Ausstellung

Wie die Allgäuer Lederhose wurde, was sie heute ist

Farbenfroh und mit großer Liebe zum Detail: So präsentiert sich die Trachten-Ausstellung „Sehnsucht nach Heimat“ im Füssener Stadtmuseum.

Farbenfroh und mit großer Liebe zum Detail: So präsentiert sich die Trachten-Ausstellung „Sehnsucht nach Heimat“ im Füssener Stadtmuseum.

Bild: Benedikt Siegert

Farbenfroh und mit großer Liebe zum Detail: So präsentiert sich die Trachten-Ausstellung „Sehnsucht nach Heimat“ im Füssener Stadtmuseum.

Bild: Benedikt Siegert

Die neue Ausstellung zur Trachtenkultur im Füssener Land ist eröffnet. Bis Februar können Besucher erleben, wie sich Brauchtum und Tracht im Allgäu entwickelten
30.07.2021 | Stand: 18:21 Uhr

Sie gehört zu Bayern wie das Bier, Neuschwanstein oder das Oktoberfest: die Lederhose. Doch dass es die Hirschlederne mit ihrer typischen Maserung noch gar nicht so lange gibt, wissen viele nicht. Sie ist nämlich vorwiegend ein Produkt der vergangenen 120 Jahre. Überrascht? Kein Grund zur Schande, denn das war so mancher, der am Donnerstag zum ersten Mal durch eine neue Ausstellung im Füssener Stadtmuseum schlenderte.

Die Ursprünge der Allgäuer Lederhose gehen ins 20. Jahrhundert zurück

Sie trägt den treffenden Namen „Sehnsucht nach Heimat“ und hat besonders die Trachtenkultur im Füssener Land im Blick. Initiiert hat sie der Neuschwanstoaner-Trachtler-Chef Richard Hartmann. Stolz führte er jetzt die ersten Besucher durch die Schau. „Da stecken drei Jahre Arbeit drin“, sagte Hartmann. Und er erntete viel Lob für sein Projekt, das mit den Anfängen des Trachtlerwesens im 20. Jahrhundert beginnt und mit den Herausforderungen für Brauchtum und Dialekt in einer globalisierten Welt endet. (Lesen Sie auch: Warum heißt das Allgäu eigentlich Allgäu? Woher der Name unserer Region stammt)

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Wie die Lederhose wurde, was sie heute ist: Neue Trachtenausstellung in Füssen

Neue Ausstellung zur Tracht im Allgäu ist in Füssen eröffnet worden

Schon mit ihrem Titel spreche die Ausstellung dabei ein wichtiges und mehr denn je, aktuelles Thema an: „Heimat ist nämlich ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen“, sagte der stellvertretende Bezirkstagspräsident Alfons Weber (CSU). Besonders hob er hervor, dass die Schau bewusst auf Klischees verzichte und stattdessen versuche, alle Facetten der Tracht und ihrer Geschichte im Füssener Land aufzugreifen. Und das tut sie in der Tat. Beginnt sie doch im Zeitalter der Industrialisierung und zeigt, welchen Einfluss die Hanfwerke und der Zuzug neuer Arbeitskräfte auf Heimat- und Trachtenkultur hatten.

Auch der Einfluss des Prinzregenten, der in Lederhose und Lodenmantel in seine Allgäuer Jagdreviere aufbrach, wird dabei verdeutlicht. Der Wittelsbacher hatte sich wie seine Standesgenossen eingesetzt, dass die als Arbeitskleidung ausgemusterte Hirschlederne nicht verschwindet. (Lesen Sie auch: Gibt es zu wenig Allgäuer Dialekt beim Bayerischen Rundfunk?)

Noch bis Februar ist die Ausstellung "Sehnsucht nach Heimat" zur Tracht im Allgäu zu sehen

Ein musikalisches Schmankerl wartet auf die Ausstellungsbesucher im Kolloquium des Stadtmuseums. Dort ist ein ganzer Raum den Trachtenbesonderheiten der Neuschwanstoaner, der Falkenstoaner Weißensee und den Burg-Hopfenern gewidmet. Passend dazu erklingen wahlweise die Vereinshymnen. Nach dem Auftakt an diesem Wochenende mit umfangreichem Rahmenprogramm ist die Ausstellung „Sehnsucht nach Heimat“ noch bis 27. Februar 2022 zu sehen.

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