Jahresversammlung

Diakonieverein Füssen: Entscheidung nicht übers Knie brechen

Pfarrer Peter Neubert sagte mit Blick auf eine mögliche Auflösung des Vereins: „Wir wollen diese große Entscheidung nicht übers Knie brechen, sollten aber bis zur nächsten Mitgliederversammlung zu einer Entscheidung kommen."

Pfarrer Peter Neubert sagte mit Blick auf eine mögliche Auflösung des Vereins: „Wir wollen diese große Entscheidung nicht übers Knie brechen, sollten aber bis zur nächsten Mitgliederversammlung zu einer Entscheidung kommen."

Bild: Heike Heel (Archivfoto)

Pfarrer Peter Neubert sagte mit Blick auf eine mögliche Auflösung des Vereins: „Wir wollen diese große Entscheidung nicht übers Knie brechen, sollten aber bis zur nächsten Mitgliederversammlung zu einer Entscheidung kommen."

Bild: Heike Heel (Archivfoto)

Der evangelische Diakonievereinblickt auf eine herausfordernde Zeit zurück. In Zukunft stellt sich die Frage, ob der Verein noch aufrecht erhalten werden soll.
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Von Uwe Claus
23.11.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Fachkräftemangel im ambulanten Dienst und widrige Umstände durch die Corona-Situation: Der Vorsitzende des Diakonievereins Füssen, Pfarrer Peter Neubert, ging auf die aktuellen Herausforderungen ein. Zur Diskussion führte auch das Thema, ob der Verein überhaupt so in Zukunft gehalten werden könne. Vor kurzem trafen sich die Mitglieder des evangelischen Diakonievereins Füssen im „Haus der Begegnung“ zu ihrer Mitgliederversammlung. Beim anschließenden „Diakonie-Gottesdienst“ in der Christuskirche wurde unter der Leitung von Wolfgang Probst eine Kantate von Dietrich Buxtehude aufgeführt.

Der Diakonieverein Füssen wurde 1964 gegründet

Der Diakonieverein Füssen wurde 1964 unter dem Aspekt gegründet, die Versorgung und Pflege bedürftiger oder alleinstehender Gemeindeglieder zu sichern. 1979 gründete der Verein zusammen mit den katholischen Kirchenstiftungen die Katholisch-Evangelische Sozialstation Füssen, um ambulante und stationäre Pflege zu professionalisieren. Den Vorsitz des Vereins hat der evangelische Pfarrer Peter Neubert. Er bedauerte bei der Begrüßung der Mitglieder, dass die Corona-Situation eine reduzierte Vereinstätigkeit nach sich zog. Derzeit zählt der Verein 51 Mitglieder.

In seinem Bericht umriss er die diakonischen Aktivitäten in der Kirchengemeinde: Der Verein unterstützt Nichtsesshafte und Bedürftige mit Sach- und Geldspenden und bei Bedarf erfolgt auch eine Hilfe für Flüchtlingsarbeit des Arbeitskreises Asyl und des ökumenischen Arbeitskreises Füssen. Er berichtete weiter, dass der große Umbau und die Erweiterung des Kindergartens „Sternschnuppe“ trotz der Corona Auflagen, die den Ablauf oftmals schwierig gestalteten, 2020 abgeschlossen wurde. Er bescheinigte Leiterin Isabella Moser sowie ihrem Team, hervorragende Arbeit geleistet zu haben.

Der Diakonie Verein arbeitet über die Person von Pfarrer Neubert im Aufsichtsrat und bei der Gesellschaftersitzung Sozialstation mit. Die Mitarbeit kann jedoch zur Zeit aufgrund der widrigen Umstände nur auf „Sparflamme“ bedient werden. Er schilderte weiter, dass ambulante und stationäre Pflege, Beratungen und Tagespflege trotz Corona Auflagen stattfinden. Er schilderte sehr deutlich die prekäre Lage aufgrund des Fachkräftemangels im ambulanten Dienst.

Der Vorsitzende hält weiter engen Kontakt zum Vorstand des Hospizvereins, der in der Coronazeit verstärkt das Gemeindehaus für Lehr- und Organisationsveranstaltungen nutzt. Die Vernetzung des Vereins mit der Beratungsstelle des Diakonischen Werks Augsburg wird über seinen Stellvertreter Sergej Hollmann aufrechterhalten und auf Anfrage werden Bedürftige unbürokratisch unterstützt.

Längere Diskussion wegen möglicher Auflösung

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Eine längere Diskussion entstand bei den Überlegungen, den Verein aufzulösen, der bereits im erweiterten Vorstand diskutiert worden war. Unabhängig davon, dass die Jahrzehnte lange Treue der Vereinsmitglieder und die damit verbundene ideelle und finanzielle Unterstützung berücksichtigt werden sollen, ist die Tatsache Fakt, dass der Verein kontinuierlich Mitglieder durch Ableben verliert und neue Mitglieder kaum dazu kommen. „Es stellt sich die Frage, ob der Verein für diakonische Aktivitäten der Kirchengemeinde noch die gleiche, wichtige Funktion ausübt, die er bei seiner Gründung und bis in die 90er Jahre innehatte“ stellte Pfarrer Neubert fest.

Die soziale Absicherung von Menschen sei heute, etwa durch Pflegeversicherung oder Hartz IV, weitgehend gesichert und es stelle sich die Frage, ob die bisherigen Tätigkeiten im Diakonieverein nicht innerhalb der Kirchengemeinde gebündelt werden können oder sollten. „Wir wollen diese große Entscheidung nicht übers Knie brechen, sollten aber bis zur nächsten Mitgliederversammlung zu einer Entscheidung kommen“, sagte Neubert.

(Lesen Sie hier, wie die evangelische Kirche mit einem Umweltteam die Kirche grüner machen will.)