Kommentar

"Ein Wagnis:" Was die AZ zu den Rochaden beim EV Füssen meint

Als einen Schritt mit Courage bezeichnet AZ-Sportredakteur Benedikt Siegert die Entscheidung von Andreas Becherer, in den Nachwuchsbereich zu wechseln.

Als einen Schritt mit Courage bezeichnet AZ-Sportredakteur Benedikt Siegert die Entscheidung von Andreas Becherer, in den Nachwuchsbereich zu wechseln.

Bild: AZ

Als einen Schritt mit Courage bezeichnet AZ-Sportredakteur Benedikt Siegert die Entscheidung von Andreas Becherer, in den Nachwuchsbereich zu wechseln.

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Die Verantwortlichen des EVF beweisen mit ihrem unkonventionellen Schritt Mut, schreibt AZ-Redakteur Benedikt Siegert. Denn bei Misserfolg lauern Gefahren.
19.03.2021 | Stand: 20:00 Uhr

Es ist ein im deutschen Eishockey ziemlich einmaliger Schritt: Denn normalerweise läuft es genau umgekehrt. Ist ein Trainer erfolgreich und hat sich erste Erfolge im Nachwuchsbereich verdient, wird er zum Headcoach befördert. Nicht so beim EV Füssen. Dort hat Andreas Becherer über drei Jahre im Seniorenbereich sein Können unter Beweis gestellt, eine Meisterschaft gefeiert, den Klub wieder in der Oberliga etabliert. Nach einem sportlich unrunden Jahr macht er jetzt Platz für einen neuen Mann hinter der Bande. Sein Know-how ist jetzt mehr im Nachwuchsbereich gefragt, wo er die U20-Mannschaft übernimmt, betonen die Verantwortlichen.

Die Führungsriege des EV Füssen stellt sich seit Jahren mit Erfolg gegen den Mainstream

Ein mutiger Schritt, der auch Gefahren birgt. Denn läuft es im kommenden Jahr unter seinem Nachfolger schlecht, werden sofort Rufe laut werden, die Becherers Rückkehr fordern. Doch die Verantwortlichen stellen sich mit dieser unkonventionellen Entscheidung nicht zum ersten Mal gegen den Mainstream. Seit Jahren setzen sie auf junge Talente statt teure Profis. Nachhaltige Arbeit ist ihnen dabei wichtiger als kurzfristiger Erfolg, den man sich bequem zukaufen könnte.

Torhüter Benedikt Hötzinger (links) gilt als Musterbeispiel dafür, wie der EV Füssen auf junge, einheimische Spieler setzt.
Torhüter Benedikt Hötzinger (links) gilt als Musterbeispiel dafür, wie der EV Füssen auf junge, einheimische Spieler setzt.
Bild: Benedikt Siegert

Die Entscheidung von Andreas Becherer kommt unvorhergesehen, ist aber konsequent

Insofern ist die jetzige Entscheidung zwar immer noch sehr überraschend, aber doch irgendwie logisch. Sie birgt den Vorteil, dass die erste Mannschaft nach dem unbefriedigenden elften Rang im kommenden Jahr unbeschwert neu anfangen kann. Außerdem signalisiert der Klub potenziellen Talenten, welche Wertschätzung ihnen beim EVF entgegengebracht wird. Dennoch wird das Wagnis am Ende natürlich nur gelingen, wenn sich auch der sportliche Erfolg einstellt – bei beiden Teams. Die bisherige Vereinshistorie mit Aufstiegen von der Bezirks- bis in die Oberliga gibt den Verantwortlichen dabei Recht.

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