Vor Gericht

20-jähriger rastet in Füssen aus und wird in Paris verhaftet

Weil er unter Alkoholeinfluss zum wiederholten Mal randalierte, schickt das Jugendschöffengericht einen aus Afghanistan stammenden 20-Jährigen jetzt in Haft.

Weil er unter Alkoholeinfluss zum wiederholten Mal randalierte, schickt das Jugendschöffengericht einen aus Afghanistan stammenden 20-Jährigen jetzt in Haft.

Bild: David-Wolfgang Ebener, dpa (Symbolbild)

Weil er unter Alkoholeinfluss zum wiederholten Mal randalierte, schickt das Jugendschöffengericht einen aus Afghanistan stammenden 20-Jährigen jetzt in Haft.

Bild: David-Wolfgang Ebener, dpa (Symbolbild)

Der vorbestrafter Jugendliche bespuckt eine 17-Jährige und randaliert gegen Polizisten. Wie das Jugendschöffengericht Kaufbeuren den Fall sieht.
10.02.2021 | Stand: 11:48 Uhr

Nur sechs Tage nachdem ihm das Kaufbeurer Jugendschöffengericht in einem Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung eine Bewährungschance gegeben hatte, wurde ein damals 20-Jähriger im Juni 2019 erneut straffällig. Er rastete in Füssen gegenüber drei jungen Leuten aus, die ihm helfen wollten, als er betrunken auf einer Parkbank lag. Sein Auftritt gipfelte darin, dass er einem 17-jährigen Mädchen ins Gesicht spuckte. Als die Polizei erschien, war er weiter renitent und wurde sicherheitshalber in Gewahrsam genommen. Zuvor hatte er noch versucht, neun Gramm Marihuana verschwinden zu lassen.

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Der Strafprozess wegen dieser Taten konnte erst jetzt stattfinden, weil der aus Afghanistan stammende Angeklagte zwischenzeitlich untergetaucht war. Er wurde mit einem internationalen Haftbefehl gesucht und im November 2020 in Paris festgenommen. Seit seiner Auslieferung befindet er sich in Untersuchungshaft.

Vorbelastung durch Flucht

Der Verteidiger verwies jetzt im Plädoyer darauf, dass sein Mandant durch die mehrwöchige Inhaftierung nachhaltig beeindruckt sei, und hielt eine Bewährungsstrafe für vertretbar. Zwar stellten auch die Staatsanwältin und das Gericht die U-Haft und die „erheblichen Vorbelastungen“ durch die Flucht aus der Heimat in Rechnung. Für sie kam eine Bewährung aber nicht mehr in Frage.

Der Angeklagte, dessen frühere Bewährung schon seit längerem widerrufen ist, wurde jetzt unter Einbeziehung der sieben Monate aus dem zurückliegenden Urteil zu einem Jahr und acht Monaten Jugendhaft verurteilt. Im Einzelnen erfolgte der Schuldspruch wegen Beleidigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Wegen Fluchtgefahr bleibt der Angeklagte weiterhin in U-Haft.

Wegen Alkoholisierung keine Erinnerung

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Zum Prozessauftakt hatte der junge Mann seinen Ausraster bedauert und sich mehrfach entschuldigt. Eine genaue Erinnerung an den den Vorfall hatte er nicht – was wohl mit seinem damaligen Zustand zusammenhing. Ein Alkoholtest der Polizei hatte einen Wert von rund 1,8 Promille ergeben. Der Angeklagte hatte am fraglichen Tag nach eigenen Angaben etwa eine Flasche Wodka getrunken und sich dann auf einer Parkbank hingelegt.

Als sich drei zufällig vorbeikommende junge Leute vergewissern wollten, dass es ihm gut ging, wurde er aggressiv und spuckte schließlich einem Mädchen ins Gesicht. Außerdem beschimpfte er die 17-Jährige als „Schlampe“. Wie sie sich jetzt als Zeugin vor Gericht erinnerte, habe sich der junge Mann dann wieder beruhigt und ihnen angeboten, mit ihm einen „Joint“ zu rauchen. Als sie und ihre Begleiter dies ablehnten, sei er erneut ausgerastet. Daraufhin habe sie die Polizei angerufen. Als dann eine Streifenbesatzung vor Ort erschien, verschwand der junge Mann kurz hinter einem Baum und warf einen Plastikbeutel weg, der rund neun Gramm Marihuana enthielt.

Vier Polizisten bändigen ihn

Auch gegenüber den Polizisten war der 20-Jährige zunehmend aggressiv und beleidigend und wollte sich trotz guten Zuredens nicht beruhigen. Schließlich beschlossen die Beamten, ihn zum Ausnüchtern mit auf die Wache zu nehmen, wo er weiter renitent war. Es brauchte schließlich vier Polizisten, um ihn zu bändigen.