Schulen

Corona: Gemeinde Nesselwang ist gegen mobile Luftfilter - "nur rausgeschmissenes Geld"

Schneller Förderstart für Luftfilter vom Bund gefordert

Der Marktgemeinderat stellt sich gegen mobile Luftfilter.

Bild: Hauke-Christian Dittrich

Der Marktgemeinderat stellt sich gegen mobile Luftfilter.

Bild: Hauke-Christian Dittrich

Gemeinderäte setzen auf eine andere Lösung. Welche Gründe gegen die mobilen Anlagen sprechen und was die Gemeinde plant.
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Von Andreas Schubert
14.08.2021 | Stand: 18:00 Uhr

„Es ist ein Thema, dass uns seit Beginn der Pandemie beschäftigt. Und da der Markt der Träger des Gebäudes ist, müssen wir hier eine Lösung finden“, sagte der Nesselwanger Bürgermeister Pirmin Joas im Marktrat zu Beginn der Diskussion über die Beschaffung von Luftreinigungsanlagen für die beiden Nesselwanger Schulgebäude. Schnell zeichnete sich ab, dass keine mobilen Geräte angeschafft werden sollen. Vielmehr setzt man auf den Einbau stationärer raumlufttechnischer Anlagen (RLT).

Wirksamkeit und Nutzen seien umstritten

Im Vorfeld hatte es Gespräche mit der Schulleitung und dem Elternbeirat gegeben, welche Lösungen es zur Luftreinhaltung in den Schulräumen geben soll. Grundsätzlich böten sich zwei Varianten an: die Aufstellung mobiler Luftreinigungsgeräte in den Klassenzimmern oder der Einbau der RLT-Anlagen. Vorteil der mobilen Geräte sei, dass sie leicht und relativ schnell zu installieren wären, sagte Kämmerer Martin Keller. Allerdings seien Wirksamkeit und Nutzen umstritten, da kein Luftaustausch stattfinde und die Innenraumluft nur umgewälzt und gefiltert werde.

Das kosten mobile Luftfilter für die Schulen

Nach Aussage des Umweltbundesamtes ist der Einbau von RLT-Anlagen zu empfehlen. Diese seien die „nachhaltigste Maßnahme zur Innenraumlufthygiene, deren Erfolg auch nach der Pandemie anhält. Sie sichern eine wirksame Reduzierung der Virenbelastungen, sind für Wärme- und Feuchtrückgewinnung verfügbar, schonen die Energiebilanz des Gebäudes und gewährleisten einen hohen Wohlfühlkomfort im Innenraum“. Allerdings sei diese Lösung mit deutlich höheren Investitionen verbunden, so Keller.

Die Anschaffung von mobilen Geräten würde 50.000 Euro kosten, nach Abzug staatlicher Förderung müsste der etwa 25.000 Euro dazu beisteuern. Eine zentrale RLT-Anlage schlägt mit etwa 350.000 Euro zu Buche, von denen eine Bundesförderung in Höhe von 280.000 Euro abzuziehen ist, so dass 70.000 Euro von der Gemeinde aufgebracht werden müssten. Große Unterschiede gäbe es im Übrigen, was die Haltbarkeit und Einsatzdauer der Anlagen betrifft. Bei der stationären Anlage könne man von einer Laufzeit von 20 Jahren ausgehen – bei den mobilen Geräten gibt es nur ein Jahr Garantie. Zudem seien die jährlichen laufenden Kosten bei den mobilen Geräten im Unterschied zu stationären Anlagen deutlich höher. (Lesen Sie auch: Luftfilter in Schulen: Söders Pläne kassieren im Ostallgäu eine heftige Watschn)

Luftfilter in Schulen: Wenn dann soll was "G'scheits" angeschafft werden

Für die Mitglieder des Marktrates war in der Diskussion die Entscheidung schnell klar. „Schön, wenn Lüften ausgereicht hätte. Aber wenn wir etwas anschaffen, dann was G’scheits. Auf keinen Fall mobile Geräte, denn das ist nur rausgeschmissenes Geld“, sagte Gemeinderat Peter Schlichtling (CSU) und traf damit die Meinung des Gremiums. „Es hat sich eine klare Tendenz zu einer zentralen Lüftungsanlage gezeigt“, fasste Bürgermeister Joas die Redebeiträge zusammen. Da die Förderungen im „Windhundverfahren“ gewährt werden, was bedeutet, dass es Geld nur solange gibt bis der Fördertopf leer ist, habe der Markt schon mal vor der Entscheidung des Marktrates einen Förderantrag beim Bund gestellt, erklärte Keller. Nun man könne nur hoffen, dass der Markt zeitig genug dran war und entsprechende Fördermittel bekomme.

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Der Einbau der zentralen Luftreinigungsanlage würde nach dem jetzigen Stand in der Zeit zwischen Oktober 2021 und Februar 2022 erfolgen. Der Rat sprach sich einstimmig für den Einbau einer zentralen Luftreinigungsanlage aus. Zudem lobte der Rat das Vorgehen der Verwaltung des Marktes.

(Auch die Gemeinde Schwangau hatte sich vor kurzem mit dem Thema beschäftigt.)