Festival Vielsaitig

Ein Meister auf dem Marimbaphon zeigt Können und Artistik

Ti-Hsien Lai zeigte sich mit seiner Vier-Schlägel-Technik als Meister auf dem Marimbaphon.

Ti-Hsien Lai zeigte sich mit seiner Vier-Schlägel-Technik als Meister auf dem Marimbaphon.

Bild: Klaus Wankmiller

Ti-Hsien Lai zeigte sich mit seiner Vier-Schlägel-Technik als Meister auf dem Marimbaphon.

Bild: Klaus Wankmiller

Ti-Hsien Lai begeistert  sein Publikum im Füssener Kaisersaal. Er benutzt bis zu vier Schlägel gleichzeitig.

03.09.2020 | Stand: 06:45 Uhr

Eigentlich ist das Füssener Kammermusikfestival Vielsaitig Saiteninstrumenten vorbehalten. „Doch beim diesjährigen Motto Augenblicke wird die Palette der Instrumente um das Marimbaphon und das Schlagzeug erweitert“, freute sich Kulturamtsleiterin Karina Hager bei der Begrüßung des aus Thailand stammenden mehrfach preisgekrönten 28-jährigen Percussionisten Ti-Hsien Lai. Er erwies sich als Meister seines Instruments.

Akropbatische Höchstleistungen

Den Auftakt machte das 1987 entstandene Stück „Dances of Earth and Fire“ für Marimba solo von Peter Klatzow. Die beiden ganz gegensätzlichen Sätze sind in einem fast archaischen Stil geschrieben und symbolisieren Leben und Tod. Der erste Teil beginnt geheimnisvoll und soll laut Angaben des Komponisten die Schwerkraft der Erde symbolisieren. Temperamentvoller ist der zweite Satz, der das Aufflackern und die Vergänglichkeit der Flammen darstellt. Das 15-minütige Stück verklang leise, genau mit dem Schlag der Kirchenglocke von St. Mang. Ti-Hsien Lai zeigte akrobatische Höchstleistungen. Mit vier Schlägeln bewegte er sich äußerst beweglich in den Höhen und Tiefen seines Instruments und spielte das Konzert auswendig, was eine außerordentliche Gedächtnisleistung ist.

Kugel und Klangverstärker

Gene Koshinski komponierte „SyNc“ für Snare-Drum. Ti-Hsien Lai ließ zu Beginn eine Kugel auf der Trommel kreisen. Es folgten mehrere klangliche Ideen mit auf die Trommel gelegten Klangverstärkern. Diese Synchronisation ist vor allem vom Rhythmus geprägt. Die einzelnen Phrasen drehen sich dabei um die Zahl „fünf“. So entwickeln sich immer wieder neue Klänge.

2001 entstand die Toccata von Anna Ignatowicz in Erinnerung an ihren Vater. Viele persönliche Bezüge interpretierte die polnische Komponistin in ihr Werk. Es beginnt leise. Ein Grundtremolo begleitet das Marimbastück mit seinen großen dynamischen Kontrasten. Wiederum zeigte sich Ti-Hsien Lai als Meister auf seinem Instrument.

Persische Trommel

Georges Aperghis beschreibt in seinem „Le Corps à Corps“ („Körper an Körper“) Szenen bei einem Autorennen. Der Interpret spielte dabei nicht nur die aus Persien stammende Trommel Zarb, sondern hat auch Sprechrollen mit Summen. Stöhnen und plötzlichem Innehalten. Für die Performance lernte der Komponist sogar das Vokabular der Fahrer, Mechaniker und Sportkommentatoren an der Rennstrecke. So wird neben der Zarb die menschliche Stimme zu einem zweiten Instrument. Es ist der Kampf eines Musikers mit seiner Trommel und seiner Stimme, der mit vielen Gesten und kurzen überraschenden Unterbrechungen zu einem rasanten Ende führt.

Sehr melodisch ist die „Rotation II“ von Eric Sammut für Marimba mit interessanten harmonischen Veränderungen. Es ist ein Standardwerk für dieses Schlaginstrument. In „Rebonds B“ von Iannis Xenakis wechselte Ti-Hsien Lai abschließend zum Schlagzeug. Die Musik klingt so, als würde sie von mehreren Personen gespielt. Das Stück ist ganz vom Rhythmus und Akzenten geprägt. Bis auf zwei leisere Intermezzi auf den Cowbells erreichte dieses laute Stück mit großer Trommel und Congas die klanglichen Grenzen des akustisch hervorragenden Kaisersaals.

Mit ruhiger Weise ins Bett geschickt

Als Zugabe folgte deswegen „eine ruhige Marimbaweise, um ruhig schlafen gehen zu können,“ wie es Ti-Hsien Lai seinem begeisterten Publikum als krönender Abschluss versprach.