Glaubensfragen

Christen in Pfronten feiern ausgefallenes Gemeindefest

Bei Sonnenschein feiern die Besucher den Gottesdienst der Auferstehungskirche Pfronten im Grünen. Rechts im Vordergrund Pfarrer Andreas Liedtke, ganz rechts im weißen Hemd Pfarrer Jörn Foth.

Bei Sonnenschein feiern die Besucher den Gottesdienst der Auferstehungskirche Pfronten im Grünen. Rechts im Vordergrund Pfarrer Andreas Liedtke, ganz rechts im weißen Hemd Pfarrer Jörn Foth.

Bild: Erwin Kargus

Bei Sonnenschein feiern die Besucher den Gottesdienst der Auferstehungskirche Pfronten im Grünen. Rechts im Vordergrund Pfarrer Andreas Liedtke, ganz rechts im weißen Hemd Pfarrer Jörn Foth.

Bild: Erwin Kargus

Wie die evangelische Gemeinde Corona ein Schnippchen schlägt und was die Bleistifte beim Gottesdienst im Grünen neben dem Gotteshaus symbolisieren
Bei Sonnenschein feiern die Besucher den Gottesdienst der Auferstehungskirche Pfronten im Grünen. Rechts im Vordergrund Pfarrer Andreas Liedtke, ganz rechts im weißen Hemd Pfarrer Jörn Foth.
Von Erwin KIargus
20.09.2020 | Stand: 18:46 Uhr

Not macht bekanntlich erfinderisch. Statt des wegen Corona ausgefallenen Gemeindefestes mit Steaks und Bier durften sich die Kirchenbesucher beim sonntäglichen Eintritt in die evangelische Auferstehungskirche in Pfronten einen Bleistift aussuchen, der es – wie sie später feststellten – in sich hatte. Gleichzeitig wurden am Weltkindertag im Beisein von Familienangehörigen die elf neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden vorgestellt. Für einen festlichen Rahmen sorgte der Posaunenchor unter Peter Engelmann.

Man muss sich nicht über alles Sorgen machen

Der ungewöhnliche Schriftzug „Herzlich willkommen zum ‚ausgefallenen’ Gemeindefest“ begrüßte die Besucher zum Gottesdienst in der Kirche. „Man kann sich über alles Sorgen machen, man muss es aber nicht“, gab Pfarrer Andreas Liedtke eingangs zu überlegen und tröstete die Christen damit, dass „bei Gott alle Sorgen gut aufgehoben sind“.

Konfirmanden stellen sich vor

Die elf neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden, die wie bunte Sterne „Farbe in die oftmals grau empfundene Kirche bringen sollen“, stellten sich persönlich und mit von ihnen gemalten sehr unterschiedlichen Lebenslinien vor. Gemeindepraktikant Christoph Lescheticky verriet den Bleistiftbesitzern, dass in einer kapselförmigen Verlängerung der Stifte Samen von Kräutern und Blumen deponiert sind. Es gelte nun, ein Jahr lang diesen Bleistift möglichst oft zum Schreiben und Zeichnen zu verwenden. Was dann noch von ihm übrigbleibe, sollte entsprechend in die Erde gesteckt werden. Innerhalb von vier bis fünf Tagen sprießen dann Kräuter und Blumen hervor, versprach er. „Bringen sie bitte zum nächsten Gemeindefest die dann bunten Pflänzchen mit“, beendete er das Aha-Erlebnis seiner staunenden Zuhörer.

Der tiefere Sinn der Bleistifte

Pfarrer Jörn Foth gab der Bleistiftverwendung noch einen tieferen Sinn: 1. Jeder Bleistift und jeder Mensch braucht eine Hand, die ihn führt. Beim Menschen könne das Gott sein. 2. Spitzen schmerzt den Bleistift. Wenn wir Leid empfinden, kann das uns zu einem besseren Menschen machen. 3. Einen Bleistift kann man wieder ausradieren. Wenn wir Menschen unsere Fehler eingestehen, wird das uns zu einem besseren Leben verhelfen. 4. Beim Bleistift und im Leben kommt es nicht auf das Äußere an, sondern was in ihm und in uns steckt. Bei Bleistiften nennt sich das Mine. 5. Sobald ein Bleistift ansetzt, hinterlässt er eine Spur. Das gilt auch für uns, sobald wir auf die Welt kommen.

Finale mit Platzkonzert

In den Fürbitten ging es unter anderem um die Bewahrung der Schöpfung vor Gift, Zerstörung und Ausplünderung sowie um Mitmenschen, die kein Dach über dem Kopf haben und verzweifelt sind. Die Fürbitten erfolgten ebenso wie der priesterliche Segen bei strahlendem Sonnenschein im Freien auf der Wiese neben der Auferstehungskirche. Nach der abschließenden Ermunterung der beiden Geistlichen, „daheim an den persönlichen Lebenslinien fleißig weiter zu zeichnen“, schloss sich noch ein kleines, mit herzlichem Beifall belohntes, Sonntags-Platzkonzert des Posaunenchores an.