Von München bis Santiago de Compostela

"Der Weg beginnt vor der eigenen Haustür": Pfrontener läuft den Jakobsweg

Am Ziel angekommen: Hans-Peter Metzger auf dem Vorplatz der Kathedrale in Santiago de Compostela.

Am Ziel angekommen: Hans-Peter Metzger auf dem Vorplatz der Kathedrale in Santiago de Compostela.

Bild: Hans-Peter Metzger

Am Ziel angekommen: Hans-Peter Metzger auf dem Vorplatz der Kathedrale in Santiago de Compostela.

Bild: Hans-Peter Metzger

Der Pfrontener Hans-Peter Metzger läuft zum wiederholten Mal den Jakobsweg. Er erzählt von Nächten unter der Brücke, gespendeten Mahlzeiten und etlichen Tränen.
Am Ziel angekommen: Hans-Peter Metzger auf dem Vorplatz der Kathedrale in Santiago de Compostela.
Von Erwin Kargus
09.11.2020 | Stand: 17:11 Uhr

Wer einmal auf dem Jakobsweg unterwegs war, hat was zu erzählen. So auch der Pfrontener Hans-Peter Metzger, der vor elf Jahren „auf den Geschmack kam“ und vergangenes Jahr sowie heuer erstaunlich weite Jakobsweg-Strecken zurücklegte. Dabei übernachtete er zumeist im Freien und verbrauchte kaum Geld.

Vor elf Jahren wollte er den Jakobsweg, von dem er schon viel gehört hatte, persönlich entdecken. Von der Oberpfalz aus wanderte er nach Schwandorf. Er verbrauchte dabei kein Geld und übernachtete im Freien. „Da kam ich auf den Geschmack“, erinnert er sich.

Im vergangenen Jahr legte der frischgebackene Rentner in Krakau los. Über Görlitz, Prag, Ulm und Konstanz wanderte er nach St. Gallen. Etwa 2200 Kilometer legte er an 99 Tagen zurück, erneut ohne viel Geld.

Der Pfrontener ist in München losgewandert

Heuer startete er in München auf seine Wanderung. Von dort ging es über Kempten nach Lindau, entlang dem badischen Bodenseeufer, Konstanz, nach St. Gallen, Einsiedeln, Luzern, Genf, durch Frankreich und über die Pyrenäen bis zum Zielpunkt Santiago de Compostela im spanischen Galicien.

Zumeist übernachtete er wechselweise unter Brücken, an so mancher Kirchenwand, in einem Schweizer Kloster, in Heuschobern oder im Wald. „Ich wurde nachts nie nass“, sagt er. Als unter Jakobsweg-Pilgern übliche „Zugabe“ setzte er seinen Weg von Santiago de Compostela noch ins 100 Kilometer entfernte Finisterre am Atlantik fort, wo der Überlieferung nach die Gebeine des heiligen Jakobs gefunden wurden. So kam der Pfrontener heuer auf über 3000 Kilometer an 130 Tagen.

Zu seiner Ausrüstung, so erzählt Metzger, gehörte ein rund 25 Kilogramm schwerer Rucksack, der traditionelle Jakobsstab, eine Jakobsmuschel zum Umhängen und als Trinkgefäß sowie der Pilgerpass zum Abstempeln. Heuer kamen 350 Stempel zusammen. Am Zielort durfte er sich über die Aushändigung der begehrten Jakobsweg-Zertifikate freuen.

Das hat der Pfrontener auf dem Jakobsweg erlebt

Beim Pilgern, sagt Metzger, trifft man immer wieder auf andere, die man Tage zuvor gesehen hatte. Zum Essen genügten ihm zumeist Brot, Käse und Äpfel. Manchmal kaufte er sich von Spenden auch was zum Essen oder wurde zu einer Mahlzeit eingeladen. „So viel Weintrauben habe ich noch nie gegessen“, erzählt er. Metzger stellt fest: „Die umgehängte Jakobsmuschel und die Pilgerpässe sind Türöffner.“ Man werde auch angesichts der bereits zurückgelegten Strecke gerne fotografiert. Für viele war er als Pilger ein geschätzter Gesprächspartner und Fotomodell.

Ihn faszinierten am Jakobsweg die alten Bauwerke wie Schlösser, Kirchen und Brücken sowie „die ganz unterschiedlichen Landschaften mit einer traumhaften Natur“. Oft ging es über Berge und Pässe oder entlang von Flüssen, mitunter auf alten Römerwegen.

Der Jakobsweg, so stellte der Pfrontener an sich selbst fest, verändert einen: „Man wird, wenn man sich Zeit nimmt, sehr offen und neugierig auf alles.“ Nach dem Pilgerweg verändere sich der persönliche Blickwinkel: „Man sieht die Dinge nicht mehr so eng, wird großzügiger und lernt, wie wenig man wirklich zum Leben braucht.“

Am Ziel des Jakobswegs fließen Tränen des Glücks

Unterwegs spürte er immer wieder „tolle Momente“, am Ziel vor der Kathedrale in Santiago de Compostela flossen in einem Hochgefühl von Glücklichsein auch etliche Tränen.

Auf die Frage, was vielleicht folgt, antwortet Metzger: „Mich reizt für das nächste Mal – vielleicht mit 70 Jahren – als Ausgangspunkt Lemberg (Lwiw) in der Ukraine.“ Dann soll es durch Polen, Deutschland und Frankreich bis zum Zielpunkt in Spanien gehen. Das nächste Mal möchte er außerdem sein Gepäck reduzieren.

Als „Langläufer“ empfiehlt er am Jakobsweg Interessierten: „Wenn man ihn laufen will, sollte man es auch tun, egal ob kürzere oder längere Etappen. Nicht lange grübeln, einfach den Rucksack packen und los geht’s. Der Weg beginnt vor der eigenen Haustür.“

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