Tipps für den Sommerurlaub

Die erste Camping-Tour: Worauf Neulinge achten sollten

Camping-Reisen werden immer beliebter. Vor allem die Flexibilität dabei schätzen viele Menschen. Wichtig ist allerdings, dass das Wohnmobil auf einem Campingplatz und nicht in der freien Natur abgestellt wird.

Camping-Reisen werden immer beliebter. Vor allem die Flexibilität dabei schätzen viele Menschen. Wichtig ist allerdings, dass das Wohnmobil auf einem Campingplatz und nicht in der freien Natur abgestellt wird.

Bild: Symbol-Foto/dpa

Camping-Reisen werden immer beliebter. Vor allem die Flexibilität dabei schätzen viele Menschen. Wichtig ist allerdings, dass das Wohnmobil auf einem Campingplatz und nicht in der freien Natur abgestellt wird.

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Wohnmobil oder Wohnwagen? Wie packt man am besten? Die Inhaberin des Caravan Zentrums Allgäu in Füssen erklärt, was man kaufen sollte und wo man campen darf.
21.09.2020 | Stand: 16:08 Uhr

Ein Kunde des Caravan Zentrums Allgäu in Füssen hatte sogar mal seinen Papagei dabei. Ein derartiger Urlaubsbegleiter in einem Hotel? Eher nicht. Das ist fast nur beim Camping möglich. „Es gibt einige, die diese Art des Urlaubs wegen ihrer Haustiere wählen“, sagt Claudia Corsten, Inhaberin des Caravan Zentrums.

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Viele schätzten die Flexibilität von Campingreisen zudem in anderer Hinsicht. „Man kann einfach weiterfahren, wenn es einem irgendwo nicht gefällt. Das geht bei einem gebuchten Hotel weniger leicht“, sagt Corsten.

Dazu kommt, dass Campingfahrzeuge und selbst Zelte heutzutage zunehmend mehr Komfort böten. Ganz zu schweigen davon, dass es mittlerweile jede erdenkliche Art von Campingplätzen in allen Preisklassen gibt – für Naturverbunde, Familien, Senioren, Luxusreisende und und und.

Camping im Allgäu boomt seit Jahren

All das führt laut Corsten dazu, dass Camping seit Jahren boomt. „Es läuft nicht jedes Jahr gleich gut, aber insgesamt wächst die Beliebtheit“, sagt die Füssenerin. Sie betreibt seit etlichen Jahren mit ihrem Mann eine Reparaturwerkstatt für Campingfahrzeuge und vermietet Wohnwagen für Aufenthalte auf Campingplätzen in der Umgebung.

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Ihre Einschätzung bestätigen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes, nach denen im Mai insgesamt 10 460 Wohnmobile zugelassen wurden, 30 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahresmonat. An die fünf Millionen Camper gibt es nach Schätzungen des ADAC in Deutschland.

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Gerade in der Corona-Krise, wo fraglich ist, ob man einen gebuchten Urlaub antreten kann, versuchen sich viele laut Corsten das erste Mal als Camper. Ideal ist für sie zunächst eine kleinere Tour mit einem Mietfahrzeug. Dafür müssen sie sich folgende Fragen stellen:

Womit wollen sie reisen? Zur Auswahl stehen Zelt, Wohnmobil und Wohnwagen. „Anhänger und Zelt haben den Vorteil, dass man seinen Pkw am Urlaubsort dabei hat“, sagt Corsten. Außerdem ist ein Wohnwagen billiger sowohl zu mieten als auch bei Anschaffung und Unterhalt. „Er braucht alle paar Jahre neue Reifen. Sonst ist da wenig“, nennt sie ein Beispiel.

Bei einem Wohnmobil verschleißen teure Bauteile wie Motor, Kupplung und Bremsen. Dafür gilt für ein Wohnmobil eine höhere Höchstgeschwindigkeit und „viele mögen das Schlingern eines Anhängers nicht“, sagt Corsten. Was letztlich beliebter ist, kann sie aber nicht sagen. Es werde beides nachgefragt.

Was muss alles mit? Beim Gepäck muss sich der Camper gut organisieren, denn in ein Wohnmobil passen keine Unmengen. Es ist sonst überladen und das kann teuer werden. In Deutschland werden laut ADAC in der Regel nur fünf Prozent zu viel Gewicht toleriert. Ab zehn Prozent kostet es 35 Euro, ab 20 Prozent bereits 95 Euro und einen Punkt.

Eingepackt werden sollten laut Corsten auf jeden Fall Zubehör für die Toilette wie Spezialreiniger und spezielles Camping-Toilettenpapier. Normales löst sich in der Campingtoilette nicht gut genug auf.

Außerdem werden auf fast jedem Campingplatz besondere Stecker benötigt. Dazu kommen leichtes Camping-Geschirr und -Möbel, Kleidung und Lebensmittel. „Ich empfehle, nicht gleich eine ganze Litanei an Zeug zu kaufen, sondern nur das Nötigste“, sagt die Camping-Expertin. Auf vielen Campingplätzen oder zumindest in der Nähe gebe es nämlich Einkaufsmöglichkeiten. Sie rät außerdem dazu, sich in einschlägigen Internetforen oder bei anderen Campern Tipps zu holen.

Das Gepäck richtig verstauen

Im Fahrzeug muss das Gepäck richtig verstaut werden. Eine falsch verteilte Landung beeinträchtigt die Fahreigenschaften. Schwere Gegenstände sollten deshalb in Bodennähe untergebracht und das Gepäck um die Fahrzeugachsen verteilt werden. Alles muss so gesichert sein, dass bei einem Bremsmanöver nichts durchs Wohnmobil fliegt. „In den Fahrzeugen sind die Verstaumöglichkeiten aber in der Regel ohnehin bereits so verteilt, dass es passt“, sagt Corsten.

Welcher Campingplatz soll es sein? Laut Statistikportal Statista gibt es in Deutschland an die 3000 Campingplätze mit über 220 000 Stellplätzen. Welchen ein Camper ansteuert, entscheiden in erster Linie seine Ansprüche. Was will er haben, was kann er sich leisten? Ist das entschieden, gilt es zu schauen, wo etwas frei ist und den Wunsch-Stellplatz zu reservieren.

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Wildcampen ist hier keine Alternative. „Das kriegt man aus manchen Leuten aber auch nicht raus, weil sie das Geld für einen Stellplatz sparen wollen“, sagt Corsten. Sie findet das schade, „weil es ja extra weitläufige Naturcampingplätze gibt“. Wo Camping in Deutschland erlaubt ist, regeln die Wald- und Naturschutzgesetze der Bundesländer. Verboten ist es in jedem Fall in Natur- und Landschaftsschutzgebieten und auf Privatgrund ohne Genehmigung des Eigentümers. Das gilt auch für Wälder und Wiesen in Privatbesitz.

Ausruhen erlaubt

Erlaubt ist dagegen eine Unterbrechung der Fahrt wegen Müdigkeit. In diesem Fall darf jeder auf einem geeigneten Parkplatz halten und sich ausruhen. In der Regel wird für diese Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit eine Standzeit von etwa zehn Stunden angenommen. Und dafür sind weder das Ausrollen der Markise noch das Anheizen des Grills nötig. „Man muss dafür auch nicht in einen Wald fahren und am Ende noch seinen Müllsack stehen lassen“, sagt Corsten.

In einigen Ländern rät sie sogar vehement davon ab, außerhalb eines gesicherten Campingplatzes, auch nicht auf Autorasthöfen, im Wohnmobil zu übernachten. „Es kommt immer wieder vor, dass K.o.-Gas in Fahrzeuge geleitet wird und die Camper ausgeraubt werden“, berichtet die Füssenerin.