Geschichte

Als Wittelsbacher und Habsburger in Füssen Frieden schlossen

Referent Dr. Lothar Schilling (links) und Bürgermeister Maximilian Eichstetter vor dem Bild, das den Friedensschluss von Füssen im Jahr 1745 darstellt. Gemalt hat es Johann Jakob Geisenhoff, der Sohn des Postwirtes. Er wurde später Bürgermeister von Füssen.

Referent Dr. Lothar Schilling (links) und Bürgermeister Maximilian Eichstetter vor dem Bild, das den Friedensschluss von Füssen im Jahr 1745 darstellt. Gemalt hat es Johann Jakob Geisenhoff, der Sohn des Postwirtes. Er wurde später Bürgermeister von Füssen.

Bild: Klaus Wankmiller

Referent Dr. Lothar Schilling (links) und Bürgermeister Maximilian Eichstetter vor dem Bild, das den Friedensschluss von Füssen im Jahr 1745 darstellt. Gemalt hat es Johann Jakob Geisenhoff, der Sohn des Postwirtes. Er wurde später Bürgermeister von Füssen.

Bild: Klaus Wankmiller

Vortrag: In der neutralen Stadt am Lech fanden die beiden konkurrierenden Adelshäuser vor 275 Jahren zu einer Einigung
03.11.2020 | Stand: 11:45 Uhr

Vor 275 Jahren wurde in Füssen Geschichte geschrieben. Dies bestätigte ein Vortrag über den Frieden von Füssen, der am 22. April 1745 im 1968 abgerissenen Gasthof „Zur alten Post“ in der Reichenstraße geschlossen wurde. Als Referent hatte Museumsleiter Dr. Anton Englert den an der Universität Augsburg tätigen Professor Dr. Lothar Schilling gewonnen. Er erläuterte kurzweilig auch die Vorgeschichte und die Auswirkungen des Friedensschlusses. Gedenktage in der Öffentlichkeit zu feiern sind für Schilling wichtig, da diese einen Beitrag für die historische Wissensvermittlung leisten und andererseits oft einen Anstoß für weitere Forschungen geben.

Bedeutsam - auch ohne territoriale Veränderungen

Der Frieden von Füssen ist in der Breite sicher weniger bekannt als andere Vereinbarungen nach Kriegen. Er brachte keine territorialen Veränderungen und stellte den Zustand vor dem Krieg wieder her. Dennoch war er für das Verhältnis zwischen den Habsburgern und den Wittelsbachern von großer Bedeutung. Bereits im Mittelalter konkurrierten die beiden Herrscherhäuser. Durch das „Privilegium maius“, eine geschickte Urkundenfälschung, erwarb sich das Haus Habsburg Sonderrechte und stieg zum wichtigen Kaiserhaus auf. Die Wittelsbacher versuchten bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert die Königswürde in Spanien zu erwerben, was aber durch den frühen Tod des bayerischen Kandidaten Josef Ferdinand zunichtegemacht wurde. Nicht nur die Habsburger, sondern auch die Wittelsbacher versuchten durch eine geschickte Heiratspolitik, ihr Machtstreben zu erweitern. So verheiratete der bayerische Kurfürst Max Emanuel 1722 seinen Sohn Karl Albrecht mit der österreichischen Erzherzogin Maria Amalia. Da der Habsburgerkaiser Karl VI. keine männlichen Nachkommen hatte, scharten sich die Anwärter für dessen Nachfolge. „Es war eine Katastrophe mit Ansage“, schmunzelte Schilling. Der Habsburgerkaiser Karl VI. wollte sein Erbe zugunsten seiner Tochter Maria Theresia mit einem geheimen Hausvertrag (1703) und die Pragmatischen Sanktionen (1713) regeln. Dies gelang jedoch nicht.

Vom glücklichen Kurfürsten zum unglücklichen Kaiser

„Karl Albrecht regierte seit 1726 als guter Kurfürst in einer Friedenszeit“, erläuterte Schilling. „Das ökonomisch rückständige Bayern blühte im Rokoko auf“. Mit dem Tod des Habsburgerkaisers stellte nun der bayerische Kurfürst den Anspruch auf dessen Nachfolge. Tatsächlich wurde er 1742 einstimmig zum Kaiser gewählt und in Frankfurt am Main gekrönt. Doch Maria Theresia gab nicht auf. Österreichische Truppen zogen in Bayern ein und besetzten München. So hatte der Kaiser kein Land. „Aus dem glücklichen Kurfürsten ist ein unglücklicher Kaiser geworden“, resümierte Schilling. Überraschend starb Kaiser Karl VII. am 20. Januar 1745. Sein erst 17 Jahre alter Sohn Max III. Joseph suchte auf Drängen seiner Berater um einen schnellen Frieden. Als Verhandlungsort wählte man Füssen, das im Besitz des Augsburger Fürstbischofs lag und als neutral galt.

Gemälde erinnert an historischen Akt

Am 22. April 1745 war der Frieden von Füssen durch die Unterhändler unterzeichnet. An dieses Ereignis erinnert ein Gemälde von Johann Jakob Geisenhoff im Museum der Stadt. Bayern musste keine Territorien abgeben, allerdings auf alle Erbansprüche an das Haus Österreich verzichten. Schilling sieht folgende Bedeutung dieses Füssener Friedensvertrags: „Der Ausgleich der beiden Häuser läutete eine lange Friedenszeit ein, in der Bayern aufblühen konnte.“ In den folgenden Jahrzehnten führte dies zu einem Ende des habsburgisch-französischen Gegensatzes und zu einer Vormachtstellung Preußens, die schließlich zur Gründung des Deutschen Reichs führte.

Erinnerungsstätte oder Gedenktafel sollen entstehen

Sichtlich begeistert von diesen Ausführungen zeigten sich auch Bürgermeister Maximilian Eichstetter und Altbürgermeister Dr. Paul Wengert. Beide wollen sich dafür einsetzen, dass es bald wieder eine Erinnerungsstätte oder Gedenktafel an dieses historische Ereignis gibt.