabei für „Stift Augsburg“.

Dieser Grenzstein bei der Ruine Eisenberg ist einer der elf „Malefizsteine“ aus dem Jahr 1528. Das „SA“ steht dabei für „Stift Augsburg“.

Bild: Klaus Wankmiller

Dieser Grenzstein bei der Ruine Eisenberg ist einer der elf „Malefizsteine“ aus dem Jahr 1528. Das „SA“ steht dabei für „Stift Augsburg“.

Bild: Klaus Wankmiller

Historische Einblicke liefert das Buch Extra Verren des Museumsvereins in Reutte. Neue Erkenntnisse zur Via Claudia Augusta und der Vorahnung eines Geistlichen.
14.04.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Reutte Bereits zum 15. Mal ist das historische und kunsthistorische Jahrbuch Extra Verren des Museumsvereins des Bezirks Reutte erschienen. In acht Beiträgen werden auf 176 Seiten Spuren der Vergangenheit dokumentiert und neue Erkenntnisse beiderseits der Grenzen vorgestellt – dabei gibt es viel Interessantes zu entdecken.

Via Claudia Augusta: Neue spektakuläre Funde

Obwohl über die römische Staatsstraße Via Claudia Augusta in ihrer 2000-jährigen Geschichte schon sehr viel publiziert wurde, gibt es immer wieder spektakuläre Funde entlang der historischen Trasse. So hat die Archäologin Barbara Kainrath zusammen mit Stefan Pircher einen Überblick über die Ausgrabungen bei Dormitz gemacht. Auf den dortigen Feldern konnten über 400 Metallfunde aus dem 1. bis 4. Jahrhundert nach Christus geborgen werden, darunter 176 Münzen. Besonders eindrucksvoll ist eine Schlangenfibel aus der Bronzezeit. Auf einer zweiten Fundstelle in der Nähe des Gasthofs Kreuz lokalisierte man Pfostenbauten von römischen Häusern. Dort konnte man 16 Fibeln und 73 Münzen ausfindig machen, die von Kaiser Claudius bis in die Spätantike reichen.

Für Aufsehen hat das Entschlüsseln des Spruchbands am Goldenen Dachl in Innsbruck gesorgt. In detektivischer Kleinarbeit hat Erhard Maroschek aus Lermoos dieses Rätsel gelöst. Die Buchstaben der Geheimschrift sind in der Schrittfolge eines Tanzes zu lesen. So entsteht ein Zitat aus dem Johannesevangelium: „Ich bin das Licht der Welt“. Bemerkenswert ist eine Darstellung von Friedrich III. mit einer Narrenkappe.

Thomas Pfundner publiziert schon seit vielen Jahren historische Grenzverläufe. In der diesjährigen Ausgabe gibt er als Originalquelle einen Vertrag aus dem Jahr 1581/82 heraus, der auch heute noch für die Geschichte des Allgäus und des Außerferns von Bedeutung ist. Die Vereinbarung regelt den Grenzverlauf des Erzherzogtums Tirol mit dem Hochstift Augsburg. Geklärt werden damit auch die Nutzungsrechte der Pfrontener Bürger und das Fischrecht an Ach und Vils. Zudem werden die elf „Malefizsteine“ und die Hochgerichtsbarkeit zur Herrschaft Hohenfreyberg aufgezeigt.

Kapelle in Hertingen: Fehlgeschlagene Kanonenkugel der Franzosen

Peter Linser nimmt die Leser mit auf eine Reise in die französische Besatzungszeit um 1800. So gab es zwischen den beiden Lechseiten eine Grenze, die damals streng kontrolliert wurde. Vieles erinnert an die derzeitigen Grenzkontrollen wegen der Corona-Pandemie. Denkmäler mit fehlgeschlagenen Kanonenkugeln der Franzosen findet man beispielsweise in der Kapelle in Hertingen oder in der Reichenstraße in Füssen.

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Endlich konnte Licht in die Familiengeschichte des aus Reutte stammenden Malers Johann Christoph Haas gebracht werden, was anhand der Kirchenbücher von Hallein, Breitenwang und Schwäbisch-Gmünd dokumentiert werden konnte. Der Vater des Malers stammte aus einer Lehrerdynastie. Als Kaufmann kam er ins Außerfern und heiratete in Breitenwang Anna Maria Schmizer.

Ergreifend ist ein Beleg des damaligen Pfarrers Johann Holzmann vom 6. März 1737: Am Ende eines Sterbeeintrags schrieb er die Worte „Hodie mihi, cras tibi“ – „Heute mir, morgen dir!“ Hatte er seinen Tod vorausgeahnt? Einen Tag später vermerkte ein anderer Geistlicher den Tod von Pfarrer Holzmann. Eine völlig neue Erkenntnis ist, dass bei allen Taufen der mütterlichen Vorfahren der Maler Paul Zeiller oder dessen Frau Anna Zeiller Paten waren. Kein Wunder, dass Haas in dieser Malerdynastie seine ersten Erfahrungen mit Pinsel und Palette machte.

Viele neue Erkenntnisse

Nach den Ölgemälden von Joseph Anton Koch in der vorherigen Ausgabe des Jahrbuchs werden nun auch alle Fresken dieses genialen klassizistischen Malers dargestellt. Leider sind viele Skizzen seit dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Dazu ergänzt Erich Printschler die Argonautensage, eine vollständig erhaltene Druckgrafik im Museum im Grünen Haus in Reutte. Zwei Buchbesprechungen von Sonja Kofelenz über Kaiser Maximilian I. beziehungsweise dem Wirken Pfrontener Bildhauer im Außerfern, sowie ein Orts- und Personenregister runden diese Ausgabe ab, die viele neue Erkenntnisse zur Heimatgeschichte der Region liefert.

Interessierte können das Jahrbuch für 16 Euro (zuzüglich Versandkosten) auf der Homepage des Museums in Reutte bestellen: www.museum-reutte.at