Bundestagswahl 2021

Wahlkampfhelfer in und um Füssen: „Die Bundestagswahl geht uns alle etwas an“

Plakate hängen, Stände betreuen, von Haustüre zu Haustüre gehen oder Veranstaltungen organisieren: Ohne Wahlkampfhelfer würde bei den Parteien wenig gehen. Was Helfer im südlichen Ostallgäu erleben.

Plakate hängen, Stände betreuen, von Haustüre zu Haustüre gehen oder Veranstaltungen organisieren: Ohne Wahlkampfhelfer würde bei den Parteien wenig gehen. Was Helfer im südlichen Ostallgäu erleben.

Bild: Benedikt Siegert (Symbolfoto)

Plakate hängen, Stände betreuen, von Haustüre zu Haustüre gehen oder Veranstaltungen organisieren: Ohne Wahlkampfhelfer würde bei den Parteien wenig gehen. Was Helfer im südlichen Ostallgäu erleben.

Bild: Benedikt Siegert (Symbolfoto)

Viele von ihnen stehen nicht im Rampenlicht, sondern arbeiten im Hintergrund mit: Plakate kleben, Standarbeit und vieles mehr. Welche Erfahrungen sie machen.
18.09.2021 | Stand: 07:56 Uhr

Spätestens wenn sechs Wochen vor einer Wahl die Plakate an den Laternen und Werbeständen hängen ist klar: Es finden wieder Wahlen statt. Während auf den Plakaten die Gesichter der Parteien abgebildet sind, arbeiten aber auch im Hintergrund unzählige Freiwillige mit, verteilen Flyer, suchen das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern, organisieren Veranstaltungen. Was treibt die Wahlkampfhelfer an und was erleben sie auf der Straße? Wir haben uns bei vier Parteien umgehört, die schon lange im Bundestag vertreten sind.

CSU Füssen: Jutta Ehlermann ist bereits seit vielen Jahrzehnten politisch aktiv. Bereits als junge Erwachsene wollte sie sich engagieren und vor Ort etwas bewegen. Lange war sie in Norddeutschland in der CDU aktiv. Seit einigen Jahren ist sie nun in Füssen, engagiert sich im Ortsverein der CSU und hat beispielsweise den Aschenbecher „to go“ initiiert. An den Ständen, die sie in diesen Wahlkampfwochen mitbetreut, merkt sie, dass sich die Bürger viel für die Themen Umweltschutz und Corona interessieren. Dabei werde oft auf der Sachebene diskutiert und auch mal gestritten, persönliche Angriffe oder Beleidigungen hat sie bisher nicht erlebt. Wichtig ist aus ihrer Sicht, den Menschen zuzuhören, die ihren Frust abladen. „Man muss sie ernst nehmen und ihnen das Gefühl geben, für sie da zu sein“, sagt Ehlermann. Für die 63-jährige Pensionärin ist es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger nach einem Gespräch mit einem Lächeln den Stand verlassen. Sich dafür einzusetzen und zu engagieren, treibe sie an.

Die Grünen Pfronten: "Frust habe ich wenig gespürt"

Die Grünen Pfronten: Christian Mörken ist seit etwa drei Jahren in der Kommunalpolitik bei den Grünen aktiv. Der 49-jährige Autor beziehungsweise Redakteur und Dozent war während der vergangenen Kommunalwahl das erste Mal aktiv und hat Veranstaltungen mitorganisiert. Dieses Mal ist es sein erster Wahlkampf, wo er am Stand direkt auf Bürgerinnen und Bürger trifft. Eine Herausforderung, wie er sagt. Während in den Sozialen Netzwerken oft ein hitziger Ton herrsche, sei dies im Gespräch auf der Straße anders: „Frust habe ich wenig gespürt“, sagt Mörken. Die Gespräche seien sachlich und auch wenn der Gesprächspartner einer anderen Partei befürworte, gehe es immer respektvoll zu. Sein Eindruck ist, dass viele Menschen noch orientierungslos seien, „man weiß noch nicht, was man wählen soll“. Die Bürger interessierten sich für Corona, für weitere Lockdowns, für 2-  und 3 G-Regeln, berichtet Mörken. Aber auch das Thema Wirtschaft und in diesem Zusammenhang der Klimaschutz sorgten für viele Nachfragen. Mörken selbst ist nach vielen Jahren überlegen in die Kommunalpolitik eingestiegen. Er wollte nicht „am Spielfeldrand stehen und meckern, sondern mitmachen“. (Lesen Sie auch: Anton Hofreiter in Füssen - "Das Auto spielt auf dem Land weiterhin eine wichtige Rolle")

SPD Füssen: Tobias Merz (26) ist nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr in die SPD eingetreten. Er wollte ebenfalls vor Ort aktiv werden und mitmachen. Der Immobilienmakler macht vor allem in Füssen die Erfahrung: Weil hier viele Touristen unterwegs sind, bekomme man oft zu hören „ich bin ja nicht von hier“. „Die Bundestagswahl geht uns aber alle etwas an“, sagt Merz. Natürlich komme auch in den Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern Frust vor. Aber grundsätzlich sei die Stimmung positiv. Er beobachtet, dass den Leuten oft einzelne Themen wichtig sind und sie sich vor allem in einem Gebiet sehr detailliert auskennen. Der 26-Jährige findet, dass dieser Wahlkampf sehr von den Personen abhängt. Er berichtet von einem Erlebnis als er mit Parteikollegen SPD-Plakate in Füssen aufgehangen hat. Ein Autofahrer habe umgedreht und sei nochmal zurückgekommen, dabei sei man ins Gespräch gekommen. Merz hat den Eindruck, dass Scholz bei vielen punkte, auch bei denjenigen, die eigentlich nicht SPD wählten.

FDP Ostallgäu: Die Menschen seien offener in diesem Wahlkampf

FDP Ostallgäu: Einen eigenen Ortsverband Füssen hat die FDP aktuell nicht, laut Aussage des Kreisvorsitzenden Marcus Prost gebe es in den vergangenen Monaten aber wieder Neueintritte in die Partei. Er selbst ist seit etwa zwei Jahrzehnten in der Kommunalpolitik unterwegs, hat in diesem Wahlkampf zum Beispiel die Plakate in Füssen aufgehangen und macht mit Ständen Werbung für die Inhalte der Liberalen. Sein Eindruck ist, dass die Menschen in diesem Wahlkampf deutlich offener seien, als im vergangenen. Viele seien gut informiert und es herrsche eine freundliche Atmosphäre bei den Gesprächen. Natürlich gebe es auch emotionale Themen, wie beispielsweise das Tempolimit.

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