Füssen

Der Bedarf wächst schneller als die Angebote

Seniorenbeirat Der Pflegenotstand spielt auch im Füssener Land eine immer größere Rolle. Fachpersonal fehlt
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Von cl
06.11.2019 | Stand: 15:57 Uhr

Ein großer Teil von Senioren kann nach einem Krankenhausaufenthalt nicht ausreichend weiterversorgt werden. Darüber informierte Dr. Claus Uecker bei der letzten Sitzung des Füssener Seniorenbeirats in diesem Jahr. Der Chefarzt der geriatrischen Reha im Füssener Krankenhaus stellte weiter fest, dass der Bedarf deutlich schneller wachse, als Leistungen angeboten werden können. Außerdem fehlten Angebote für Senioren, die nicht an Demenz erkrankt sind. Er untermauerte seine Aussage mit dem Hinweis, dass deren Gruppe stetig wachse. Aber: „Die Alten sind brav und protestieren nicht“, stellte er ernüchternd fest.

17 Interessenvertreter sozialer Einrichtungen berichteten bei der Sitzung im Rathaus von ihren Aktivitäten und neuesten Erfahrungen auf dem umfangreichen Feld der teils ehrenamtlichen Seniorenarbeit. Der Pflegenotstand spielte dabei in vielen Situationen eine Rolle. Alexander Hitzelberger als Pflegedienstleiter der katholisch-evangelischen Sozialstation etwa stellte fest, dass die Personalgewinnung zunehmend schwierig werde und folglich die Angebote der Einrichtung verkleinert werden müssen. Für die Interessengemeinschaft für Menschen mit Behinderung und eingeschränkter Mobilität (IGM) beklagte Reiner Schweiger, dass im gesamten Ostallgäu nur sechs Plätze für Kurzzeitpflege vorgehalten werden – bei allein in Füssen lebenden 1400 Personen mit einer anerkannten Schwerbehinderung. Er forderte, dass Hospiz und Kurzzeitpflege in allen Krankenhäusern angeboten werden müssten.

Christine Halaby, ebenfalls von der IGM, monierte, dass das Protokoll „Schwerpunkt Barrierefreiheit“ in weiten Bereichen auf Umsetzung wartet. Dazu sagte die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Ilona Deckwerth, dass verschiedene Baumaßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit im Straßenraum ausgeführt wurden und durch die IGM Füssen das Bewusstsein und die Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Senioren wichtige Anregungen erfolgten. „Manche Umsetzungen dauern eben etwas länger, da die Planungen nicht immer ganz einfach sind“, merkte sie an.

Die geplante „Nachbarschaftshilfe – soziale Gemeinschaft Füssener Land“ konnte trotz des großen Aufwands wie Konzepterstellung, Satzung, Geschäftsordnung und Finanzplan wegen Fehlens an zugesagten Finanzmitteln nicht gestartet werden. „Wir werden uns trotz verschiedener Rückschläge nicht entmutigen lassen und neue Wege zwischen dem Festhalten alter Vorstellungen und dem Zulassen von Neuentwicklungen suchen“, sagte Sprecher Sepp Kallenbach. Er regte auch an, zur Stärkung der Senior-Mobilität im Stadtgebiet auf kommunaler Ebene einen Bürgerbus einzusetzen oder als Alternative im privat organisierten Bereich „Mitfahrbänke“ einzurichten, auf denen Bürger auf Mitfahrgelegenheit warten können.

Weitreichend unbekannt ist die Tatsache, dass der Computer Club Füssen-Allgäu-Außerfern immer montags im Gasthaus Hechten in der Ritterstraße Senioren bei der Lösung von Computerfragen behilflich ist. Mit der Sozialstation wurde ein erster Termin vereinbart, um eventuell mit den älteren Mitbürgern auf diesem Gebiet näher zusammenzurücken und auszuloten, ob Interesse besteht.

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Für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) berichtete Uwe Claus über die Aktivitäten von Senioren, die bei Leseprojekten mit Kindern lesen und dort als Lesepaten gerne gesehen sind. Er verwies auch auf den Landkreis Oberallgäu, der 150 000 Euro für die Bereitstellung von Kurzzeitpflege zur Verfügung stellt, und er meinte, dass es doch eine Überlegung wert wäre, dies auch für das Ostallgäu zu beantragen.

Über verschiedene Projekte, die in nächster Zeit anstehen und nach einer Lösung suchen, referierte die Seniorenbeauftragte des Landkreises Ostallgäu, Irmgard Haberberger. Sie sprach unter anderem über die Pflegebedarfsermittlung (Veröffentlichung der Ergebnisse im nächsten Jahr), Ausbildungskurse für Demenzbegleiter und die Verschärfung des Fachkräftemangels im südlichen Ostallgäu. Ein wichtiges Thema für die Zukunft seien – wie bereits gefordert – wohnortnahe Hospizzimmer in Krankenhäusern und Seniorenheimen. Sie seien wünschenswert. Wie jedoch die Umsetzung erfolgen soll, sei fraglich.

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