Kippen, Eisbecher und Windeln

Saubermann Matthias Köpf in Füssen: "Es gibt nichts, was ich nicht finde"

FU Müll

Matthias Köpf ist einer der Männer des Bauhofs, die Füssen von Schmutz und Müll befreien. Täglich fährt er die Innenstadt mit seinem Wagen ab. Trotz üblem Geruch und nie endender Auftragslage, tut er es mit Freude.

Bild: Marina Kraut

Matthias Köpf ist einer der Männer des Bauhofs, die Füssen von Schmutz und Müll befreien. Täglich fährt er die Innenstadt mit seinem Wagen ab. Trotz üblem Geruch und nie endender Auftragslage, tut er es mit Freude.

Bild: Marina Kraut

Jeden Sommer das gleiche Spiel: Füssen kämpft mit vollen Mülleimern. Der Bauhof wert sich seit langem. Unterwegs mit Matthias Köpf, dem Saubermann der Stadt.
10.08.2021 | Stand: 12:02 Uhr

Windeln, Zigarettenkippen, Fahrradschläuche- und Helme, Regenschirme, To-Go-Becher, Kassenzettel, eine Digitalkamera, Hausmüll und – ein Schlauchboot. Die Liste der Dinge, die in den öffentlichen Mülleimern in Füssen weggeschmissen werden, ist endlos. „Es gibt nichts, was ich nicht finde,“ sagt Matthias Köpf. Er befreit die Innenstadt täglich von weggeworfenem Abfall. Köpf ist unterwegs auf einer Mission: Unterwegs für ein sauberes Füssen, wie auf seinem Müllwagen steht.

Der Bauhof hat es sich seit Jahren zur Aufgabe gemacht, Füssen von Müll zu befreien. Insgesamt vier Mitarbeiter kümmern sich um die Sauberkeit der Stadt und an Hot–Spots wie dem Hopfensee. Einer der Mitarbeiter ist der 51-jährige Köpf. Er ist zuständig für das Herz der Stadt.

Müll in der Stadt Füssen - täglich grüßt das Murmeltier

Wenn Köpf morgens um sieben die überquellenden Mülleimer in der Reichenstraße ansteuert, bietet sich ihm immer dasselbe Bild: ein leicht säuerlicher Geruch, Asche auf den Rändern der Behälter, Kippen am Boden. Köpf nimmt das gelassen hin, er liebt seinen Beruf.

An diesem Vormittag zieht er einen Regenschirm aus dem Müll. „Der funktioniert noch einwandfrei“, sagt er. In den nächsten 15 Eimern wird er noch zwei weitere, gut erhaltene Schirme entdecken. Vergraben unter angebissenem Leberkäs, Eisbechern und Pappkartone.

Wo ein Mülleimer nicht mehr ausreicht, stehen zwei. Kippen landen selten im Müll - eher daneben, darauf oder zwischen den Steinen des Kopfsteinpflasters.
Wo ein Mülleimer nicht mehr ausreicht, stehen zwei. Kippen landen selten im Müll - eher daneben, darauf oder zwischen den Steinen des Kopfsteinpflasters.
Bild: Marina Kraut

Zehn Tonnen Müll werden jeden Monat vom Füssener Bauhof gesammelt. Aufgeklaubt und hineingepresst in zwei oder drei Container. „Zählt man den Hopfensee mit dazu, dann kommen wir auf fast zwölf Tonnen“, erklärt Uwe Fuchs, Leiter des Bauhofs. Für Fuchs ist das Gewicht nicht allzu hoch. Bedenke man jedoch, wie viel Kleinstmüll man braucht, um dieses Gewicht zusammen zu bekommen, dann sei es Wahnsinn.

Wann gibt es am meisten Müll?

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Köpf sagt, die Menge an Müll ist wetterabhängig. Er muss es wissen, schließlich geht er seit 2013 seine Runde. Besonders viel Müll gibt es nicht an sonnigen Tagen, sondern an bewölkten, weniger schönen. Denn dann lockt es mehr Menschen in die Stadt. Wenn Köpf nicht gerade Tonnen leert, grüßt er vorbeischlendernde Passanten: „Hallo und einen schönen Tag.“ Er ist bekannt in Füssen, das weiß der 51-Jährige. „Wer kennt mich nicht?“

Matthias Köpf in vollem Einsatz für die Sauberkeit.
Matthias Köpf in vollem Einsatz für die Sauberkeit.
Bild: Marina Kraut

Den vielen Menschen zu begegnen, das sei es auch, was ihm an seinem Job so Spaß macht. Seine Runde in der Innenstadt dreht er täglich etwa fünf Mal. Dabei quert er den Hot-Spot Reichenstraße, geht bis zum Morisseparkplatz und auch zum Kino. Immer mit dabei hat er seine graue Box. Der Inhalt hilft ihm, Kontakte zu knüpfen.

„Ein Problem sind oft die Pizzaschachteln“, erklärt Fuchs. Werden sie in die öffentlichen Tonnen gestopft, dann bleiben sie weit oben hängen. Anderer Müll passt dann kaum noch in die Eimer, er landet daneben. Aus diesem Grund hat der Bauhof einen „Pizzaschachtel–Mülleimer“ entwickelt. Eine Box mit den perfekten Maßen, um die Schachteln zu sammeln. Aufgebaut sind sie bisher nur an der Uferpromenade am Hopfensee. Es ist ein Test. „Bisher funktioniert es wunderbar.“

Bauhofleiter Fuchs: "Schuld sind nicht nur die Touristen"

Eines hat Fuchs während der Zeit ohne Touristen gelernt: Den Müll, den machen auch andere. Denn während des Corona-Lockdowns, gab es teilweise sogar mehr davon. Ein weiterer Versuch im Kampf gegen den Müll war es, an manchen Stellen im Füssener Umland, die Mülleimer zu entfernen. „Das hat allerdings nicht geklappt,“ sagt Fuchs. Der Müll war trotzdem da – dann eben am Boden.

Im Gebiet von Köpf stehen oft mehrere Eimer an einer Stelle, um dem Andrang an Abfall gerecht zu werden. Um sie herum, ein weiteres Problem: Kippen. Ein Arbeitskreis der Stadt hat sich den Umweltsündern bereits angenommen, momentan liegen sie aber noch zwischen den Steinen des Kopfsteinpflasters. „Zigarettenweitwurf“ sei das, wenn die Stummel auf den Müll geschmissen werden, ihr Ziel aber verfehlen, sagt Köpf lachend, der auch Zusteller der Allgäuer Zeitung ist. (Lesen Sie auch: Stadt Füssen sagt Zigaretten-Kippen den Kampf an)

Als er in Richtung Morisse zu einem Mülleimer läuft, springt plötzlich ein kleiner Hund an ihm hoch. Für Köpf das Signal, endlich die kleine graue Kiste zu öffnen. Darin versteckt: kleine Hundefutter-Snacks. Und eine Karte der Stadt. Falls er von Touristen mal wieder nach dem Weg gefragt wird.