Corona-Impfung

"An Vernunft appellieren": Ostallgäuer Poliogeschädigte ruft zur Corona-Impfung auf

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, unsere Erfahrungen weiter zu geben“, sagt Bärbel Sieber. Sie plädiert dafür, sich impfen zu lassen.

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, unsere Erfahrungen weiter zu geben“, sagt Bärbel Sieber. Sie plädiert dafür, sich impfen zu lassen.

Bild: Werner Hacker

„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, unsere Erfahrungen weiter zu geben“, sagt Bärbel Sieber. Sie plädiert dafür, sich impfen zu lassen.

Bild: Werner Hacker

Bärbel Sieber ist Sprecherin der Regionalgruppe der Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmungsfolgen. Warum sie für eine Impfung gegen Corona ist.
„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, unsere Erfahrungen weiter zu geben“, sagt Bärbel Sieber. Sie plädiert dafür, sich impfen zu lassen.
Von Werner Hacker
12.02.2021 | Stand: 11:36 Uhr

Bärbel Sieber gehört zu den gesundheitlich geschädigten Personen durch Polio. Sie ist Mitglied der Gruppe der Interessengemeinschaft von Personen mit Kinderlähmungsfolgen und vertritt als Sprecherin die Regionalgrupe Allgäu im Bundesverband Poliomyelitis - kurz Polio. Die Füssenerin sieht Parallelen zum damaligen Polio- und heutigen Corona-Impfverfahren. Sieber hält es „für ein Gebot der Vernunft, sich impfen zu lassen“. Sie meint: Einen anderen Ausweg aus der Pandemie werde es nicht geben.

Ehemann Manfred teilt diese Meinung. Er ist der Schriftführer dieser Allgäuer Interessengemeinschaft, die damit voll und ganz auf der Linie des 1991 in Augsburg gegründeten Vereins liegt. Der Landesverband Bayern macht sich unter anderem dafür stark, die Poliogeschädigten Personen so einzustufen, dass sie „zur höchsten Priorität“ zählen sollten.

Sieber erklärt: „Der Verband, den ich auf regionaler Ebene vertrete, hat einen medizinischen Beirat. Diesem Beirat gehört auch Dr. med. Peter Brauer an. Bei einer Videokonferenz sprach sich Brauer dafür aus, dass Poliobetroffene-Personen sich unbedingt impfen lassen sollen. Ich hoffe, dass wir einen vorgezogenen Impftermin bekommen. Wir warten auf die Entscheidung des Bundesministeriums.“

Corona-Impfung: "An die Vernunft appellieren"

Auf Nachfrage erläutert Sieber im Rückblick: „Zu der Zeit, als es die Kinderlähmung gab, wurde durch die Impfung - das war die Schluckimpfung - erfolgreich gegen das Polio-Virus vorgegangen. Sich impfen zu lassen, war damals Pflicht. Dadurch wurde die Erkrankung eingedämmt.“ Ähnlich stelle sich die Aufgabe im Gesundheitsschutz jetzt. „Nur durch Impfen kann das neue Virus bekämpft werden. Man kann nur an die Vernunft der Mitmenschen appellieren, sich impfen zu lassen.“ Sieber ergänzt: „Das muss nicht wie früher zur Pflicht werden.“ Sie verstehe durchaus, dass nicht jeder dazu bereit sei, sich piksen zu lassen, „zumal es sich hier um neue Impfstoffe handelt“.

Ihr Mann unterstreicht die gemeinsame Position, indem er aufs Internet hinweist, wo bekanntlich zum Thema Impfen Gerüchte und Lügen verbreitet werden. „Wer sich seriöse Informationen holt, wird zum Schluss kommen: Impfen dient zum Schutz. Das ist unsere Meinung.“ Gegenüber unserer Zeitung versicherte die Allgäuer Sprecherin der Polio-betroffenen Personen: „Wir haben uns gründlich informiert. Unser Verband hat Fachleute, die ohne Wenn und Aber dazu raten, sich impfen zu lassen. Man muss doch sehen: Wer sich impfen lässt, schützt sich selber und andere damit auch.“

Hintergrund: Erfolgreiches Impfen schon in den 1960er Jahren

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„Europa ist poliofrei. Die Welt ist es nicht“

1961 starben an der Kinderlähmung in Deutschland noch 360 Menschen. „Dank der Anfang der 1960er Jahre einsetzenden Massenimpfungen gehören solche Nachrichten hierzulande der Vergangenheit an“, so der Polio-Bundesverband in einem Flyer. Für die 60.000 noch lebenden Poliobetroffenen in Deutschland ist das Thema allerdings noch sehr aktuell. Denn noch nach Jahrzehnten kann ein Problem auftreten: das Post-Polio-Syndrom (PPS).

In Marktoberdorf wurde die regionale Polioselbsthilfegruppe gegründet

In Marktoberdorf gründeten davon betroffene Personen - darunter auf Gehhilfen angewiesene Personen mit Handicap - im Jahr 2000 eine regionale Polioselbsthilfegruppe. Die Gründer kamen aus dem Ost- und Oberallgäu. Mittlerweile wird das gesamte Allgäu betreut.

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