Umwelt

Das hat es mit dem Toteisloch von Dietringen auf sich

Naturphänomen, das nur wenige kennen: das Toteisloch in Dietringen.

Naturphänomen, das nur wenige kennen: das Toteisloch in Dietringen.

Bild: Richard Wismath

Naturphänomen, das nur wenige kennen: das Toteisloch in Dietringen.

Bild: Richard Wismath

Was hinter dem Naturphänomen nur wenige Meter entfernt vom Forggensee steckt und warum es seltene Vogelarten anlockt. Naturkundler Richard Wismath erklärt es.
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Von wis
24.11.2021 | Stand: 14:25 Uhr

Wohl nur sehr wenige wissen, dass sich bei Dietringen am Forggensee ein sogenanntes Toteisloch befindet. Doch um was handelt es sich dabei eigentlich? Der Füssener Naturkundler Richard Wismath klärt auf: So handelt es sich dabei um ein Relikt aus der letzten Kaltzeit, als sich vom damals noch existierenden Lech-Gletscher ein Eisblock abgelöst hat und als „Toteis“ mit Geröll und Geschiebe überschüttet wurde. Als später das Eis schmolz, blieb die steilwandige, kesselartige Hohlform eines Toteisloches zurück.

Toteislächer können beträchtliche Ausmaße annehmen

Sie können einen Durchmesser von zehn bis weit über 100 Meter und eine Tiefe von über 20 Meter haben. Ihre Form kann kreisrund bis längs oval sein. Auffällig ist ihre scharfe Begrenzung. Je nach Durchlässigkeit des Untergrunds sind sie trocken, zeitweise oder ständig mit Wasser gefüllt, vermoort oder schon völlig verlandet. „Wegen ihres vielgestaltigen Reliefs und den klein klimatischen Unterschieden können Toteislöcher mannigfaltige Lebensräume entwickeln“, sagt Wismath. An denen sonnenseitigen Hängen finden sich häufig Pflanzen, die warme Trockenstandorte bevorzugen, während die nach Norden exponierten Hänge und der Kesselboden fast arktische Verhältnisse aufweisen.

Von Jahreszeit zu Jahreszeit wirkt das Toteisloch am Forggensee komplett unterschiedlich

„Merkwürdig ist es schon, dass das Toteisloch im Sommer wie ein Badeweiher aussieht und im Winter bis in den Frühling dagegen ein seichtes Schlammbecken oder gar ganz trocken ist“, sagt Wismath. Dies liege daran, dass der Wasserspiegel des Toteislochs auf den stark schwankenden Wasserspiegel des aufgestauten Forggensees reagiert.

Auch Bekassine hat Wismath schon in Dietringen entdeckt
Auch Bekassine hat Wismath schon in Dietringen entdeckt
Bild: NATURFOTO WISMATH

Das Dietringer Toteisloch stammt noch aus der letzten Eiszeit

Toteislöcher sind wie bereits erwähnt Zeugen einer ehemals vergletscherten Landschaft. Als sich am Ende der Würmeiszeit der Lechgletscher aus dem Alpenvorland in die Alpen zurückzog, blieben einzelne Eisbrocken liegen, die vom fließenden Eis abgetrennt waren. Das Toteis wurde meist von Moränen oder Schmelzwasserschottern zugeschüttet und schmolz langsam über Jahrzehnte und Jahrhunderte ab. Die nachschickenden Sedimente bildeten eine oft unregelmäßige Hohlform heraus.

Inzwischen ist das Toteisloch ein idealer Ort zum Beobachten von Vögeln

Ein idealer Ort für Wismath, um seiner Passion, dem Vögelbeobachten, nachzugehen. Denn bei dem derzeitigen Pegel des Forggensees weist das Toteisloch gerade soviel Wasser auf, dass es für die Zugvögel und Wintergäste eine Futterquelle ist, wo sie genügend Nahrung finden. „So konnte ich immer wieder viele Entenarten, wie Krickenten, Knäkenten, Tafelenten, Reiherenten, Löffelenten und Schnatterenten beobachten“, sagt Wismath. Seltene Limikolen, wie den Dunklen Wasserläufer, Bruchwasserläufer, Rotschenkel Schnepfenvögel, wie die zierlichen Bekassinen sowie den heimischen Flussuferläufer seien hier fast jährlich anzutreffen.

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