Bildung

Die meisten Schüler im Füssener Land lernen wieder von zuhause

Leer sind die meisten Klassenzimmer im Füssener Land, nachdem seit Mittwoch alle Schulen wieder in den Distanzunterricht gewechselt sind.

Leer sind die meisten Klassenzimmer im Füssener Land, nachdem seit Mittwoch alle Schulen wieder in den Distanzunterricht gewechselt sind.

Bild: Ulrich Wagner (Archiv-Foto)

Leer sind die meisten Klassenzimmer im Füssener Land, nachdem seit Mittwoch alle Schulen wieder in den Distanzunterricht gewechselt sind.

Bild: Ulrich Wagner (Archiv-Foto)

Die Notbetreuung bis zu den Weihnachtsferien hat begonnen. Wie das in den Schulen und Kindergärten funktioniert.
17.12.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Wegen seines Zickzack-Kurses in Sachen Distanzunterricht steht Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) stark in der Kritik. Erst kündigte er an, ein Fernunterricht finde vor Weihnachten nicht mehr statt, nur um wenig später zurückzurudern: Ein Distanzunterricht finde zwar statt, jedoch sei er überwiegend nicht verpflichtend. Am Mittwoch dann das nächste Problem: Die Online-Lernplattform Mebis war zeitweise nicht erreichbar. Doch wie ist die Lage im Füssener Land? Schulen und Kindergärten bieten nämlich lediglich eine Notbetreuung an für Kinder, deren berufstätige Eltern sie nicht beaufsichtigen können. Wir haben nachgefragt.

  • Gymnasium Hohenschwangau: Dort gilt die Notbetreuung für alle Schüler der fünften und sechsten Klasse. Nach Auskunft von Schulleiter Thomas Schauer ist genau ein Kind in der Schule. Alle anderen befinden sich zuhause und betreiben Distanzlernen. Das heißt, dass die Schüler über die „Hogau-Cloud“ Materialien aus dem Internet herunterladen können, die Lehrkräfte stehen virtuell für Fragen zur Verfügung. Für die elften und zwölften Klassen gibt es bis Freitag noch verpflichtenden Distanzunterricht. Das bedeutet: Virtuelle Konferenzen mit den Lehrern und Klassenkameraden, es werden neue Inhalte behandelt. „Theoretisch könnten sogar mündliche Noten gemacht werden“, erläutert Schauer den Unterschied zum Distanzlernen. Im zugehörigen Internat seien noch Schüler untergebracht, einige hätten sich aber bereits auf den Heimweg gemacht, gerade aus dem Ausland.

Eltern sind wegen der Notbetreuung zurückhaltend

  • Grundschule Nesselwang: Ein Großteil der Schüler befindet sich bereits zuhause, sagt Rektorin Anja Selzer. Bis Dienstag können die Kinder aber in Gruppen betreut werden, wenn die Eltern keine andere Möglichkeit haben. Dabei sieht Selzer Parallelen zum ersten Lockdown im Frühjahr: „Es sind viele Kinder da, die wir damals schon in der Notbetreuung hatten.“ Sie bemerkt eine gewisse Zurückhaltung bei den Eltern, die Kinder noch in die Schule zu schicken. „Es ist mein Bauchgefühl, dass die Eltern alles versuchen, um die Notbetreuung zu vermeiden“, sagt sie. Eine Klasse der Grundschule befindet sich komplett in Quarantäne. Alle Schüler hätten noch Unterrichtsmaterialien mit nach Hause bekommen, die sie bis zum Ferienbeginn bearbeiten können. Die Lehrer, die nicht im Schichtbetrieb der Notbetreuung eingesetzt werden, beantworten virtuell die Fragen der Kinder. „Die Arbeitsblätter können die Schüler den Lehrern digital schicken, alternativ können sie die Materialien am Montag und Dienstag bei uns abgeben“, erläutert die Rektorin.

Stundenplan bietet den Schülern eine Struktur

  • Realschule Füssen: Man sei bestens gerüstet gewesen für einen erneuten Unterricht am Computer, heiß es aus dem Direktorat. „Wir hatten seit dem Lockdown im Frühjahr einige Fortbildungen, unsere Lehrer haben sich zusammengetan und Testläufe gestartet. Alle hätten an einem Strang gezogen“, sagt Leiter Andreas Erl. Er bezeichnet die Umstellung als „große Herausforderung“, es hätte „aber super geklappt“. Doch nun wird, wie an den anderen Schulen auch, nur der Abschlussjahrgang virtuell unterrichtet, für alle anderen gilt das Distanzlernen. Und doch ist es Erl wichtig, dass alle Schüler eine Struktur haben. Deswegen wird an der Realschule der Stundenplan der einzelnen Klassen aufrecht erhalten, das heißt: „Die Lehrer stehen zur gleichen Zeit virtuell für Fragen parat, wie sie auch an der Schule unterrichten würden.“ Er selbst hat am Mittwoch pünktlich zum Start der dritten Schulstunde auch den Livestream begonnen, um einer achten Klasse Arbeitsaufträge im Fach Physik zu erteilen und Unklarheiten zu beseitigen. „Es ist sehr wichtig, den Kindern dieses Ritual zu bieten, dass auch zuhause die Schule um 7.50 Uhr beginnt. Dadurch bleiben sie besser am Ball“, sagt Erl. Und auch wenn die Teilnahme an den Videokonferenzen freiwillig ist, ausgenommen die Abschlussklassen, werden sie von den Jugendlichen gut angenommen, findet der Schulleiter.
  • Kitas: In den üblichen sechs Gruppen werden die Kleinsten im AWO-Kinderhaus Schatztruhe in Füssen betreut. Das liegt laut Angelika Küfner, Leiterin der Einrichtung, daran, dass die Gruppen nicht gemischt werden dürfen. „Die Anzahl der Kinder ist aber ziemlich reduziert“, sagt Küfner. Der Betreuungsbedarf ist auch geringer als sonst, erklärt sie. Manche Eltern, die eigentlich länger gebucht hätten, holen ihr Kind jetzt früher ab. Dadurch könnten die Erzieherinnen nun auch Überstunden abbauen, die sich durch die spezielle Situation in diesem Jahr angesammelt hätten. In der kommenden Woche werde die Zahl der zu betreuenden Kinder noch geringer, da können laut der Leiterin bereits zwei Gruppen in Kindergarten oder Krippe geschlossen werden. „Über die Feiertage haben wir dann Ferien und öffnen am 7. Januar wieder“, sagt Küfner. Unter welchen Regeln dann der Besuch im Kindergarten oder der Schule möglich sein wird, ist offen.