Neue Vorsitzende

Eine Ära endet bei der Theatergemeinde Pfronten/Nesselwang

Stab- und Generationenwechsel: Nach 22 Jahren übergibt Gebhard Dasser sein Amt als Vorsitzender der Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang an Ulrike Rottenburger (rechts, bisherige Vize-Vorsitzende) und an Annerose Umfahrer (bisherige Schriftführerin, nun Zweite Vorsitzende).

Stab- und Generationenwechsel: Nach 22 Jahren übergibt Gebhard Dasser sein Amt als Vorsitzender der Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang an Ulrike Rottenburger (rechts, bisherige Vize-Vorsitzende) und an Annerose Umfahrer (bisherige Schriftführerin, nun Zweite Vorsitzende).

Bild: Anton Reichart

Stab- und Generationenwechsel: Nach 22 Jahren übergibt Gebhard Dasser sein Amt als Vorsitzender der Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang an Ulrike Rottenburger (rechts, bisherige Vize-Vorsitzende) und an Annerose Umfahrer (bisherige Schriftführerin, nun Zweite Vorsitzende).

Bild: Anton Reichart

Nach 22 Jahren gibt Gebhard Dasser die Leitung an Ulrike Rottenburger ab. Wie geht es mit dem Theater im Pfarrheim weiter in Corona-Zeiten?
03.10.2020 | Stand: 17:30 Uhr

Ein Urgestein der Ostallgäuer Theaterlandschaft gibt den Vorsitz ab und wirkt im Beirat unterstützend weiter: Gebhard Dasser hat sich entschlossen, nach 22 Jahren die Leitung der Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang an Ulrike Rottenburger zu übergeben. Bei den Neuwahlen rückten schon bisher bewährte Kräfte nach. Musicalstar und Beirat Espen Nowacki überraschte bei der Versammlung im Brauereigewölbe des Nesselwanger Gasthofes Post seinen „Chef“ mit einem durchdringenden „You did it your way“ in Anlehnung an Frank Sinatras berühmtes Chanson.

Bestand des Vereins war mehrfach gefährdet

„85 und 22“, das seien beeindruckende Daten, begrüßte Nesselwangs Bürgermeister Pirmin Joas den 85-jährigen, körperlich wie geistig jung gebliebenen Langzeit-Chef. Der habe über zwei Jahrzehnte „mehrmals das Über- und Weiterleben des Vereins gesichert“, erinnerte seine Nachfolgerin Rottenburger. Pfrontens neuer Gemeindechef Alfons Haf dachte schmunzelnd zurück an seinen früheren Co-Gründer der Pfrontener Liste: „Gebhard ist ein Gestalter.“ Das gelte auch in der Kulturlandschaft.

Weitere Wechsel im Vorstand

Bei den Neuwahlen übernahm die bisherige Schriftführerin Annerose Umfahrer die Stelle der Zweiten Vorsitzenden, Sabine Henke wird neue Schriftführerin und Anika Carle-Huber arbeitet weiter als Schatzmeisterin. „Die Beiräte werden bei uns nicht gewählt, sondern vom Vorstand bestimmt“, erläuterte Dasser dieses bodenständige „Wahlverfahren“. Was Haf zum spontanen Einwurf veranlasste: „Das hat Gebhard schon früher in Pfronten so eingeführt und gehandhabt!“

Abonnenten zeigen sich großzügig

An eine sehr umfangreiche, zurückliegende Saison 2019 erinnerte Schriftführerin Umfahrer in ihrem Rückblick. Schatzmeisterin Carle-Huber hatte vergangenes Jahr den Rotstift angesetzt. Es wurde „alles, was zu teuer ist, nicht gemacht“. Denn die Bilanz ergab etwas Defizit. Und als dann im heurigen Frühjahr die Corona-Krise zuschlug, „haben ganz Viele auf die Erstattung der Eintrittsgelder verzichtet und gespendet.“ Das seien 90 Prozent der Abonnenten gewesen, zeigte sich auch Kassenprüfer Reinhold Ammer erfreut und dankbar.

Visionäres Stück

Nach der Uraufführung von Espen Nowackis „Mein Freund Harvey“ im heurigen März sei sie öfters auf das Visionäre dieses Stückes angesprochen worden, meinte Rottenburger. Bei dem Bezug zum Alleinsein in dem Stück, da „war nix zum Lachen“. In der sonst toten November-Zeit trat in der Nesselwanger Alpspitzhalle ein weltberühmter Zauberer auf mit der Ankündigung „In New York, in Tokio und jetzt in Nesselwang“. Erfreulicherweise sei die Abonnentenzahl von 101 auf 124 gestiegen. Und einschließlich der Sondervorstellungen nahm die Besucherzahl um 29 Prozent auf 1723 Besucher zu. Für die jetzt kommende Saison gebe es keinen Spielplan. Aber schon jetzt mache man sich Gedanken über die Saison 2021/22.

Zur Person

Gebhard Dasser Der gebürtige Pfrontener hatte einen Kirchenmaler und Restaurator zum Vater. Nach dem Füssener Gymnasium absolvierte er eine Lehre als Mechaniker bei Maho in Pfronten. Anschließend studierte er Elektrotechnik/Datenverarbeitung in München. Mit 21 kam er von Pfronten weg und wurde von Siemens „viele Jahre durch die Welt geschickt“. Erst mit der Pension kam er zurück nach Pfronten, wo er mit seiner Frau Gabi Claves-Dasser lebt. 1998 übernahm er die Leitung der 1955 gegründeten Theatergemeinde Pfronten-Nesselwang. Er plante das jährliche Programm, damals gab es fünf Aufführungen verschiedener Bühnen. Darunter fand sich auch jeweils im Dezember ein Kinderstück. Die Plakate hat er selbst entworfen und drucken lassen. Später wollten seine überwiegend älteren Vorstandskollegen aufhören und den Verein auslaufen lassen. Da habe er einfach junge Menschen rekrutiert. Vor zehn Jahren seien Rottenburger, Nowacki und Umfahrer dazu gestoßen, „und jetzt haben wir einen echten Generationswechsel“.

Ulrike Rottenburger Die neue Vorsitzende hat in Freiburg Germanistik, Politik und Literaturwissenschaft studiert. Später arbeitete sie als Kulturmanagerin in einer kleinen Stadt bei Frankfurt am Main. Sie wollte schon immer ins Allgäu – auch der Liebe wegen –, „aber erst, wenn ich hier einen guten Job habe“. Den fand sie dann beim „T:K“, dem Theater in Kempten, als Leiterin Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. 2010 wollte sie sich an ihrem Wohnort Pfronten einbringen, ging in eine Theatervereinssitzung hinein und kam mit einem Vorstandsamt wieder heraus. 2015 hat sie während ihrer Elternzeit die Junior-Reihe entwickelt. Sie hat sich schon in München andere Bühnen und Stücke angeschaut, ob die für Pfronten passen könnten. Fix sind kleinere Sachen für die Jüngsten im Haus Zauberberg im Ortsteil Rehbichel: „Das ist die Zukunft!“ Zunächst werden Vorschläge gesammelt, dann „wird sich gewünscht“ und auch etwas Besonderes, etwas Großes zur Saisoneröffnung im nächsten Jahr ausgesucht.