Kunst

Ausstellung am Hofensee: Farbtupfen auf weißen Klinikwänden

Ausstellung Enzensberg

Robert Wilhelm in seinem Atelier im Magnuspark in Füssen, den ehemaligen Hanfwerken: Hier entstehen künstlerische Auftragsarbeiten und Werke freier Kunst, wie sie Wilhelm derzeit in der Fachklinik Enzensberg zeigt.

Bild: Werner Hacker

Robert Wilhelm in seinem Atelier im Magnuspark in Füssen, den ehemaligen Hanfwerken: Hier entstehen künstlerische Auftragsarbeiten und Werke freier Kunst, wie sie Wilhelm derzeit in der Fachklinik Enzensberg zeigt.

Bild: Werner Hacker

Der überregional bekannte Füssener Künstler Robert Wilhelm zeigte Arbeiten am Enzensberg. Warum vorerst nur Mitarbeitern und Patienten sie bewundern können.
02.04.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Robert Wilhelm stellt in der Fachklinik Enzensberg in Hopfen am See aus. Wieder mal bietet sich eine Gelegenheit, den abstrakten Gemälden des längst überregional bekannten Künstlers mit Atelier im Füssener Magnuspark sozusagen direkt vor der Haustür zu begegnen. Mit Spraydosen gastierte er schon in Paris, um eine riesige Mauer als Blickfang umzugestalten. Aufzuzählen, wo Wilhelm mit seiner Graffiti-Kunst schon überall vertreten ist, würde hier den Rahmen sprengen – konzentrieren wir uns folglich allein darauf, was er den Betrachtern in der immer ansprechenden Ausstellungsserie „Kunst in der Klinik“ (KiK) in Hopfen am See anbietet, um deren Fantasie zu beflügeln.

Fünf neue Bilder für die Schau

„Die freundliche Einladung, auf dem Enzensberg in der Galerie auszustellen, hat mich sehr gefreut“, sagt Wilhelm. Eigens für diese Ausstellung habe er fünf neue Bilder geschaffen. Die Schau ist – verglichen mit der 2017 präsentierten großen Wilhelm-Ausstellung im Unternehmen Endress+Hauser in Nesselwang – ziemlich klein, kann aber durch die Werkauswahl einen ersten, guten Zugang in Wilhelms Kunstwelt bieten. Den professionellen Künstler auf dem Weg weiter zu verfolgen oder eben kennenzulernen, ist derzeit das Privileg der Klinikmitarbeiter und Patienten. Die Schau soll allerdings für diese Gruppe nicht exklusiv bleiben. Weil Wilhelm seine Werke drei Monate in der Fachklinik zeigen wird, wird sich die Tür für Besucher wieder öffnen, wenn die Ausstellung noch läuft. „Das ist hoffentlich bald“, hofft Christine Spengler, die mit der Abteilung „Kunst und Freizeit“ seit Jahren der Kunst – vornehmlich der regionalen Szene – ein Forum bietet. Dass leere weiße Wände der Fachklinik durch nicht nur dekorative Gemälde farbenfroh belebt worden sind, hat alle begeistert, die ihren Weg durch die Galerie nehmen. Man bleibt angesichts der neu gehängten Bilder im Gang stehen und genießt die veränderte Stimmung, bevor es zur nächsten Therapie geht. Spenglers Beobachtungen werden ergänzt, indem Wilhelm berichtet: „Ich bin sehr oft angesprochen, als wir die Ausstellung hier vorbereiten konnten.“

Mit Zeichnungen, die meist mit einer Linie ohne Absetzen des Stiftes von Wilhelm angefertigt werden, kann der aus Heidelberg stammende und in Mannheim als Grafikdesigner ausgebildete Künstler beim Betrachter immer punkten. In seiner Malerei entstehe ein „Zusammenspiel zwischen grafischen und malerischen Oberflächen, um optische Verwirrung zu erzeugen und die Art und Weise widerzuspiegeln, wie unser wirkliches und digitales Leben miteinander verschmelzen“, erläutert das Beiblatt zur Ausstellung.

Auftrag für „Schwanen“ in Arbeit

Wilhelm ist Jahrgang 1977. Bekannt wurde er als Sprayer. Längst hat er seine künstlerische Palette über die zu Beginn seinen Stil charakterisierenden Figuren „Smurfnobs“ hinaus erweitert. Eine markante Ansicht von Füssen ist die Auftragsarbeit für die unter neuer Leitung stehende Altstadtgaststätte „Schwanen“, an der Wilhelm derzeit arbeitet. Von Anfang an war es Wilhelm wichtig, dass seine Kunst öffentlich wirken kann: auf ehemals nackten Gemäuern, in Galerien, Gaststätten, Schulen und Firmen.