Energieversorgung

E-Werke Reutte schaffen sechs Fußballfelder mehr Natur

Kraftwerke

Vom bisherigen Kraftwerk Reutte I (hier mit Blickrichtung Südwest/Ehenbichl), das zum Einlaufbauwerk umgestaltet wird, führen künftig zwei 2,60 Meter starke Rohre 1000 Meter weit unterirdisch nach Norden bis zum erneuerten Kraftwerk II kurz vor der Lechbrücke.

Bild: Anton Reichart

Vom bisherigen Kraftwerk Reutte I (hier mit Blickrichtung Südwest/Ehenbichl), das zum Einlaufbauwerk umgestaltet wird, führen künftig zwei 2,60 Meter starke Rohre 1000 Meter weit unterirdisch nach Norden bis zum erneuerten Kraftwerk II kurz vor der Lechbrücke.

Bild: Anton Reichart

Bei der Modernisierung der Wasserkraftwerke in Reutte ersetzen unterirdische Druckleitungen einen Kanal. Der wird aufgefüllt und renaturiert.
03.06.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Die Elektrizitätswerke Reutte AG (EWR) nehmen 20 Millionen Euro in die Hand, um ihre Reuttener Wasserkraftwerke zu modernisieren und der Natur wie auch der Naherholung Raum zurückzugeben. Die EWR versorgen nicht nur das Tiroler Außerfern mit Energie, sondern auch ihre Ostallgäuer Nachbarn. Der Bau soll im Jahr 2023 beginnen und nach 18 Monaten fertiggestellt sein.

270 Jahre alte Geschichte

Das Modernisierungsprojekt umfasst den 1,7 Kilometer langen Bereich des Wasserkanals von Ehenbichl entlang der Tränke-Siedlung bis zum Postverteilerzentrum, nahe dem Kraftwerk II, kurz vor der Lechbrücke Reutte-Lechaschau. Die Historie dieses Areals reicht laut EWR-Projektleiter Georg Hauser 270 Jahre zurück. Der erste Wasserkanal wurde noch als Holzfang in der Tränke verwendet. In den 1880er Jahren trieb das Wasser die Turbinen des Linzer Textilwerkes – der damaligen RTW-Reuttener Textilwerke – an.

Nun sollen die letzten 1000 Meter des Kanals vom Kraftwerk I an verschwinden und unterirdisch in zwei Drucksektion genannten Rohren bis zum künftig einzigen Kraftwerk Reutte II führen. Das Kraftwerk I bleibt zwar äußerlich erhalten, dient aber nur mehr als Einlaufbauwerk.

Die sechs geplanten Bauabschnitte beginnen laut EWR-Projektmanager Marco Pallhuber mit der Sanierung der Wehranlage gegenüber der Ortschaft Ehenbichl. Hier wird auf Höhe des Sportplatzes nach der Wehranlage das Absetzbecken instandgehalten sowie das weiterführende Dammbauwerk erneuert. Als nächstes baut das Unternehmen das Kraftwerk I aus – 1000 Meter vor dem künftig einzigen, heute „Kraftwerk II“ genannten Maschinenhaus. „Wir machen das Projekt selbst“, nennt Pallhuber den Vorteil, dass besonders auf die Natur, aber auch auf die Interessen der Anwohner Rücksicht genommen werden kann.

Sechs Fußballfelder Platz für Naherholung

Denn mit dem Umbau des Kraftwerks I verschwindet das Wasser in zwei Druckrohren unter der Erde, und die bisherige Kanalfläche kann aufgefüllt und renaturiert werden. „Ganze sechs Fußballfelder neuer Naturraum entstehen auf dem heutigen Triebwasserweg“, verdeutlicht Pallhuber den Gewinn für die Ökologie. Zusätzlich erhalten die Reuttener einen weiteren Naherholungsraum. Das künftig einzige Kraftwerk erhält zwei neue, effektive Maschinensätze, mit deren Hilfe der Strom erzeugt wird.

Erneuerbare Energie für 4200 Haushalte

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Für Reuttes Bürgermeister Günter Salchner – die Kommune ist Eigentümer der EWR – deckt sich die Energiestrategie der EWR mit den Zielen der Marktgemeinde. Schließlich sei man eine Energie-Modellregion. EWR-Vorstand Dr. Christoph Hilz weist auf die Steigerung der Energieerzeugung hin, die 15 Prozent ausmache. Diese Zunahme erreiche man dadurch, dass der Wasserdurchfluss von 24 auf 26 Kubikmeter pro Sekunde gesteigert wird. Durch die gesamte Stromerzeugung können somit rund 4200 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgt werden.

Hilz nennt das Projekt eine langfristige Investition, die sich durchaus betriebswirtschaftlich rechne. Wegen einer hohen Eigenkapitalquote ist nur teilweise eine Fremdfinanzierung nötig. EWR-Vorstand Michael Hold bekräftigt, dass weder der Hochwasserschutz noch die Grundwassersituation negativ beeinflusst würden. Man habe die Anrainer bereits über das Projekt informiert. Zu deren Schutz arbeite man in den sechs Bauabschnitten und benutze sowohl EWR-eigene Fahrwege als auch eigene Arbeitsflächen.

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