Trachtler-Jubiläum

D' Lobachtaler: aus zehn Mitgliedern wurden in 100 Jahren 270

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Ohne Musik geht nichts: Simone Weihrather an der Harfe, Alexander Lux an der Ziach und (nicht auf dem Foto) Hubert Gast am Bass begleiteten die Trachtentänze beim Festabend, wie hier die des Jubilarvereins D’ Lobachtaler Seeg.

Bild: Anton Reichart

Ohne Musik geht nichts: Simone Weihrather an der Harfe, Alexander Lux an der Ziach und (nicht auf dem Foto) Hubert Gast am Bass begleiteten die Trachtentänze beim Festabend, wie hier die des Jubilarvereins D’ Lobachtaler Seeg.

Bild: Anton Reichart

Bei der Feier des Seeger Vereins stehen viele Ehrungen an, darunter eine überraschende. Welche Parallele das Gründungsjahr 1921 mit 2021 aufweist.
18.08.2021 | Stand: 11:45 Uhr

Trotz der damals wütenden tödlichen Spanischen Grippe haben 1921 zehn Bürger aus dem Seeger Lobachtal ihren Trachtenverein gegründet. Und trotz Corona-Pandemie ein Jahrhundert später feierten D’ Lobachtaler Trachtler nun ihr Jubiläum. Ihr Festabend sowie die Festmesse waren beherrscht von vielen Nachbartrachtlern wie auch von einer Reihe von Ehrungen.

Gereimte G'schltla vom Chef

Berühmt und immer wieder gern gehört sind die kleinen, oft gereimten G’schichtla vom Lobachtaler-Chef Martin Dorn. Doch bei der Eröffnung der 100-Jahr-Feier des Vereins im Seeger Gemeindezentrum wies er zunächst auf die Pandemien hin. Trotzdem habe eine Handvoll junge Kerle im Jahr 1921 den Trachtenverein gegründet. Da die meisten aus dem Lobachtal stammten, wurde der entsprechende Namen bei der Gründung im damaligen Gasthaus Sonne im Ortsteil Hitzleried im Lobachtal gewählt. Aber Dorn denkt weiter und richtet seinen Blick und seine Aktivitäten nach vorne: „Tradition ist nicht nur wie Asche anbeten, sondern das Feuer zu erhalten!“

Geschichte mit Tiefs und Hochs

Vereinsvize Johannes Blochum erinnerte an die Entwicklung des Vereins, von den zehn Gründungsmitgliedern beim Sonnenwirt bis zur heutigen Mitgliederstärke von 270 Aktiven und 55 Kindern in der Jugendgruppe. Dabei habe der Verein die Aktivitäten all die Jahre durchgehalten und „eine wechselvolle Geschichte mit Tiefs und Hochs“ durchlebt. Er erinnerte an die Vereinsfeste, das Lohmühlfest, den Seeger Funken, die Theatergruppe, die Historische Trachtengruppe, das erfolgreiche Jugend-Preisplatteln in der Verwaltungsgemeinschaft sowie an den Spatenstich im Jahr 2006 für das Vereinsheim.

Der Trachtenverein in Aktion bei ihrer Feier zum 100-jährigen Bestehen.
Der Trachtenverein in Aktion bei ihrer Feier zum 100-jährigen Bestehen.
Bild: Anton Reichart

Gäste bis aus der Röhn

Unter den mehr als hundert Gästen waren auch die sogenannten Patenkinder, die Falkensbergler aus Rückholz und der Trachtenverein aus Abtsroda in der Röhn. Die Trachtler aus dem 400 Kilometer entfernten 350-Einwohner-Dorf nahe Fulda waren unter Führung ihres Chefs Martin Herget gekommen. André und Peter Schleicher hatten im Namen ihres Vereins einen speziellen Geschenkkorb dabei. Er enthielt Typisches aus dem Länderdreieck Unterfranken, Hessen und Thüringen. Denn Abtsroda war lange Zeit unterfränkisch, bevor es zu Hessen kam, wie Herget einen amüsierten Einblick in seine wechselhafte Heimathistorie gab.

Neuschwanstoaner als Paten

Seeg hatte in der Vergangenheit als Patenkind einen Paten gesucht. In den Neuschwanstoanern Stamm Füssen hatten sie ein sogenanntes Dotle gefunden. Deren Chef Richard Hartmann lobte die Lobachtaler, dass sie bereits ein Jahr nach der Vereinsgründung das Geld für eine Vereinsfahne zusammengebracht hatten. Als Geburtstagsgeschenk hatte er das Protokoll der Fahnenweihe vom 21. Mai 1922 mitgebracht. Auch Bürgermeister Markus Berktold hatte neben lobenden Worten für das Wirken des Vereins ein kleines Gastgeschenk dabei.

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Den Reigen der Ehrungen, die immer wieder durch Tanzaufführungen diverser Nachbartrachtenvereine des Oberen Lechgauverbandes aufgelockert wurden, eröffneten die zahlreichen, langjährigen Vereinsmitglieder. Herausragend ehrte Dorn Rosina „Sina“ Baur. Sie war jeweils sieben Jahre als Kassier-Vize und Schriftführer-Vize tätig. Sie hatte bei der Jugend angefangen. Vor allem aber packte und packt sie bei unzähligen Hilfsdiensten an. Sie war auch erfolgreich – als erstes Seeger Mitglied in der Gaugruppe.

Überraschend ereilte Dorn selbst eine Ehrung. Der Vorsitzende der Bayerischen Trachtenjugend Armin Schmid und Gaujugendvertreter Markus Lory verliehen ihm das Goldene Ehrenzeichen der Bayerischen Trachtenjugend. Sie stellten die langjährige Tätigkeit Dorns als Jugendleiter heraus, die er vor seinen Aktivitäten als Gauvorplattler und Vereinsvorstand ausgeübt hatte. Die Bedeutung der Jugendarbeit hebt Dorn hervor: „Wir müssen das Feuer weitergeben.“

Mit Kräuterboschen unterwegs

Beim großen Festgottesdienst am Sonntagvormittag im Seeger Kurpark waren neben zahlreichen Vereinsabordnungen, Fahnen und Standarten auch die neuen Schwestern des Caritasheims vertreten. Ganz besonders stachen die vielen Kleinen hervor, die Palmboschen in Händen hielten. Denn die Lobachtaler hatten den Gottesdienst zusammen mit den Blumenfreunden Seeg genutzt und mit der traditionellen Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt verbunden. Neben der großen Harmoniemusik Seeg und den Böllerschützen gestalteten auch mehrere kleine Ensembles die Schubert-Messe. Pfarrer und Trachtenvereinsmitglied Wolfgang Schnabel lüftete kurz ein Geheimnis: Unter seinem Priestergewand war er bereits stilecht mit Lederhose. Schließlich ging’s wenige Höhenmeter weiter zum Festplatz und dem gemütlichen Teil, dem Bürgerfest mit Speis’ und Trank.

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