Karwoche

Die Leidenswerkzeuge Jesu im Füssener Land zur Schau gestellt

Eines der vielen Arma-Christi-Kreuze, die man im Füssener Land entdecken kann, ist das Passionskreuze in Albatsried.

Eines der vielen Arma-Christi-Kreuze, die man im Füssener Land entdecken kann, ist das Passionskreuze in Albatsried.

Bild: Klaus Wankmiller

Eines der vielen Arma-Christi-Kreuze, die man im Füssener Land entdecken kann, ist das Passionskreuze in Albatsried.

Bild: Klaus Wankmiller

Arma-Christi-Kreuze bereichern das südliche Ostallgäu. Woher der Begriff kommt und wo die Kreuze überall zu entdecken sind.
31.03.2021 | Stand: 18:00 Uhr

In Süddeutschland und im Alpenraum gibt es eine Vielzahl an Passionskreuzen, die auch Arma-Christi-Kreuze genannt werden. Das lateinische Wort „Arma“ bedeutet eigentlich „Waffen“ oder „Wappen“. Hier bezeichnet es jedoch die Gegenstände und Symbole, die im Zusammenhang mit der Leidensgeschichte Christi stehen. Diese verdeutlichen anschaulich die Passion des Gottessohnes von der Gefangennahme über die Verurteilung und Geißelung bis hin zu seiner Kreuzigung. So finden sich je nach Region über 30 unterschiedliche Symbole auf einem solchen Passionskreuz.

Triumphzeichen über den Tod

Ursprünglich galten die „Arma“ als Triumphzeichen über den Tod. Im Mittelalter hatten diese die Bedeutung eines Andachtsbildes. In der Barockzeit wandelten sich diese Symbole zur meditativen Verehrung der Leidensgeschichte, vor allem in der bäuerlichen Bevölkerung. So fanden diese riesigen Passionskreuze an so manchem Bauernhaus oder benachbarten Stadel Platz. Allein im Füssener Land gibt es zehn beeindruckende Exemplare dieser besonderen Veranschaulichung der Geschehnisse in der Karwoche.

Die Sammlung der Symbole beginnt im Garten Gethsemane mit dem Kelch, der Jesus von einem Engel gereicht wird. Die Laterne mit einer Kerze verdeutlicht die Abendstunde. Ein Beutel mit 30 Silberlingen nimmt auf den Verräter Judas Bezug. Mit dem Strick beging er Selbstmord. Mit Hellebarden wurde Jesus gefangen genommen und mit einem Strick gefesselt. Petrus schlug einem Soldaten mit einem Schwert das Ohr ab. Der Hahn symbolisiert die Verleugnung des Apostels. Kanne oder Schüssel stehen für das Händewaschen des Pontius Pilatus und dessen Unschuld.

Marter und Verhöhnung

Andere Gegenstände nehmen auf die Geißelung Bezug, vor allem die Martersäule. Die Dornenkrone symbolisiert die Verhöhnung durch die Kriegsknechte, der Handschuh den Backenstreich. Geißel, Rute, Rutenbündel, Keule und Rohrkolben sind Zeichen der Demütigung. Der Purpurmantel nimmt auf die Entblößung des Gottessohnes Bezug. Mit dem Schweißtuch der Veronika befinden wir uns auf dem Kreuzweg. Der Totenschädel symbolisiert den Hügel Golgatha. Säge, Axt, Pickel, Sapine, Schaufel und Bohrer gelten als Werkzeuge zur Kreuzherstellung.

Nägel und Hammer

Nägel, Zange und Hammer sind Werkzeuge für die Kreuzanheftung. Das weiße Gewand wurde Jesus zuvor abgenommen. Die römischen Soldaten würfelten darum. Die Isopstange mit dem Essigschwamm löschte den Durst des Verurteilten nicht. Eine Uhr zeigt die Sterbestunde an. Schließlich bekrönt das Kreuz der sogenannte Kreuztitel („Inri“), auf dem Jesus als König der Juden genannt ist. Die Leiter nimmt schließlich Bezug auf die Kreuzabnahme. Abgerundet werden die Gegenstände auf einem Passionskreuz mit einem Salbgefäß und einem Totentuch bei der Grablegung. Gelegentlich findet man auch die fünf Wundmale des Gekreuzigten, die sogenannten Stigmata, und das Herz Jesu als Symbol der Liebe. Manchmal ziert auch eine Hand ein solches Kreuz. Es ist die Hand Gottes, die er seinem Sohn entgegenhält. Drei Hostien weisen schließlich auf die Eucharistie hin.

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Im südlichen Ostallgäu findet man solche Passionskreuze an Haus- oder Stallfassaden in Albatsried, Attlesee, Guggemoosen, Lerchegg, Lechbruck, See bei Weißensee, Straß, Rieden und Roßhaupten. In Riedegg steht das Passionskreuz eigenständig neben dem Gebäude. Diese Flurdenkmäler entstanden vor allem im 19. Jahrhundert. Oft waren es die Bauern selbst, die in den kalten Wintermonaten zum Schnitzmesser griffen. Vor allem in der Karwoche waren die Arma-Christi-Kreuze oftmals Ziel von Prozessionen, die von der jeweiligen Pfarrkirche hierher führten. Nach dem Beten eines Rosenkranzes kehrte man gestärkt von den Symbolen der Passion Christi nach Hause zurück.